US-Regierung gibt Irak-Probleme zu

publiziert: Dienstag, 28. Okt 2003 / 12:25 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 28. Okt 2003 / 16:01 Uhr

Washington - Während dem Ramadan drohen den US-Streitkräften weitere Rückschläge in Irak. Nachdem am Sonntag das Bagdader Hotel "Raschid" von Raketen demoliert worden war, folgte zu Beginn des heiligen islamischen Fastenmonats am Montag eine Serie von Anschlägen.

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Ziel waren vier Polizeiwachen und sogar das Rote Kreuz: Mindestens 42 Todesopfer und möglicherweise 230 Verletzte lautete die blutige Bilanz der fünf Anschläge vom Montag bis zum Nachmittag.

In Washington erzwingen die immer heftigeren und ausgefeilteren Guerillaangriffe unterdessen die ersten Kurskorrekturen, zumindest in der Öffentlichkeitsarbeit: Erstmals gab Aussenminister Colin Powell zu, dass das Ausmass des bewaffneten Widerstands von seiner Regierung unterschätzt wurde.

"Wir haben nicht damit gerechnet, dass es ganz so intensiv und so lang andauern würde", sagte Powell in einem Fernseh-Interview zu den Attacken auf die US-Besatzungsmacht und ihre Verbündeten. Und in ungewohnter Offenheit fügte er hinzu: "Es ist eine sehr schwierige Periode."

Parallele zu Vietnam

Das Eingeständnis kommt zu einer Zeit, in der die Zweifel am Irak-Einsatz in der US-Öffentlichkeit wachsen und Kritiker immer häufiger die Parallele zu Vietnam ziehen. Diese Parallele wird von der US-Regierung natürlich weiter nicht anerkannt: "Dies ist nicht Vietnam", sagt Powell kategorisch.

Und dennoch scheint die US-Regierung aus der Geschichte lernen zu wollen: Denn zu den Fehlern der Vietnampolitik gehörte es auch, dass eine schönfärberische PR die Probleme auf dem Schlachtfeld auch dann noch zu übertünchen suchte, als sie vor der Öffentlichkeit kaum noch zu verbergen waren.

Die Folge war ein dramatischer Glaubwürdigkeitsverlust für den damaligen Präsidenten Lyndon B. Johnson. Der Nachfolger George W. Bush scheint angesichts dieser historischen Lektion inzwischen auf eine höhere Dosis Realismus in der PR-Arbeit zu setzen, um seine Wiederwahl in einem Jahr zu retten. Die Botschaft lautet: Die Probleme in Irak sind erheblich, doch sie können gelöst werden.

Gut möglich ist auch, dass das vor Kurzem bekannt gewordene Memorandum von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld zur neuen PR-Strategie gehört, das Papier also durchaus von Anfang an für die Öffentlichkeit bestimmt war.

Darin gibt Rumsfeld zu, dass der Militäreinsatz in Irak - ebenso wie in Afghanistan - noch eine "lange, harte Schinderei" werde und die Ergebnisse im Kampf gegen den Terrorismus bislang "gemischt" seien.

Alle Kurskorrekturen in der Öffentlichkeitsarbeit werden Bush und seinem Team allerdings nichts nützen, solange sich die Lage vor Ort nicht sichtbar verbessert. Dafür spricht derzeit aber nicht viel.

Gut organisiert

Nicht nur, dass es weiter an den dringend benötigten Milliardenbeträgen für den Wiederaufbau fehlt. Auch scheinen die Untergrundkämpfer in Irak inzwischen immer besser organisiert zu sein: Der Anschlag auf das "Raschid"-Hotel, dem der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz nur knapp entging, wurde offenbar über Monate vorbereitet.

Während des Ramadan muss die US-Regierung nun das Schlimmste befürchten. Die Moslems glauben, dass dem Gläubigen während des heiligen Fastenmonats die Pforten des Himmels weit offenstehen - was von Fanatikern als Ansporn zum "Martyrium" im Kampf gegen die "Ungläubigen" interpretiert wird.

(fest/sda)

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