Tote bei Protesten gegen Mohammed-Karikaturen

publiziert: Dienstag, 7. Feb 2006 / 23:41 Uhr

Kabul/Wien - Bei anhaltenden Protesten gegen Karikaturen des Propheten Mohammed ist die Afghanistan-Schutztruppe ISAF am zum Ziel von Angriffen geworden. Vier Afghanen wurden getötet, mindestens 15 verletzt.

10 Meldungen im Zusammenhang
Hunderte von Demonstranten versuchten in ein ISAF-Lager mit vorwiegend norwegischen Soldaten in Maimana einzudringen. Der Angriff richtete sich auch gegen das UNO-Büro der Provinz Farjab.

NATO-Kampfflugzeuge flogen über das Lager und gaben Warnschüsse ab, um die Menschenmenge aufzulösen. Eine schnelle Eingreiftruppe der ISAF mit fünf Helikoptern und britischen Soldaten wurde zur Verstärkung nach Maimana verlegt. Die ISAF-Soldaten setzten nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Oslo Tränengas ein und feuerten Gummigeschosse ab.

Die UNO kündigte aus Sicherheitsgründen den Abzug ihrer Mitarbeiter aus Maimana an.

Übergriffe in Iran und Indonesien

Auch in anderen Ländern kam es wieder zu Übergriffen: In der iranischen Hauptstadt Teheran warfen Demonstranten auf dem Gelände der dänischen und der norwegischen Botschaft Brandsätze. In der norwegischen Vertretung gingen am Abend Fensterscheiben zu Bruch, und das Haupttor geriet in Brand.

Angesichts anhaltender Proteste in Indonesien und aus Sorge vor einer Eskalation der Gewalt rief die dänische Botschaft in Jakarta ihre Landsleute zum Verlassen des Landes auf. Die dänische Zeitung «Jyllands-Posten» hatte als erste die umstrittenen Karikaturen veröffentlicht.

Demonstration in Sanaa

In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa protestierten rund 5000 Schüler gegen die Veröffentlichung der dänischen Karikaturen. Sie verbrannten dänische Flaggen und forderten eine Entschuldigung der Regierung in Kopenhagen.

Der EU-Ratsvorsitzende Wolfgang Schüssel hatte im Fernsehen zuvor alle Beteiligten zur Mässigung aufgerufen. Der österreichische Bundeskanzler erinnerte zudem die muslimischen Staaten daran, dass sie zum Schutz diplomatischer Einrichtungen verpflichtet sind.

Treffen mit EU-Vertretern anberaunt

Im ORF-Fernsehen sagte Schüssel, als Reaktion auf die Angriffe auf westliche Botschaften habe man ein Treffen der politischen Direktoren aller EU-Staaten einberufen. Er gab sich zuversichtlich, dass sich die Stimmen der Vernunft auch in der moslemischen Welt Gehör verschaffen werden.

UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatte in der Nacht erneut ein Ende der Gewalt gefordert. Er teile zwar die Gefühle vieler Muslime, die ihre Religion durch die Veröffentlichung der Karikaturen beleidigt sähen, jedoch rechtfertige «dieser Groll keine Gewalt», sagte er.

Der Theologe Hans Küng hat inzwischen auf eine Mitverantwortung des Westens im Streit um Karikaturen des Propheten Mohammed hingewiesen. Der Westen müsse deutlich machen, dass es neben der Pressefreiheit auch eine Presseverantwortung gebe.

«Falle» der Gewalt

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan warnte die Muslime vor einer «Falle» der Gewalt. Die Karikaturen seien eine «offene Provokation» und sollten dazu dienen, «der Welt Bilder der Gewalt aus der muslimischen Welt vorzuführen», sagte Erdogan. Auch UNO-Generalsekretär Kofi Annan forderte die Muslime nochmals nachdrücklich zur «Ruhe» und «Würde» auf.

Trotz der anhaltenden Proteste druckte nun auch die kroatische Wochenzeitung «Nacional» die umstrittenen zwölf Mohammed-Karikaturen nach.

(bert/sda)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Kabul - Ungeachtet der Aufrufe zur ... mehr lesen
Das Oberste Gericht und der Ulema-Rat der Islamgelehrten riefen zur Ruhe auf.
In mindestens 8 der 34 Provinzen und in Kabul war es zu teils gewalttätigen Protesten gekommen. (Archivbild)
Kabul - Bei andauernden Protesten ... mehr lesen
Bern - Nachdem in Libanon auch ... mehr lesen
Micheline Calmy Rey hatte mit der libanesischen Führung telefoniert.
Die Protestaktionen in der islamischen Welt nahmen kein Ende.
Kairo - Die Protestaktionen in der ... mehr lesen
Kairo - Die Arabische Liga hat die Muslime nach den gewalttätigen Protesten ... mehr lesen
Das Generalsekretariat der Arabischen Liga äusserte in Kairo Besorgnis über die Gewaltausbrüche.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Sicherheitskräfte verhinderten den Versuch in das Gebäude einzudringen. (Archivbild)
Dubai/Bangkok/Kabul - Aus Protest gegen die in europäischen Zeitungen erschienenen Mohammed-Karikaturen haben Demonstranten in der iranischen Hauptstadt Teheran die österreichische ... mehr lesen
Etschmayer Botschaften brannten, Steine flogen und Flaggen – scheinbar war auch eine Schweizerische dabei – wurden angezündet. Und es wurden Kommenta ... mehr lesen 
Schockierende Bilder flimmerten in die dänischen Wohnstuben.
Kopenhagen/Damaskus - Die ... mehr lesen
Etschmayer Es ist tragisch, dass es eine Kontroverse gibt. Nämlich darüber, ob man eine Religion karikieren dürfe. Die Frage wird in praktisch allen Verfassungen ... mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Bringen Sie ihre Wohnung zum Leben!
Bringen Sie ihre Wohnung zum Leben!
Publinews Erwecken Sie mit der Einrichtung nach Feng-Shui Ihr «Chi»  Feng-Shui ist eine Lehre der chinesischen Kultur, die die Lebensenergie («Chi») in positive Bahnen lenken soll. Übersetzt heisst «Feng» Wind und «Shui» Wasser. Der Begriff symbolisiert, dass die Energie frei fliessen können soll, wobei die Umgebung und ihre Einrichtung eine entscheidende Rolle spielt. Feng-Shui überlässt Ihnen ein hohes Mass an Gestaltungsfreiraum. mehr lesen  
Den Besuchern wurden neben den Ausstellungen auch Ateliers, Erzählungen und Kalligraphie-Kurse geboten.
In La Chaux-de-Fonds  La Chaux-de-Fonds - Das Museum für ... mehr lesen  
Streitigkeiten über Einreisebedingungen nach Saudi-Arabien  Teheran - Iranische Gläubige werden in diesem Jahr nicht an der muslimischen Pilgerfahrt Hadsch in Mekka teilnehmen. Irans Kulturminister Ali Dschannati führe «Hindernisse» auf Seiten Saudi-Arabiens als Grund an. mehr lesen   1
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 16°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt mit Gewittern gewitterhaft
Basel 16°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
St. Gallen 15°C 22°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen gewitterhaft
Bern 15°C 23°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig trüb und nass gewitterhaft
Luzern 16°C 23°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
Genf 17°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
Lugano 18°C 23°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten