Spengler Cup in Gefahr?

publiziert: Mittwoch, 24. Dez 2003 / 10:59 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 24. Dez 2003 / 12:48 Uhr

Der Spengler Cup Davos war bisher europaweit das einzige sportlich und wirtschaftlich wirklich erfolgreiche Turnier. Wackelt nun der "Thron" des Spengler Cups mit der Einführung des "Super Six"-Turniers?

Der Continental Cup ist Geschichte. Er war auch, trotz sportlichen Höchstleistungen, ein wirtschaftlicher Misserfolg. Ans Herz der Fans gelangte er nie.

Nun versucht man erneut einen Anlauf: Mit dem Super Six-Turnier. Europas sechs beste Eishockey-Klubs sollen vom Januar 2005 an in einem einwöchigen Turnier einen Kontinentalmeister ermitteln.

Unter dem Titel "Super Six" sollen auf der Grundlage der Weltrangliste die Meister der fünf besten europäischen Länder sowie der Champion des Gastgeberlandes teilnehmen.

Geplant ist eine Vorrunde mit zwei Dreier-Staffeln, die Gruppen-Ersten sollen das Finale bestreiten. Der Premieren-Wettbewerb mit den Meistern des kommenden Jahres soll in der zweiten Januar-Woche 2005 stattfinden.

Soweit die Fakten. Aber welche Chancen hat dieses Turnier? Wir wagen einen Vergleich zwischen dem bisherigen Euro-Clubteam-Turnier, dem Continental Cup, und dem Spengler Cup: Beides waren sie gut besetzte Turniere mit Topteams, dennoch mit grossen Unterschieden.

Finanzieller Erfolg

Der Spengler Cup ist eine Geldmaschine. Nicht nur der Fanaufmarsch und sportliche Gehalt des Turniers ist dabei entscheidend, sondern auch die Aktivitäten, welche in Davos zusätzlich angeboten werden.

Dies generiert weiteren Geldfluss in verschiedenen Bereichen. Genaue volkswissenschaftliche Berechnungen fehlen, der Wert ist aber unbestritten. Die Schätzungen pendeln je nach Position und Interesse zwischen 20 bis 100 Millionen Franken Zusatzeinnahmen im Ort Davos.

Somit kann auch das Preisgeld in die Höhe geschraubt werden. Auch an die NLA-Vereine wird ein Anteil am Gewinn ausgeschüttet. Der HCD bezeichnet den Spengler Cup als seine "Lebensversicherung".

Beim Continental Cup wurde gespart: Angesichts der bescheidenen Preisgelder (70 000 für den Sieger, 10 000 Franken für den Letzten, die Gesamtpreissumme bewegte sich bei bescheidenen 200 000 Franken) lockt man nicht sehr viele Clubs an dieses Turnier. Und für den Austragenden ist jeweils zu hoffen, dass man wenigstens buchhalterisch nicht ins Minus gerät. Beim Super Six-Turnier werden neue Preisgelder angesetzt (höhere als beim Conti-Cup).

Fazit: Vorteil Spengler Cup

Termin und Austragungsform

Der Termin zwischen Weihnachten und Neujahr, die Tradition des Spengler Cup-Turniers und die Erwartungshaltung der Fans, welche sich zu diesem Zeitpunkt in den Ferien befinden, ist nicht zu schlagen.

Im Vergleich hierzu waren die Termine für die Austragung des Continental Cup immer unglücklich gewählt und die meisten Mannschaften empfanden das Engagement an diesem Turnier als lästig, weil es den Meisterschaftsbetrieb und somit auch den erst wieder gewonnenen Rhythmus gleich nach der Jahreswende unterbricht.

Immerhin ist die Formel mit dem "Superfinal" vor zwei Jahren besser angekommen als die bisherigen Finalturniere. Aber dieses Problem wird auch beim Super Six-Turnier nicht gelöst werden können.

Fazit: Vorteil Spengler Cup

Sportlicher Wert

Der Continental Cup und ab 2005 der Super Six-Wettbewerb mit seiner Austragungsformel hat einen anderen sportlichen Wert als der Spengler Cup, welcher zwar als gut vermarktetes Showturnier dennoch in der Welt des Eishockey ein Top-Image geniesst.

Der Sieg am Spengler Cup ist viel Wert. Beide Turniere können und dürfen von sich behaupten, dass die Teilnehmer von hoher Qualität sind (trotz des Fehlens der schwedischen, tschechischen und deutschen Teams).

Jokerit Helsinki, Lokomotiv Jaroslavl, Lugano, Davos, Minsk sind alles Teams mit Profil. Beim Spengler Cup nehmen traditionell fast nur Mannschaften teil, die als Landesmeister nach Davos kommen. Ausnahmen gibt es jedoch auch bei diesem Turnier.

Was für den "Super Six"-Wettbewerb spricht, ist die Tatsache, dass hier tatsächlich in einem Europacup/Champions League-artigen Rahmen ein "echter Kontinentalmeister" erkoren wird und nur Clubmannschaften, die besten sechs, den Titel unter sich ausmachen.

Fazit: Unentschieden, leichter Vorteil "Super Six"

Popularität

Die Zahlen sprechen Bände: Schon in der Vergangenheit war der Spengler Cup ein Zuschauererfolg. Doch in der Austragung 2002 wurden alle Bestmarken geknackt: Erstmals in der Geschichte des Spengler Cups waren nämlich alle elf Spiele mit je 7680 Zuschauern ausverkauft. Das macht ein Gesamttotal von 84 480 Fans, die ins Eisstadion Davos pilgerten.

Im Jahre 1991 war der Zuschaueraufmarsch mit 72 840 beziffert worden. 2000 steigerte man sich auf 79 610 und ein Jahr später knackte man die 80 000er Marke und erreichte über 82 000. Der aktuelle Rekord ist demnach "unbrechbar", wenn nicht das Stadion nicht ausgebaut wird.

Aber auch im Bereich der TV-Übertragungen wurden Bestmarken gesetzt: CTV Sportsnet in Kanada erreichten Zuschauerwerte von durchschnittlich 1 Million Zuschauer. Und natürlich knackte man im Schweizer Fernsehen ebenfalls die Bestmarken: Mit einem Marktanteil von 57 Prozent und 356 000 Zuschauern (2001: 51,4 Prozent und 308 000 Zuschauer) hat die Übertragung des Spengler-Cup-Finals vom 31. Dezember 2002 zwischen Team Canada und dem HC Davos einen neuen Rekordwert erreicht.

Insgesamt verfolgten auf SF DRS 2 388 Millionen Zuschauer die Live-Übertragungen der elf Spiele (2001: 2,267 Mio.), was einem Zuwachs von 5,33 Prozent entspricht.

Von solchen Zahlen können die Organisatoren des Continental Cups nur träumen. Ohne dass Clubs als Austragungsorte einspringen und die Defizitgarantie übernehmen, wären die bisherigen Finalturniere wirtschaftlich nie machbar gewesen.

Fazit: Vorteil Spengler Cup

Vermarktung

Der Spengler Cup wird hervorragend und professionell vermarktet und weiss ein sehr grosses und effektives Team in allen Bereichen hinter sich. In diesem Bereich konnte der Continental Cup in keinster Weise mithalten.

Zudem kämpft man bei der IIHF im Bereich der PR und Vermarktung mit Akzeptanzproblemen und kann sich nicht auf eine "lebendige Tradition" im Clubhockey berufen. Ständige Wechsel der Austragungsformel und wenig Identifikation sind Gift für ein Vermarktungskonzept.

Das Fehlen von interessanten "Eishockey-Märkten" wie die DEL, Tschechien und Schweden drückt für Sponsoren und Vermarkter die Lust auf ein Engagement. Dieses grosse Problem bewog die Mannschaften nach grossen Verlusten trotz finanziellen und vermarktungstechnischen Anstrengungen bei der Euroliga auszusteigen. Das Ziel ist, die Topteams aus allen Europäischen Nationen wieder zur Teilnahme zu bewegen. Dies wird nun mit dem Super Six-Turnier angestrebt.

Fazit: Vorteil Spengler Cup

(Von Joel Wüthrich, Working Press Basel/Si)

 
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