Ständerat als Kunstkritiker: Pro Helvetia abgestraft
publiziert: Dienstag, 7. Dez 2004 / 15:08 Uhr

Bern - Wegen einer umstrittenen Ausstellung in Paris hat der Ständerat den Kredit von 34 Millionen für Pro Helvetia um eine Million gekürzt. Er entschied klar mit 24 zu 13 Stimmen, obschon mehrere Votanten die künstlerische Freiheit verteidigten.

Thomas Hirschhorn: Seine Kunst gefiel den konservativen Eidgenossen im Ständerat nicht.
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Den Kürzungsantrag stellte Peter Bieri (CVP/ZG). Er protestierte damit gegen die von Pro Helvetia mit 180 000 Franken unterstützte Ausstellung von Thomas Hirschhorn, bei der intimste Werte der Schweiz in den Dreck gezogen würden. Wo eine Organisation nicht selber zum Rechten sehen könne, müsse die Oberaufsicht eingreifen.

Bieri fand es unerträglich, dass die Wappen der drei Urkantone bildlich mit einer Folterszene aus Abu Ghraib in Beziehung gebracht werden. Wenn eine Schauspielerin über eine Abstimmungsurne erbreche und ein Schauspieler in Hundepose auf Bilder von Bundesrat Christoph Blocher uriniere, sei die Menschenwürde verletzt.

Von dieser Dekadenz und Miesmacherei hatte Bieri freilich nur aus den Medien erfahren. Das galt wie für alle andern Votantinnen und Votanten auch für Christiane Langenberger (FDP/VD). Diese wollte den Beitrag an Pro Helvetia symbolisch um 80 000 Franken kürzen, zog ihren Antrag nach gewalteter Diskussion aber zurück.

Entschieden auf die Seite Bieris schlug sich nur Christoffel Brändli (SVP/GR), der Steuermittel lieber für arme Leute einsetzen will als für derartigen Unsinn. Wer in der kurzen Kulturdebatte sonst noch das Wort ergriff, distanzierte sich sowohl von Hirschhorn wie auch von einer Strafaktion gegen Pro Helvetia.

Zorn ist der falsche Ratgeber, sagte Ernst Leuenberger (SP/SO). Die Strafaktion rieche ein wenig nach Zensur und sei eines gelassenen Staates nicht würdig, sagte Anita Fetz (SP/BS). Dick Marty (FDP/TI) warnte davor, den Künstler zum Märtyrer zu machen und letztlich andere Projekte zu treffen.

(fest/sda)

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