Tschernobyl immer noch stark verschmutzt
publiziert: Donnerstag, 19. Okt 2006 / 16:25 Uhr

New York - Das seit der Reaktorkatastrophe von 1986 radioaktiv verseuchte Tschernobyl gehört nach einer neuen Umweltstudie zu den weltweit zehn am meisten verschmutzten Orten.

Tschernobyl birgt ein überproportionales Risiko an Krankheiten.
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Zweitdreckigster Ort in Europa ist die russische Stadt Dserschinsk östlich von Moskau.

Die Liste wurde am Mittwoch von der Umweltschutzorganisation Blacksmith-Institut in New York veröffentlicht.

Die weltweite Umweltverschmutzung mache bis zu einer Milliarde Menschen krank und sei in Entwicklungsländern für bis zu 20 Prozent der Todesfälle verantwortlich, sagte Richard Fuller, Direktor des Instituts.

Hohes Risiko

In den gelisteten Orten seien Boden, Luft und Wasser derart vergiftet, dass die Bewohner einem hohen Risiko ausgesetzt seien, Krebs oder schwere Lungeninfektionen zu bekommen oder geistig behinderte Kinder zu gebären.

«Das grösste Problem ist der Schaden, den die Umweltverschmutzung bei der Entwicklung der Kinder anrichtet ... und das schadet der Zukunft unserer Länder», sagte Fuller.

In Bodenschicht abgelagert

In Dserschinsk haben Männer eine durchschnittliche Lebenserwartung von 42 Jahren und Frauen von 47 Jahren.

Die Stadt war zur Zeit des Kalten Krieges ein Zentrum für die Herstellung der sowjetischen Chemiewaffen, darunter Sarin und Senfgas.

Die dabei verwendeten Chemikalien wurden in einer Wasser führenden Bodenschicht abgelagert. Diese versorgt die Stadt mit Trinkwasser.

Keine ausreichenden Daten

Das Institut hat weltweit 300 Orte untersucht und daraus die zehn gelisteten Orte ausgewählt.

Es wurde dabei von Umweltschutz-Experten an Universitäten und aus Unternehmen unterstützt, die auf Altlastensanierung spezialisiert sind.

Weil aus einigen Entwicklungsländern keine ausreichenden Gesundheitsdaten vorliegen, hat Blacksmith auf eine Rangordnung innerhalb der Gruppe verzichtet.

Kupfer-Gürtel

Insgesamt dominieren auf der Liste Orte, die durch Industrialisierung und Bergbau verseucht sind.

Das ebenfalls aufgenommene Kabwe in Sambia ist eine von sechs Städten, die im so genannten Kupfer-Gürtel des südafrikanischen Landes liegen. Der Boden ist mit Schwermetallen verseucht.

Im Blut der hier lebenden Kinder wurden Blacksmith zufolge Bleiwerte gemessen, die um das Fünf- bis Zehnfache über den Werten liegen, die in den USA erlaubt sind.

(rr/sda)

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