Tennis: Martina Hingis zu ihren Zukunftsplänen

publiziert: Mittwoch, 15. Jan 2003 / 14:01 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 15. Jan 2003 / 14:53 Uhr

(Si) In Melbourne, wo die Weltelite beim Australian Open den ersten Saisonhöhepunkt absolviert, wird eine Spielerin schmerzlich vermisst: Martina Hingis, die "Königin" des Melbourne Park mit drei Titelgewinnen (1997 - 1999) und zuletzt sechs Finalteinahmen in Serie.

Martina Hingis wird schmerzlich vermisst.
Martina Hingis wird schmerzlich vermisst.
Statt in Australien weilt die ehemalige Weltranglisten-Erste in der Schweiz, ein Comeback ist weit entfernt. Martina Hingis gibt klare Antworten auf Fragen von Marco Keller und Rolf Bichsel. Sie erzählt im Interview, dass sie jetzt wieder eine Schule besucht und kritisiert die Führung der WTA-Tour.

Martina Hingis, wo sind Sie im Moment und wie geht es Ihnen?

Hingis: "Ich bin in der Schweiz und mir geht es gut -- so ohne Stress und Wettkampfdruck."

Das Australian Open ist in vollem Gange. In den letzten sechs Jahren hatten sie in Melbourne dreimal gewonnen und standen dreimal im Final. Tut es weh, jetzt zuschauen zu müssen?

"Im Gegenteil. Es macht Spass, den anderen zusehen zu können, wie sie sich in der Hitze auf dem Platz herumjagen."

Sind Sie mitten in der Nacht vor dem Fernseher oder wie verfolgen Sie das Turnier?

"Nach dem Aufwachen schaue ich mir gespannt die Resultate im Teletext an. Später verfolge ich das Turnier via Zeitungen und auch ab und zu tagsüber im Fernsehen."

Was machen Sie ansonsten tagaus, tagein?

"Also es wird mir nicht langweilig. Die letzten zwei Monate habe ich zum Plausch viel Sport gemacht: Ski, Reiten, lange Touren mit dem Hund im Wald. Dazu habe ich oft, ohne Druck und ohne zu forcieren, Tennis gespielt. Und dann gehe ich jetzt auch noch zur Schule. Ich versuche, mit einem AKAD-Team mein Englisch zu perfektionieren. Und schliesslich habe ich jetzt endlich auch mehr Zeit für mein Privatleben."

Wie geht es dem Fuss und generell gesundheitlich? Können Sie regelmässig trainieren?

"Gesundheitlich kann ich mich nicht beklagen. Und dem Fuss, den Füssen? Wenn ich beim Tennis nicht forciere, geht es. Sobald ich aber wettkampfmässig trainieren möchte, beginnen die Beschwerden. Erst zwickt es in den Fersen, dann breitet sich der Schmerz aus, versteift irgendwie Füsse und Gelenke."

Sie haben gesagt, Sie brauchen Zeit, um in sich hineinzuhorchen. Was ist dabei herausgekommen?

"Tennis war und ist meine Leidenschaft. Aber ich habe auch begriffen, dass ich nach acht Jahren auf der Tour nur zum Wettkampftennis zurückkehren werde, wenn ich beschwerdefrei trainieren kann. Die Wettkämpfe machen keinen Spass, wenn man nicht tadellos vorbereitet antreten kann."

Vermissen Sie etwas am Tenniszirkus?

"Die ganze Herumreiserei vermisse ich keineswegs. Was den Zirkus betrifft, vermisse ich bei der Führung die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann. Das Niveau wird immer besser, der Sport immer athletischer, die gesundheitlichen Probleme der Spielerinnen immer grösser. Wenn eine Spielerin an der Spitze ist und bei den Turnieren immer bis zum Ende mitspielt, opfert sie der Tour ziemlich schnell ihre Gesundheit."

Gibt es so etwas wie einen Comebackplan?

"Nein."

Wieso weilen Sie zur Erholung nicht im warmen Florida, sondern in der kalten Schweiz?

"Die Schweiz ist meine Heimat. In Florida war ich jeweils zum Training. Dazu ist es in Florida im Moment auch nicht eben warm. In der Schweiz habe ich mein Umfeld, in der Schweiz ist mein Arzt Heinz Bühlmann. In der Schweiz kann ich reiten, Skifahren und zur Schule gehen."

Von den letzten 16 Monaten haben sie zehn nicht gespielt. Als Folge sind Sie nicht mehr in den Top-Ten und nach Melbourne nur noch die Nummer 2 der Schweiz. Haben Sie eine Vorstellung, wie schwer das Comeback wird?

"Es war nie mein Ziel, die Nummer 1 der Schweiz zu sein, ich wollte die Nummer 1 der Welt werden. Das war ich vier Jahre lang. Ich habe es überlebt, nicht mehr die Nummer 1 der Welt zu sein, ich werde es überleben, nicht mehr die Nummer 1 der Schweiz zu sein. Und an ein Comeback mag ich gar nicht denken."

Mit welchen Spielerinnen haben Sie regelmässigen Kontakt?

"Mit Monica Seles und Anna Kurnikowa."

Sie galten nicht immer als sehr ehrgeizig. Ehrgeiz braucht es aber, um allenfalls in die Weltspitze zurückzukommen...

"Mein Ehrgeiz war immer meine Mutter. Doch vor ihrem Ehrgeiz stand bei Mama immer meine Gesundheit. Sie ist die erste, die sagt: ´Denk ja nicht an ein Comeback, solange Du nicht absolut schmerzfrei trainieren kannst.´"

Manchmal wird spekuliert, Sie werden gar nicht mehr auf die Tour zurückkehren. Können Sie dies hundertprozentig dementieren?

"Überhaupt nicht. Es ist durchaus möglich, dass ich kein Spitzentennis mehr spielen werde. Weil meine Füsse es nicht mehr erlauben."

(bert/sda)

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