Thuns Spiel der Superlative

publiziert: Mittwoch, 3. Aug 2005 / 09:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 3. Aug 2005 / 09:16 Uhr

Der FC Thun kann heute (20.00 Uhr/SF2) das bedeutendste Kapitel der Vereinsgeschichte schreiben.

Urs Schönenberger blickt zuversichtlich aufs Spiel.
Urs Schönenberger blickt zuversichtlich aufs Spiel.
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Im Rückspiel der 2. Qualifikationsrunde zur Champions League besitzen die Berner Oberländer nach dem 2:2 bei Dynamo Kiew eine exzellente Ausgangslage.

In der Region Bern ist das Europacup-Fieber ausgebrochen. Dafür sind aber nicht die Young Boys verantwortlich, sondern der kleine FC Thun.

Über 20 000 Tickets sind im Vorverkauf für das Spiel gegen Dynamo Kiew abgesetzt worden.

Sensationeller Zuschaueraufmarsch

Im am Wochenende eingeweihten Stade de Suisse Wankdorf werden die Thuner ziemlich genau 50 Jahre nach dem verlorenen Cupfinal gegen La Chaux-de-Fonds (24 000 Zuschauer) vor der grössten Kulisse ihrer Vereinsgeschichte spielen.

"Sensationell", nennt Trainer Urs Schönenberger den Zuschaueraufmarsch, der sich ankündigt.

Wie der gesamte FC Thun freut er sich sichtlich über die Aufmerksamkeit, die dem Klub zukommt.

St. Gallen abgehakt

Im stimmungsvollen und lauten Lobanowski-Stadion in Kiew erarbeiteten sich die Thuner mit ihrer couragierten Leistung dieses unerwartete Highlight.

Eigentlich war ausserhalb von Thun erwartet worden, dass das Rückspiel für die Stars von Dynamo nur noch eine Pflichtaufgabe sein würde.

Doch die Chance auf den Einzug in die 3. Qualifikationsrunde, was im schlechtesten Fall den erstmaligen Einzug in den UEFA-Cup bedeuten würde, ist reell.

Penalty verwerten

"Wir haben den Penalty herausgeholt. Jetzt müssen wir ihn verwerten", sagte Schönenberger bereits nach dem Hinspiel.

Seine Zuversicht ist geblieben. Auch das 1:5 am Samstag in St. Gallen konnte seinen Optimismus nicht brechen. "Wir haben über das Spiel am Sonntag diskutiert und es dann schnell abgehakt", verspricht Schönenberger.

"In St. Gallen lief alles gegen uns, auch weil wir uns zu viele individuelle Fehler leisteten." Woran dies lag, ob an der Müdigkeit nach der Kiew-Reise oder an der fehlenden Konzentration, will der Zürcher nicht beurteilen. Sein Blick richtet sich nach vorne.

Pallas fraglich

Im Abschlusstraining im Stade de Suisse am Dienstagnachmittag trainierte der FC Thun nur 20 Minuten öffentlich. Danach wurde im taktischen Bereich gearbeitet.

"Es geht um viel, sowohl sportlich als auch finanziell. Und wir wollen dem Gegner nicht alle Fragen beantworten", sagt Schönenberger, der möglicherweise auf David Pallas (Zerrung) und Adriano (Leistenbeschwerden) verzichten muss.

Er hat die Möglichkeiten bereits im Kopf und spricht davon, José Conçalves rechts und Leandro links in der Verteidigung spielen zu lassen, sollte Pallas tatsächlich ausfallen. Auf 50 Prozent schätzt er die Chance, dass er den Spanier aufstellen kann.

Keine Abwehrschlacht

Eine Abwehrschlacht soll es heute nicht geben. Thun will "frech und aggressiv, aber mit der nötigen Geduld spielen", im Wissen, dass ein 0:0 oder 1:1 zum Weiterkommen bereits reichen würde.

Die Perspektive, danach gegen Malmö oder Maccabi Haifa (Hinspiel: 3:2) um den Einzug in die Gruppenphase der Königsklasse zu spielen, ist verlockend und durchaus erfolgversprechend.

Die Qualifikation für die Champions League würde dem FC Thun im schlechtesten Fall rund sieben Millionen Franken in die Vereinskassen spülen, mehr als das Jahresbudget.

Finanziell hat sich auch die Qualifikation gegen Kiew bereits gelohnt. Ab 10 000 Zuschauern im Stade de Suisse machen die Berner Oberländer Gewinn.

Dynamo in der Pflicht

Solche Zahlenspiele liegen Schönenberger fern. Trotz aller Euphorie vergisst der Zürcher nicht, daran zu erinnern, dass Thun noch nicht in der nächsten Runde steht.

Dynamo Kiew unterlag im letzten Jahr in der Champions-League-Qualifikation zuhause Trabzonspor 1:2 und gewann daraufhin in der Türkei 2:0. Ähnliches schwebt den Ukrainern in Bern vor.

Für Trainer Leonid Burjak, der erst im Sommer das Traineramt in Kiew übernahm, ist ein Sieg Pflicht. Im letzten Jahr entliess Präsident und Öl-Tycoon Igor Surkis den damaligen Coach Alexej Michailitschenko bereits nach dem verlorenen Hinspiel.

"Nichts spricht für Thun"

Auch nach dem 2:2 in Thun sparte Surkis nicht mit Kritik. Der Milliardär nannte seine teuren Spieler egoistische Individualisten und bezeichnete das Gesehene als unwürdig.

Für den Fall eines Ausscheidens kündigte er Konsequenzen an. Daran denkt bei Dynamo allerdings weiterhin kaum jemand. "Nichts spricht für Thun. Es muss etwas Unglaubliches geschehen, damit wir nicht weiterkommen", sagt Stürmer Maxim Schazkich, der im Hinspiel das 2:1 schoss.

Kiew ist Champions-League-Fussball gewohnt. In den letzten zehn Jahren stand der Verein neun Mal in der Gruppenphase. Ein Ausscheiden gegen Thun wäre eine Sensation oder, um es in den Worten von Schönenberger zu sagen: "Der FC Thun kann Geschichte schreiben."

Voraussichtliche Aufstellungen:

Thun: Jakupovic; Pallas (Conçalves), Hodzic, Deumi, Conçalves (Leandro Vieira); Ferreira, Milicevic, Aegerter, Leandro Vieira (Adriano); Gerber; Lustrinelli.

Dynamo: Schowkowski; Gavrancic, Rodolfo, Nesmatschni; Gusew, Yussuf, Aliew; Rotan, Belkewitsch, Rebrow; Schazkich (Verpakovskis).

SR Pedro Proença (Por)

(von Julien Oberholzer/Si)

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