Studie: Psychische Folter ist wie körperliche

publiziert: Montag, 5. Mrz 2007 / 23:56 Uhr

Chicago - Folteropfer haben einer wissenschaftlichen Untersuchung zufolge langfristig unter den Folgen seelischer Misshandlungen genauso schwer zu leiden wie unter körperlichen Qualen. Das Ergebnis der Studie ist auch politisch von Bedeutung.

Die Traumatisierung bei unterschiedlichen Folterarten ist laut Studie gleichartig.
Die Traumatisierung bei unterschiedlichen Folterarten ist laut Studie gleichartig.
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Beim Umgang mit Terrorverdächtigen in Guantánamo, Irak und Afghanistan bedienen sich US-Behörden einer engen Definition von Folter, die körperliche Verletzungen ausschliesst, psychischen Missbrauch aber zulässt.

Dem widersprechen die Autoren der Studie, die im Fachmagazin «Archives of General Psychology» veröffentlicht wurde. Eine Unterscheidung zwischen Folter und erniedrigender Behandlung sei nicht nur nutzlos, sondern auch gefährlich, resümiert der Psychologieprofessor Steven Miles von der Universität Minnesota in dem Magazin.

Selbe Folgeerkrankungen

Die Untersuchung von 279 Folteropfern aus der Zeit der Balkan-Kriege in den 90er Jahren habe gezeigt, dass die Opfer psychischer Folter in gleichem Masse unter Folgeerkrankungen wie Depressionen oder traumatischen Störungen leiden wie die Opfer körperlicher Folter.

Die Studie führt den Wissenschaftern zufolge zu dem Schluss, dass die Traumatisierung bei den unterschiedlichen Folterarten gleichartig ist: Sie resultiere allgemein aus einem Gefühl der absoluten Angst und Hilfslosigkeit in den Händen ihrer Schergen.

«Völkerrechtliches Verbot nötig»

Die Befunde liessen darauf schliessen, dass psychische Misshandlungen «der Folter gleichkommen und deshalb völkerrechtlich verboten werden» müssten. Dies gelte insbesondere auch für die internen Richtlinien der US-Behörden im Umgang mit Terrorverdächtigen.

Das US-Verteidigungsministerium und das Justizministerium hatten im Jahr 2003 Richtlinien ausgearbeitet, die nicht-körperliche Misshandlungen zulassen, um den Willen von Gefangenen zu brechen.

(ht/sda)

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