«Spanien wird zum Bordell Europas»

publiziert: Montag, 7. Mai 2007 / 21:58 Uhr / aktualisiert: Montag, 30. Jul 2007 / 08:18 Uhr

Madrid - Die käufliche Liebe ist in Spanien weiterhin weder legal noch illegal. Nach dreijährigen Beratungen darüber, wie die immer stärker um sich greifende Prostitution in den Griff zu bekommen sei, bleibt in Spanien alles beim Alten.

Nach Angaben der Zeitung «ABC» geben die Spanier umgerechnet bis zu 66 Milliarden Franken im Jahr für käuflichen Sex aus.
Nach Angaben der Zeitung «ABC» geben die Spanier umgerechnet bis zu 66 Milliarden Franken im Jahr für käuflichen Sex aus.
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Alle Debatten, Gesprächsrunden und Expertisen waren letzten Endes vergebens. Das Madrider Parlament konnte keine Einigung auf ein Gesetz über die Prostitution erreichen. Bei der Diskussion hatte es zwei Seiten gegeben.

Die einen plädierten dafür, die käufliche Liebe nach dem Vorbild der Niederlande zu reglementieren und zu einer legalen Erwerbstätigkeit zu machen. Die anderen forderten, Spanien solle sich an Schweden ein Beispiel nehmen und die Prostitution ganz verbieten.

Bordell Europas

Einig waren sich beide Parteien darin, dass unbedingt etwas geschehen müsste. Die Prostitution hatte zuvor einen beispiellosen Boom erlebt. «Spanien wird zum Bordell Europas», empörte sich die Presse.

Nach Angaben der Zeitung «ABC» geben die Spanier umgerechnet bis zu 66 Milliarden Franken im Jahr für käuflichen Sex aus. Dies ist fast so viel, wie der Staat in die Bildung investiert. Etwa 350'000 Prostituierte gehen auf Strassen und Parkanlagen, in Privatwohnungen und Bordellen ihrem Gewerbe nach.

Zu den Akten

Das Parlament entschied nun, seine Gesetzespläne zu den Akten zu legen. Die Abgeordneten lehnten es mit grosser Mehrheit ab, die Liebesdienste per Gesetz als eine legale Arbeit wie andere anzuerkennen.

Etwa 90 Prozent der Prostituierten in Spanien würden von der Mafia ausgebeutet und zur Prostitution gezwungen, teilte die Abgeordnete Maribel Montaño mit. Das Parlament wolle die kriminellen Geschäfte dieser Banden nicht legalisieren.

Heftige Kritik

Bei den Betroffenen löste die Entscheidung heftige Kritik aus. Die Prostituiertenvereinigung Hetaira sprach von einer «Schande». Das Parlament lasse all jene Liebesdienerinnen ohne Schutz und ohne Rechte, die ihre Dienste freiwillig und ohne Zwang anböten.

Die Vereinte Linke warf die Frage auf: «Wenn fast alle Prostituierten, wie behauptet wird, Opfer sexueller Ausbeutung sind, warum verbietet man die Prostitution nicht schlicht und einfach?» Aber so weit wollten die Parlamentarier nicht gehen. Dafür ist die Prostitution in Spanien wohl zu weit verbreitet.

Nach Angaben der Abgeordneten Montaño erwerben in Spanien pro Tag 1,5 Millionen Männer käuflichen Sex. «Wenn man bei uns dem Beispiel Schwedens folgte, müssten Hunderttausende von Freiern festgenommen werden», warnte ein Experte der Polizei.

Spanien gespalten

Die Zeitung «El País» führte das Scheitern der gesetzgeberischen Initiative darauf zurück, dass die spanische Gesellschaft in der Frage der Prostitution zutiefst gespalten sei. Das eine Lager verlange eine gesetzliche Regelung, das andere ein Verbot.

«Die Teilung richtet sich nicht nach den üblichen ideologischen Trennungslinien», betont das «Blatt». «In der Frage der Prostitution ist nicht nur die feministische Bewegung gespalten, sondern auch die sozialistische Regierung.»

(von Hubert Kahl/dpa)

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