US-Christen auf Kreuzzug: Mit der Bibel nach Bagdad
publiziert: Donnerstag, 17. Apr 2003 / 08:32 Uhr

Washington - Er gilt als einer der einflussreichsten konservativen Christenführer in den USA und hält den Islam für eine "bösartige Religion". Nun schickt Franklin Graham seine christlichen Helfer nach Irak, um Nahrungsmittel an die Not leidende Bevölkerung zu verteilen.

Auch andere christliche Organisationen wie die Southern Baptist Church, die praktisch als einzige grosse US-Kirche den Irak-Krieg unterstützte, stehen bereit.

Die Kirchen machen auch kein Hehl aus ihren Motiven. Neben der Hilfe für die Bevölkerung gehe es vor allem darum, den Irakern dabei zu helfen, "wahre Freiheit mit Jesus Christus zu finden", sagte ein Sprecher der Southern Baptist.

Zorn der Muslime

In den USA haben die wohltätigen Christen bereits den Zorn der muslimischen Organisationen erregt. Ibrahim Hooper vom Rat für Amerikanisch-Islamische Beziehungen (CAIR) erklärte, es sei unangebracht für jemanden, der den Islam als bösartige Religion betrachte, den Muslimen in Irak zu helfen.

"Will er wirklich auf den Spuren einer Invasions-Armee in den Irak ziehen und die Menschen zum Christentum bekehren?" Damit könne leicht der Eindruck entstehen, dass es sich hier um einen Kreuzzug handle. Andere Kritiker warnen, dass missionarische Bemühungen der US-Kirchen die ohnehin gespannten Beziehungen in Bagdad weiter gefährden könnten.

Graham, der Sohn des legendären Fernsehpredigers Billy Graham, lässt sich von der Kritik an seinen Äusserungen nicht abschrecken.

Mit Blick auf die Anschläge vom 11. September 2001 sagte der einflussreiche Prediger mit den besten Kontakten ins Weisse Haus: "Es waren keine Methodisten, die in diese Gebäude flogen, es waren keine Lutheraner. Es war eine Attacke gegen unser Land, die von Menschen mit islamischen Glauben verübt wurde."

Bush bekehrt

Seit Billy Graham den jungen George W. Bush in den 80er Jahren zum Glauben bekehrte, haben Vater und Sohn engen Kontakt zu der Familie Bush und zur Regierung. So hatte Franklin Graham bei der Vereidigung des Präsidenten das Bittgebet gesprochen.

Das Weisse Haus hält sich angesichts der Hilfsangebote Grahams und anderer konservativer Kirchenführer bisher zurück. Die Regierung könne eine private Organisation nicht daran hindern, Hilfe zu geben, sagte der Sprecher des Weissen Hauses, Ari Fleischer.

81 Prozent wollen Muslime bekehren

Ein Kommentator des Online-Magazins Slate fragte angesichts dieser Erklärung, ob es wirklich möglich sei, dass die USA binnen drei Wochen die Armee eines anderen Landes besiegen könnten, aber nicht in der Lage seien, eine "Unruhe stiftende Wohltätigkeitsorganisation" zu stoppen.

Dass Graham mit seiner "Unruhe stiftenden" Meinung zum Islam nicht allein steht, beweist eine Umfrage unter amerikanischen Evangelistenführern. Die Studie des Ethics & Public Policy Center ergab, dass 81 Prozent der befragten Evangelisten es für sehr wichtig hielten, Muslime im Ausland zu bekehren.

(Thomas Müller/dpa)

 
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