Soziales

St. Galler Rentner helfen Betagten und erhalten Zeitgutschriften

publiziert: Montag, 2. Jun 2014 / 18:50 Uhr / aktualisiert: Montag, 2. Jun 2014 / 19:09 Uhr
Ab sofort können sich Personen aus St. Gallen, die pensioniert oder mindestens 60 Jahre alt sind, als «Zeitvorsorger» melden.
Ab sofort können sich Personen aus St. Gallen, die pensioniert oder mindestens 60 Jahre alt sind, als «Zeitvorsorger» melden.

St. Gallen - In der Stadt St. Gallen sollen rüstige Rentnerinnen und Rentner betagten Menschen im Alltag helfen. Sie erhalten dafür Zeitgutschriften, die sie später bei Bedarf in Form von Betreuung zurückerhalten.

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Am Montag wurde das Projekt «Zeitvorsorge» gestartet. St. Gallen ist schweizweit Pionierin in der kommunalen Zeitvorsorge, wie Stadtrat Nino Cozzio an einer Medienkonferenz sagte.

An der neu gegründeten Stiftung sind neben der Stadt das kantonale Amt für Soziales, die städtischen Kirchgemeinden, die Pro Senectute, die Spitex, das Rote Kreuz und die Frauenzentrale beteiligt.

Ab sofort können sich Personen aus der Stadt, die pensioniert oder mindestens 60 Jahre alt sind, als «Zeitvorsorger» melden. Sie helfen dann betagten Menschen im Alltag, beispielsweise beim Einkaufen oder Kochen, begleiten sie auf Spaziergänge oder leisten ihnen beim Essen Gesellschaft.

Maximal 750 Stunden Guthaben

Die Stiftung Zeitvorsorge und die beteiligten Institutionen vermitteln die Einsätze und führen die Buchhaltung. Den Betreuerinnen und Betreuern werden die geleisteten Stunden auf einem persönlichen Zeit-Konto gutgeschrieben. Guthaben von bis zu 750 Stunden können so angespart werden.

Später, wenn die Betreuenden selber einmal im Alltag Hilfe brauchen, haben sie Anspruch auf ebenso viele Stunden Betreuung. Pflegerische und medizinische Leistungen sind von der Zeitvorsorge ausgeschlossen - denn dazu braucht es ausgebildetes Fachpersonal. Auch für die Betreuung von Ehepartnern gibt es keine Zeitgutschriften.

Erfolgreich getestet

In einer Testphase sammelten zwölf Zeitvorsorgende während vier Monaten Erfahrungen. Vor allem bei Männern stosse die Zeitvorsorge auf Interesse, sagte die Geschäftsführerin der Stiftung, Priska Muggli. Das System könne Menschen, die selber Angehörige betreuen, enorme Entlastung bringen.

Der 63-jährige Reinhold Harringer, ehemaliger Chef des Stadt St. Galler Finanzamts und Miterfinder der Zeitvorsorge, sprach von einer «Win-Win-Situation für alle». Die Zeitvorsorge schaffe soziale Kontakte und biete Rentnerinnen und Rentnern eine sinnvolle Beschäftigung.

Die Verantwortlichen erwarten, dass sich in der Stadt etwa 300 Personen als Zeitvorsorger registrieren lassen. Weil am Anfang noch niemand über Zeitgutschriften verfügt, werden solche gratis an Hilfsbedürftige zugeteilt. Informationen gibt es auf der Homepage www.zeitvorsorge.ch.

Stadt leistet finanzielle Garantie

Für den Fall, dass das Projekt scheitert, garantiert die Stadt die Zeitgutschriften bis zu einem Gegenwert von 3,4 Millionen Franken. Nino Cozzio zeigte sich aber zuversichtlich, dass diese Garantie nicht beansprucht werde. Er sei gespannt, wie das System Zeitvorsoge funktioniere.

Die Betriebskosten von jährlich 150'000 Franken trägt die Stadt. Wenn es dank der Zeitvorsorge gelingt, dass jedes Jahr fünf Personen im eigenen Haushalt bleiben können, statt in ein Heim einzutreten, lohnt sich die Sache für die Stadt auch finanziell, wie Priska Muggli sagte.

(fest/sda)

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