Sydney 2000: Medaillen wie lange nicht mehr

publiziert: Freitag, 30. Jul 2004 / 12:06 Uhr

Das Jahr 2000 ging als eines der erfolgreichsten Schweizer Sportjahre in die Geschichtsbücher ein. Die Olympischen Spiele in Sydney, die grösste Sportveranstaltung aller Zeiten, brachte der Schweizer Mission in sechs Sportarten neun Medaillen ein - so viele wie nie mehr seit 1952 in Helsinki.

Brigitte McMahon mit der Goldmedaille vor dem Opera House.
Brigitte McMahon mit der Goldmedaille vor dem Opera House.
1 Meldung im Zusammenhang
Die erste Medaille durch die Triathletin Brigitte McMahon blieb zwar das einzige Gold. Aber trotz erneut grösser gewordener Konkurrenz kehrten die Schweizer aus der südlichen Hemisphäre ausserdem mit sechs Silber- und zwei Bronzemedaillen zurück. Im Medaillenspiegel nahm die Schweiz damit den hervorragenden 36. Platz unter 200 Nationen ein. 61 von den 102 gestarteten Athleten (= 59,8 Prozent) klassierten sich im ersten Dutzend.

Vier Jahre zuvor in Atlanta hatten Berufssportler für den grössten Medaillenertrag gesorgt. In Sydney triumphierten die Idealisten. Die Schweizer und insbesondere die Schweizerinnen, die mehr als die Hälfte der Medaillen eroberten, zeichneten sich in jungen olympischen Sportarten und Disziplinen aus. Brigitte McMahon und Magali Messmer holten bei der Triathlon-Premiere Gold und Bronze. Die Sparten Mountainbike (mit den 2. und 3. Plätzen von Barbara Blatter und Christoph Sauser) und Degenfechten der Frauen (mit Gianna Hablützel, Diana Romagnoli und Sophie Lamon) stehen seit 1996 im olympischen Programm.

Einige Medaillen besassen historische Dimension. Die silberne Auszeichnung von Michel Ansermet war die erste im Schiessen seit 1984, jene der Reiter im Nationenpreis die erste seit 1924. Und mit Xeno Müller holte erstmals seit den Kunstturnern von 1952 wieder ein Schweizer in einer athletischen Disziplin an zwei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen eine Medaille.

Überstrahlt wurde jedoch alles von Brigitte McMahons Sturmlauf zu Gold am ersten Olympia-Tag. Den 100 000 "Aussies" in der Innenstadt und am Hafen stockte der Atem, als um "high noon" die Lokalmatadorin und Favoritin Michellie Jones und Aussenseiterin McMahon nach 1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren und 10 km Laufen Seite an Seite auf die Zielgerade einbogen. Die Laufstrecke hatte McMahon als 13. in Angriff genommen. Während die 33-jährige Biochemikerin aus Baar nach zwei Stunden Quälerei noch zulegen konnte, hatte Jones keine Reserven mehr.

Zu mehr Olympia-Gold fehlte den Schweizern in Sydney oft nur ein Quäntchen Glück. Gianna Bürki führte im Degen-Final gegen die Ungarin Timea Nagy nach drei Minuten 6:3 und hatte, wie sich Cheftrainer Rolf Kalich ausdrückte, "Gold schon in der Hand". Am Schluss hiess es 11:15.

Wie Bürki im Einzelfinal stand auch die Mannschaft mit Bürki, Sophie Lamon und Diana Romagnoli Gold näher, als es das klare Finalergebnis von 35:45 gegen Russland ausdrückte. Die 15-jährige Lamon, lange im Final die beste Fechterin und die jüngste Schweizer Olympia-Medaillengewinnerin aller Zeiten, lief im Finish und im Übermut jedoch der 21 Jahre älteren, routinierten Maria Mazina ins Messer.

Im Skiff-Final musste sich Xeno Müller, der Olympiasieger von Atlanta, dem favorisierten Neuseeländer Bob Waddell geschlagen geben. Müller hatte auf der 2-km-Strecke nach 1500 m noch geführt, dann vermochte er die hohe Schlagzahl nicht mehr zu halten. Wie Xeno Müller befand sich auch Barbara Blatter mit dem Mountainbike auf Goldkurs, ehe sie sich von der Italienerin Paola Pezzo überholen lassen musste. Bei Halbzeit des Rennens hatte Blatter noch mit 17 Sekunden Vorsprung vorne gelegen.

Fast wie ein Märchen tönte der Silbermedaillengewinn des Schnellfeuer-Pistolenschützen Michel Ansermet aus Alpnach hinter dem Russen Sergej Alifirenko. Ansermet war nur dank einer Wildcard des internationalen Verbandes nach Sydney gekommen und beendete mit dem Medaillengewinn seine Karriere. Bei Halbzeit der Qualifikation führte der Obwaldner das Feld sogar an. Lediglich die Springreiter-Equipe, die von Deutschland auf Platz 2 verwiesen wurde, lag im Final von den Schweizer Silbermedaillengewinnern nie in Führung.

Auch Atlanta 1996 ein Höhepunkt für den Schweizer Sport

Auch die Spiele des Jahres 1996 in der US-Drehscheibe Atlanta hatten einen Höhepunkt für den Schweizer Sport gebildet. Mit vier Gold- und drei Silbermedaillen kehrten sie heim. Im Medaillenspiegel der "Centennial Games" von Atlanta nahm die Schweiz den fast unverschämten 18. Rang unter 197 Nationen ein.

Xeno Müller eröffnete am Ende der ersten Wettkampfwoche den Medaillensegen. Der damals schon in Kalifornien lebende Zürcher siegte im Skiff überlegen vor dem Favoriten Derek Porter aus Kanada und dem Deutschen Thomas Lange. Das Bild bei der Siegerehrung mit Xenos Hand auf dem Herzen ging um die Welt. Weltbürger Müller freute sich: "Ich habe unsere Nationalhymne zum ersten Mal in voller Länge gehört. Sie ist sehr schön."

24 Stunden später doppelten die Brüder Markus und Michael Gier auf dem Lake Lanier nach. Die beiden Rorschacher siegte im Leichtgewichts-Doppelzweier unangefochten mit drei Sekunden Vorsprung vor den Holländern Van der Linden/Ardewijn. Am Abend des gleichen Tages sorgte Donghua Li mit dem Sieg am Pferdpauschen für eine dreifach goldenes Schweizer Wochenende. Alle sechs Kampfrichter gaben dem aus China stammenden Innerschweizer die höchste Note; er war der erste Schweizer Turn-Olympiasieger seit 44 Jahren.

Der vierte Goldmedaillen-Gewinner war der Westschweizer Pascal Richard. Er entschied das olympische Strassenrennen, in dem sich erstmals die weltbesten Profis versammelt hatten, für sich. In einem mitreissenden Dreierspurt siegte Richard vor Rolf Sörensen (Dä) und Maximilian Sciandri (Gb) und wurde als erster Schweizer überhaupt Olympiasieger in dieser Disziplin.

Silber gewannen Thomas Frischknecht im Mountainbike-Rennen der Männer, die überraschenden Kanutinnen des Vierer-Kajakteams mit Ingrid Haralamov, Daniela Baumer, Sabine Eichenberger und Gaby Müller sowie Springreiter Willi Melliger mit Calvaro am Schlusstag.

(Peter A. Frei und Rolf Bichsel/Si)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Der Genfer Marc Rosset überstrahlte ... mehr lesen
Mark Rosset holte 1992 die einzige Schweizer Medaille.
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 12°C 19°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen recht sonnig
Basel 13°C 20°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
St. Gallen 12°C 16°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
Bern 14°C 19°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen recht sonnig
Luzern 13°C 22°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen recht sonnig
Genf 14°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Lugano 11°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten