ICC-Chefanklägerin nennt Welterbe-Zerstörung «Kriegsverbrechen»

UNESCO «entsetzt» über Zerstörung in Mali

publiziert: Sonntag, 1. Jul 2012 / 22:56 Uhr

Paris - Die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC), Fatou Bensouda, hat die mutwillige Zerstörung von Welterbestätten in Mali durch Islamisten als «Kriegsverbrechen» bezeichnet.

10 Meldungen im Zusammenhang
«Meine Botschaft an diejenigen, die an diesen Verbrechen beteiligt sind, ist eindeutig: Hört sofort mit der Zerstörung dieser religiösen Gebäude auf», sagte Bensouda in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag in Dakar. «Das ist ein Kriegsverbrechen, für dessen Untersuchung meine Behörde die vollständige Befugnis hat.»

Mali habe das Römische Statut unterzeichnet, auf dessen Grundlage der ICC gegründet wurde, sagte Bensouda. Die Juristin aus Gambia verwies auf Artikel acht des Statuts, wonach die Zerstörung ziviler Gebäude, die keine militärischen Ziele sind, ein Kriegsverbrechen ist. «Das schliesst historische Denkmäler ebenso ein wie die Zerstörung religiöser Stätten», sagte Bensouda.

Strafrechtliche Ermittlungen geprüft

Ihr Anklagebüro in Den Haag verfolge die Ereignisse in Mali aufmerksam, sei aber noch dabei, Informationen zusammenzutragen, sagte die Chefanklägerin. Der nächste Schritt werde sein zu prüfen, ob strafrechtliche Ermittlungen gegen die Verantwortlichen eingeleitet würden.

Die Verantwortlichen für die Zerstörungen in Timbuktu sollten wissen, «dass sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden und dass die Gerechtigkeit siegen wird».

Islamistische Rebellen der Gruppe Ansar Dine hatten am Wochenende in Timbuktu im Norden Malis mehrere zum Weltkulturerbe zählende Heiligengräber zerstört. Wie ein Augenzeuge der AFP sagte, zerstörten die Kämpfer bis zum Sonntagnachmittag vier Mausoleen von Heiligen sowie drei weitere Grabmäler.

Ansar Dine hatte angekündigt, alle 16 Heiligengräber in der Stadt am Rande der Sahara zerstören zu wollen. «Für heute war es das», sagte ein Ansar-Dine-Sprecher der AFP am Sonntag. Am Montag werde das weitere Vorgehen bekanntgegeben.

Auf UNESCO-Liste gefährdeter Stätten

Am Donnerstag hatte die UNESCO Timbuktu auf die Liste gefährdeter Welterbestätten gesetzt. Die Regierung von Mali forderte die UNO am Sonntag auf, Schritte zu unternehmen, um die Zerstörung des Weltkulturerbes in dem westafrikanischen Land zu verhindern.

Tourismusministerin Fadima Diallo sagte bei einer Tagung des UNESCO-Welterbekomitees in St. Petersburg, Mali habe bereits den ICC angerufen. Nach Diallos emotionaler Rede legten die Sitzungsteilnehmer eine Schweigeminute ein.

Die Islamisten hatten Ende März gemeinsam mit Tuareg-Rebellen Timbuktu unter ihre Kontrolle gebracht, nachdem die Regierung in Bamako von Soldaten gestürzt worden war.

 

(fest/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Timbuktu - Die malische ... mehr lesen
Für die Kosten der gesamten Wiederaufbauarbeiten sind zehn Millionen Euro veranschlagt.
Neoliberalismus isst Geschichte auf: Abriss im Schwyzer Dorfbachquartier.
Dschungelbuch «In Schwyz müssen mittelalterliche ... mehr lesen 2
Bamako - Radikalislamische Rebellen haben in der malischen Wüstenstadt Timbuktu ... mehr lesen
Die in Regionen des nördlichen Mali herrschenden Islamisten hatten Ende Juni damit begonnen, die zum Weltkulturerbe zählenden Bauten einzureissen.
Ouagadougou - Im Bemühen um eine Beilegung der Krise in Mali hat die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS am Samstag mit Zivilvertretern des Landes über die Bildung einer Einheitsregierung beraten. Die malische Übergangsregierung wurde lediglich durch den Minister für afrikanische Integration, Rokia Traoré, vertreten. mehr lesen 
St. Petersburg - Die UNO-Kulturorganisation UNESCO hat die Zerstörung von Mausoleen durch malische Islamisten in der historischen Wüstenstadt Timbuktu verurteilt. Das Welterbekomitee forderte in einer in Dienstag im russischen St. Petersburg veröffentlichten Erklärung ein sofortiges Ende dieser «verabscheuungswürdigen» Taten. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Ouagadougou - Angesichts der seit Monaten anhaltenden Krise in Mali wollen westafrikanische Staatschefs am kommenden Samstag mit Vertretern des Landes über die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit verhandeln. mehr lesen 
Bamako - Islamistische Rebellen haben am Montag nach Angaben von Augenzeugen den Eingang der Sidi-Yahya-Moschee in Timbuktu im Norden von Mali zerstört. Die Angreifer hätten die «heilige Tür» des Gebäudes zerstört, die normalerweise nie geöffnet werde, sagte ein Bewohner der Stadt der Nachrichtenagentur AFP. mehr lesen 
Die Welt sah tatenlos zu: Nische der Buddha-Statue im afghanischen Bamiyan-Tal
Etschmayer Momentan wüten die Barbaren in Timbuktu: Islamische Fundamentalisten zerstören in der Welterbestadt in Mali historische ... mehr lesen 1
St. Petersburg - Die Geburtskirche ... mehr lesen
Geburtskirche Jesu, Bethlehem
Bamako - Die Tuareg-Rebellen haben ihre Kampfeinsätze im Norden Malis für beendet erklärt. Die Region von Azawad sei «vollständig befreit», begründete die Nationalen Befreiungsbewegung MNLA am Mittwochabend die Einstellung der Kämpfe. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Griechenland, Lesbos, 9.September 2020: Flüchtlinge nach dem Feuer im Camp Moria.
Griechenland, Lesbos, 9.September 2020: Flüchtlinge ...
Fotografie Ärzte ohne Grenzen und Magnum: 50 Jahre im Einsatz  2021 markierte das 50-jährige Bestehen von Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Fronitères (MSF). Die Photobastei Zürich nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, um in einer Fotoausstellung gemeinsam mit der internationalen Fotoagentur Magnum auf 50 Jahre medizinische Nothilfe in Krisen- und Kriegsgebieten zurückzublicken. mehr lesen  
Übung mit 500 Helfern  Mit einem simulierten Attentat im Stade de France ist am Dienstag ein Worst-Case-Szenario für die EM in Frankreich durchgespielt worden. mehr lesen  
Über 500 Menschen waren an der Übung beteiligt.
Idlib wurde mindestens sieben Mal aus der Luft angegriffen.
Keine unabhängigen Informationen  Beirut - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat ihre Offensive im Norden Syriens am Dienstag fortgesetzt. ... mehr lesen  1
Erster Weltkrieg  Hamburg - Zum 100. Jahrestag der Skagerrak-Schlacht haben Deutschland und Grossbritannien am Dienstag gemeinsam der tausenden Toten des grössten Seegefechts der Geschichte gedacht. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 12°C 19°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen recht sonnig
Basel 13°C 20°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
St. Gallen 12°C 16°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen sonnig
Bern 14°C 19°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen recht sonnig
Luzern 13°C 22°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen recht sonnig
Genf 14°C 22°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich sonnig
Lugano 11°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten