Taxi zur Hölle oder zur Hölle mit den Taxis

publiziert: Montag, 7. Sep 2015 / 11:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 7. Sep 2015 / 14:59 Uhr
Ein Statement, zwei Beine.
Ein Statement, zwei Beine.

Taxifahrer und ich werden nie Freunde. Ich versuche Taxifahrten möglichst zu vermeiden, weil sie meist wüst enden. Nicht mal wegen den überrissenen Preisen sondern wegen dem Gejammer, den Gefahren, der Unhöflichkeit und der Unfähigkeit, eine Adresse zu finden. Aber fangen wir vorne an.

Letzten Samstag war ich auf einem privaten Fest im Zürcher Oberland eingeladen. Voll der guten Partylaune, bestellte ich ein Taxi und glaubte die gute Stimmung bis nach Hause tragen zu können. Weil ich keinen Taxi-Streit zwischen Stadtzürcher- und Landzürcher-Taxis vom Zaun brechen wollte, bestellte ich ein lokales Zürcher Oberland Taxi. Doch das liess mich im Regen stehen, falls ich nicht schon für den Anfahrtsweg bezahle. Geht's noch?

 Also orderte ich ein Taxi aus der City. Eigentlich nur 10 Minuten von Zürich entfernt, brauchte der Taxifahrer eine Dreiviertelstunde, um vor Ort zu sein. Insgesamt telefonierte ich sieben Mal mit dem Fahrer, weil er die Adresse nicht finden konnte («Postleitzahl gibt's nicht!») - ja nicht mal die Ortschaft («Sag mir andere Ort!»). Oje, das kann ja heiter werden.

 Nachdem ich das Taxi erfolgreich zu mir gelotst hatte, schnauzte mich der Fahrer an, weil ich wie gewöhnlich hinten Platz nehmen wollte. Er raunzte, ich müsse vorne sitzen, damit er mich sehen könne - sonst würde er nicht los fahren. Er habe Angst, von hinten von einem Hammer erschlagen zu werden. Ich versprach ihm, dass ich keinen Hammer dabei habe, sondern einfach nach Hause wolle. Doch das war ihm nicht genug. Ich musste ihm meinen vollen Namen, Adresse, Zivilstand und sogar meinen Beruf nennen. Ausserdem musste ich ihm meine Brieftasche zeigen, ob ich denn genug Geld dabei habe. Das letzte Mal, das ich eine ähnliche Befragung über mich ergehen lassen musste, war, als ich in die USA einreisen wollte.

Vom Verhör war ich inzwischen wieder nüchtern, so dass ich das Taxi hätte selbst nach Hause fahren können. Und das musste ich auch beinahe. Sein GPS stammte aus einer Zeit, in der es noch Pferdefuhrwerke gab. Also lotste ich ihn durch das Zürcher Oberland. Ich war eigentlich ganz froh darüber, denn so wurde wenigstens seine Hasstirade auf seine Ex-Frau unterbrochen, die ihn anscheinend nach Strich und Faden ausnimmt. Und das, wo er doch als Taxifahrer sowieso so wenig verdiene, auch wenn der Taxometer grade das Gegenteil beweist - nur noch Anwälte haben einen höheren Stundenlohn. 

 Dann fing er an zu weinen, weil er seine Kinder nur alle zwei Wochen sehen kann. So tragisch es ist, so gefährlich erscheinen mir Wut und Tränen im Strassenverkehr. Da kann es schon vorkommen, dass man eine Tafel übersieht, auf der steht, dass man jetzt 80 fahren darf, aber sein Tacho bei 40 eingefroren zu sein scheint. 

 Als er seine Tränen unter Kontrolle hatte, schimpfte er weiter über seine spanische "Ex-Schlampe", die auch seinen Glauben nicht verstand. Wie immer bei solchen Aussagen, zucke ich mit den Schultern und sage: soll doch jeder das glauben, was er will. Das wollte er nicht so stehen lassen und liess eine Predigt über die Liebe Gottes vom Stapel. In diesem Moment fand ich es fast ein wenig schade, dass ich keinen Hammer dabei hatte.

 Ich zählte jeden Meter, bis ich endlich aus diesem «Taxi to the Dark Side» steigen konnte. Es war mir egal, wie schnell der Zähler rotierte und ob der Hunderter bereits voll ist. Ich wollte nur noch raus. Doch das letzte Gefecht war noch nicht ausgestanden. Vor der Haustüre gab ich ihm den korrekten, absurd hohen Betrag - und keinen Rappen mehr. Er schaute mich fragend an, warum ich ihm denn kein Trinkgeld gebe.

Leider ist mir bis jetzt keine schlagfertige Antwort eingefallen. Haben Sie vielleicht eine? Uber gilt übrigens nicht als Antwort.

(jz/news.ch)

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