Unterschiedliche Reaktionen im Fall Trayvon Martin

USA: Gericht spricht Zimmerman frei

publiziert: Sonntag, 14. Jul 2013 / 08:35 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 14. Jul 2013 / 13:44 Uhr
George Zimmerman (l.) wurde freigesprochen.
George Zimmerman (l.) wurde freigesprochen.

Sanford - Im US-Prozess um den erschossenen schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin ist der Todesschütze freigesprochen worden. Die Geschworenen in dem Verfahren in Sanford im US-Staat Florida befanden den Angeklagten George Zimmerman in allen Punkten für nicht schuldig.

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Im Falle einer Verurteilung hätte dem 29-Jährigen lebenslange Haft gedroht. In der Jury sassen sechs Frauen, unter ihnen fünf weisse. Die Gerichtsentscheidung am späten Samstagabend (Ortszeit) löste heftige Proteste aus, aber auch Aufrufe zu Ruhe und Besonnenheit.

«Herr Zimmerman, ich habe das Urteil unterschrieben, das die Entscheidung der Jury bestätigt. Ihre Kaution wird aufgehoben. Ihre GPS-Überwachung wird abgeschaltet, wenn Sie den Gerichtssaal hier verlassen. Sie haben nichts weiter zu tun mit dem Gericht», sagte die Richterin Deborah Nelson. Zimmerman zeigte kaum Reaktionen auf das Urteil.

Die Tötung des mit einer Kapuzenjacke gekleideten Teenagers hatte in den USA und international für Schlagzeilen gesorgt. Grosse TV-Sender berichteten tagelang live aus dem Gerichtssaal.

Immer wieder war in Medien von möglicherweise rassistischen Motiven die Rede: Zimmerman ist ein Latino und hatte den 17-jährigen Teenager im Februar 2012 erschossen, als er für eine Bürgerwehr auf Patrouille war. Zimmerman und seine Verteidiger beriefen sich auf Notwehr.

Afroamerikanische Organisation unzufrieden

Die afroamerikanische Organisation NAACP verlangte weitere Ermittlungen. «Wir fordern das Justizministerium zu einer Untersuchung über die Verletzung der Bürgerrechte von Trayvon Martin auf», teilte die NAACP mit.

Der Anwalt der Familie Martin, Benjamin Crump, teilte mit, alle seien tief betrübt über die Gerichtsentscheidung. «Die Familie ist untröstlich.» Zugleich bedankten sich die Eltern Sybrina Fulton und Tracy Martin bei allen Menschen rund um den Globus, die ihnen in den vergangenen 17 Monaten geholfen hätten - «bei allen, die ihre Kapuzenjacken anzogen, allen, die sagten: 'Ich bin Trayvon'», so der Anwalt in einem Statement nach dem Urteil.

Trayvons Eltern waren laut CNN während der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal, twitterten aber danach, ihre Herzen seien gebrochen, ihre Liebe zu ihrem Sohn aber unerschütterlich.

Erleichterung und Angst

Die Verteidigung zeigte sich erleichtert über den Freispruch. «Ich bin sehr, sehr glücklich mit dem Ergebnis», sagte Anwalt Mark O'Mara. Zugleich äusserten Verteidigung und Angehörige Zimmermans, sie fürchteten um dessen Sicherheit.

«Er wird sich für den Rest seines Lebens vorsehen müssen», sagte Bruder Robert Zimmerman. «Ich denke, er hat mehr Grund denn je zu denken, dass Menschen ihn töten wollen, denn das äussern sie immer wieder, jeden Tag, auf meinem Twitter-Feed im Internet», sagte Robert Zimmerman CNN.

George Zimmerman hatte einem Bericht der «New York Times» zufolge schon in den vergangenen Monaten die Öffentlichkeit gemieden und ausserhalb des Gerichtssaals eine kugelsichere Weste getragen.

Amerikanische Prominente wie die Schauspielerin Mia Farrow und Sportstars reagierten geschockt. «Wow!!! Fassungslos! Traurig als Vater!!!», twitterte Dwyane Wade vom NBA-Meister Miami Heat. Spieler der Basketballmannschaft hatten bereits im März 2012 mit einer Fotoaktion Familie Martin Mut gemacht. Tief verhüllt in Kapuzenpullis hatten sie ein Bild von sich im Internet verbreitet.

(asu/sda)

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