Tel Aviv: Angenehme Betriebstemperatur

publiziert: Donnerstag, 4. Sep 2008 / 21:44 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 4. Sep 2008 / 23:40 Uhr

Tel Aviv soll für das aus diversen Gründen umformierte Schweizer Team der Ausgangspunkt einer positiveren Zukunft sein. In Israel kam nicht ein gescheiterter EM-Gastgeber an, sondern eine Equipe mit zwei selbstbewussten Champions-League-Teilnehmern. Daran ändert auch das beinahe obligate Stürmerproblem nichts.

Trainer Ottmar Hitzfeld und Almen Abdi beobachten Mauro Lustrinelli im Training.
Trainer Ottmar Hitzfeld und Almen Abdi beobachten Mauro Lustrinelli im Training.
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Der Empfang in der Halle des Flughafens Ben Gurion war angenehm entspannt. Die Einreiseformalitäten erledigten die Israeli mindestens so speditiv wie ihre Schweizer Zollkollegen. Für das Schweizer Nationalteam interessierten sich nur ein paar Kamera-Teams. Mediale Efforts hatte der SFV-Tross noch keine zu leisten. Ausser Arsenals Verteidiger Johan Djourou schlich das Gros weitgehend unbeachtet in den Bus.

Im Ramat-Gan-Stadion ist am späten Samstagabend (20.55 Uhr Lokalzeit) vor vermutlich 35'000 Zuschauern generell eine höhere Betriebstemperatur zu erwarten, wenn die Schweizer zum Start der WM-Ausscheidung auf Israel treffen. «Die Zuschauer können sehr laut werden», kennt Beni Huggel die Phonwerte aus eigener (Zuschauer-)Erfahrung. Der Basler verfolgte das 2:2 in der WM-Qualifikation vor vier Jahren von der Ersatzbank aus.

Huggel wird den Auftakt der WM-Kampagne in einer bedeutend aktiveren Rolle erleben. Der 31-Jährige trägt den Schwung der Basler Champions-League-Qualifikation ins Schweizer Team. In seiner aktuellen Form darf Huggel zweifelsfrei mit einem Fixplatz neben dem ohnehin gesetzten Udinese-Professional Gökhan Inler rechnen. «Die Karten werden neu gemischt», ist Huggel überzeugt und redete (für einmal) nicht als Vertreter der Jass-Fraktion.

Welche Karten Valentin Stocker zu fassen bekommt, ist noch offen. Der 19-jährige Shooting-Star aus Basel orientiert sich momentan ganz an Beni Huggel: «Er und Eren sind für mich die wichtigsten Bezugspersonen.» Stocker, den jungen FCB-Copain Huggels, verbindet derzeit vor allem die unerhörte Formstärke mit seinem Vorbild. Nicht nur Huggel rüttelt am alten (EM-)Gerüst.

Lustrinelli und das Stürmerproblem

In Sichtweite zur veralteten und verwitterten Heimstätte Israels bereiteten sich Huggel und Co. auf einem perfekt präparierten Nebenfeld in einer knapp einstündigen Einheit auf den ersten wichtigen Programmpunkt in der Ära Ottmar Hitzfeld vor. Die Coach-Ikone verfolgte das Training mitten auf dem Platz. Kein Fehlschuss entging dem fokussierten Deutschen, der auf dem Rasen spür- und vor allem hörbar mehr mit den Spielern kommuniziert als sein Vorgänger Kuhn.

Neu erfinden kann aber auch Hitzfeld, der gewiefte Chef-Taktiker, das Spiel der Schweizer nicht. Und neue Lösungen bieten sich vor allem in der Problemzone «Sturm» nach den jüngsten Ausfällen keine an. Topskorer Alex Frei bereitet sich in Deutschland mit Dortmunds Reserve auf sein Comeback im Nationalteam vor. Eren Derdioyk und Marco Streller, die Alternativen für den Captain, stehen aus medizinischen Gründen derzeit nicht zur Verfügung.

Deshalb checkte in Kloten einer ein, dessen Heimat wieder Bellinzona und nicht mehr die grosse internationale Bühne ist: Mauro Lustrinelli. Der 32-jährige Tessiner stiess angesichts der Personalnot in letzter Minute zur «Reisegruppe». Hinter Blaise Nkufo, der nach verpasster EM wohl in die Startformation vorrücken wird, ist Lustrinelli unverhofft zur temporären Nummer 2 der (einsetzbaren) Stürmer aufgestiegen.

Ein sarkastischer Beobachter platzierte den Spruch, der renommierteste (Ex-)Stürmer gehöre in Tel Aviv nicht zur SFV-Delegation, sondern zur Kommentatoren-Equipe des Tessiner Fernsehens. Marco Grassi (40) wird den Auftritt der Schweizer auf der Medientribüne analysieren. Der 31-fache Internationale und ehemalige Angreifer von Monaco zuckte ob der dünnen Besetzung der Offensive vielsagend mit den Schultern: «Wir sind halt ein kleines Land. Und das Stürmernäschen kann man sich nicht antrainieren.»

Israels Heimbilanz

Die (bereits diskutierte) Kardinalsfrage wird deshalb sein, mit welcher taktischen Absicht die Schweizer der zu erwartenden 4-5-1-Formation der Gastgeber begegnen. Will Hitzfeld einen der Hauptkonkurrenten zum frühstmöglichen Zeitpunkt in Schwierigkeiten bringen?

Oder genügt in Israel unter Umständen auch ein Punkt? Eine Antwort liesse sich aus der jüngsten Heimbilanz des Kontrahenten ableiten: In 30 Partien unterlag Israel vor eigenem Publikum nur dreimal -- zuletzt am 15. November, beim 3:4 gegen die Kroaten. Dass die Israeli ihren letzten Test gegen die Finnen 0:2 verloren haben, spielt in der Beurteilung eine geringfügigere Rolle.

(Von Sven Schoch/Si)

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