USA warnen Haitianer vor illegaler Einreise

publiziert: Freitag, 22. Jan 2010 / 09:45 Uhr / aktualisiert: Freitag, 22. Jan 2010 / 11:58 Uhr

Haitis Regierung will Hunderttausende von Überlebenden des Erdbebens umsiedeln. Sie sollen von Port-au-Prince in Unterkünfte ausserhalb der Hauptstadt gebracht werden. Unterdessen versuchen Tausende aus dem Erdbebengebiet zu fliehen.

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Die haitianische Regierung plant 400'000 Überlebende des Erdbebens aus der zerstörten Hauptstadt Port-au-Prince in provisorische Unterkünfte ausserhalb der Stadt umzusiedeln. Das kündigte der Stabschef von Präsident René Préval an, wie es auf «NZZ online» heisst.

Grund dürfte die schlimme sanitäre Situation in den Hunderten von Zeltlagern in der Hauptstadt sein, in denen die Obdachlosen nach dem Erdbeben vom 12. Januar Unterschlupf gefunden haben.

Warnung vor Seuchen

Ärzte warnten bereits vor dem Ausbruch von Seuchen in den völlig überfüllten Lagern. Die Umsiedlung soll nach der Fertigstellung der neuen Unterkünfte in etwa sieben bis zehn Tagen beginnen.

Zwei weitere Nachbeben haben am Donnerstag das Katastrophengebiet in Haiti erneut erschüttert und die notleidenden Menschen abermals in Panik versetzt. Einer der Erdstösse erreichte nach Angaben der amerikanischen Erdbebenwarte eine Stärke von 4,9. Berichte über neue Schäden oder Verletzte gab es jedoch nicht.

Ansturm auf Hilfsschiffe

Unterdessen sind Tausende zum Hafen von Port-au-Prince geströmt, um mit Taschen, Koffern oder einfachen Plastiksäcken dem Elend zu entkommen, wie es auf «20 Minuten online» heisst. «Jeden Haitianer, den wir auf hoher See aufgreifen, werden wir in den Militärstützpunkt Guantánamo bringen – ohne Ausnahme», teilten US-Behörden mit.

Die USA haben diesbezüglich eine klare Flüchtlingspolitik angekündigt. Man werde keinen einzigen Haitianer aufnehmen, der illegal versuche, einzureisen.

Verzweiflung treibt Haitianer an

Doch Tausende obdachlose Haitianer treibt die Verzweiflung an, die Hauptstadt mit allen Mitteln zu verlassen. Viele versuchen im Inneren der Insel, ein neues Leben anzufangen. Andere haben angekündigt, die US-Militärschiffe, die vor der Küste vor Anker liegen, stürmen zu wollen.

Der spanischen Tageszeitung «El Mundo» erklärte ein Marineoffizier der USS Carl Vision, dass das Schiff – das normalerweise tagsüber sechs Kilometer vor der Küste kreuze – sich seit Samstag bis zu 30 Kilometer weit vom Ufer habe entfernen müssen. Verzweifelte Haitianer seien auf das Schiff gekommen, um nach Essen oder Zuflucht zu betteln. Alle mussten zurückgeschickt werden, heisst es auf «20 Minuten» weiter.

«USA warten nicht auf euch»

Von offizieller Seite wurde der Vorfall nicht bestätigt. Inzwischen verteilen US-Helikopter über Port-au-Prince, die Flugblätter und eine Tonbandaufnahme des haitianischen Botschafters in Washington verbreiten.

Auf Kreolisch warnt er seine Landsleute vor den Konsequenzen solcher Aktionen: «Ich sage euch ganz ehrlich: Glaubt nicht, dass ihr in den USA mit offenen Armen erwartet werdet. Ihr werdet zurückgewiesen und wieder hierher geschickt.» Die gleiche Botschaft wird auch noch auf Flugblättern über der Stadt abgeworfen.

(tri/news.ch mit Agenturen)

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