Uni Bayreuth entzieht Guttenberg den Titel

publiziert: Mittwoch, 23. Feb 2011 / 21:02 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 23. Feb 2011 / 22:39 Uhr
Karl-Theodor zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie. (Archivbild)
Karl-Theodor zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie. (Archivbild)

Berlin - Die Universität Bayreuth hat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg den Doktortitel aberkannt. Das gab Hochschulpräsident Rüdiger Bormann am Mittwochabend nach einer Kommissionssitzung bekannt.

7 Meldungen im Zusammenhang
Guttenberg habe wissenschaftliche Standards «objektiv nicht eingehalten», sagte Bormann. Er habe gegen diese «in erheblichem Umfang verstossen». Auch Guttenberg bestreite das nicht. Man habe ihm die einstimmige Entscheidung per Pressemitteilung mitgeteilt.

Die wörtliche und sinngemässe Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstosse gegen die Rechtsprechung und die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens, erläuterte Bormann.

Die Frage eines möglichen Täuschungsvorsatzes habe man vernachlässigen können. Die Universität habe auf eine Prüfung verzichtet, weil Guttenberg selbst um die Rücknahme seiner Dissertation gebeten habe. Bormann betonte, es habe bei der Bewertung des Falles keinen politischen Druck gegeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Entscheidung der Uni als richtig und logisch. Das Votum zeige, dass Guttenberg mit seiner Selbsteinschätzung richtig liege. Der Minister sei daher durch die Entscheidung in seinem Amt nicht geschwächt.

«Ich war hochmütig»

Die Fehler seien entstanden, weil er mit der Dissertation neben allen anderen Tätigkeiten überlastet gewesen sei, sagte Guttenberg vor dem deutschen Bundestag am Mittwoch.. «Ich war so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt.»

Dass ihm dies nicht gelungen sei, habe er vor der deutschen Öffentlichkeit inzwischen eingestanden, sagte Guttenberg. Er habe deshalb auch die betroffene Universität Bayreuth gebeten, den Doktortitel zurückzunehmen.

Zugleich relativierte Guttenberg die Ergebnisse der Internet-Datenbank GuttenPlag, deren Helfer auf inzwischen auf 286 der 475 Seiten der Guttenberg-Dissertation Plagiate entdeckt haben wollen - entsprechend einem Anteil von knapp 73 Prozent.

Einige Vorwürfe seien hoch relevant, andere dagegen ausserordentlich fragwürdig, sagte Guttenberg. Der Minister blieb bei der Aussage, dass der Vorwurf eines Plagiats für die gesamte Arbeit «abstrus» sei und warnte in diesem Zusammenhang vor strafrechtlichen Konsequenzen, wenn man dabei in den Bereich der «üblen Nachrede abdriftet».

(ht/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Berlin - Der frühere deutsche ... mehr lesen
Karl-Theodor zu Guttenberg mit Ehefrau Stephanie.
Schwere Anschuldigungen.
Bayreuth - Der deutsche Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat der Universität Bayreuth zufolge vorsätzlich bei seiner Doktorarbeit getäuscht. Zu diesem Ergebnis kommt ... mehr lesen
Angela Merkel hatte mit ihrer launigen Äusserung die Wissenschaftler aufgebracht.
Berlin - Die deutsche ... mehr lesen 3
Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat vor dem Bundestag Fehler im Zusammenhang mit seiner Dissertation eingeräumt. «Ich kann nur sagen, dass das ein schlechtes Signal gewesen ist», so Guttenberg. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Welt bebt. Wir alle müssen das ... mehr lesen 4
Grinsendes Symbol des Geld-ist-Geil-Kultes: Karl-Theodor von und zu Guttenberg, auch Googleberg genannt
Lieber auf den Dr. verzichtet? Der deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg.
Etschmayer Er ist der Starpolitiker, der Strahleminister, der Politkerl schlechthin: Intellektuell, doch robust, attraktiv und maskulin, geschliffen im ... mehr lesen 1
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 22
In den letzten 12 Monaten hat der ETH-Rat insgesamt 23 Frauen und 21 Männer neu ernannt, was einem Frauenanteil von 52 % entspricht.
In den letzten 12 Monaten hat der ETH-Rat ...
Der ETH-Rat hat an seiner Sitzung vom 22./23. Mai 2024 auf Antrag des Präsidenten der ETH Zürich, Prof. Dr. Joël Mesot, und des Präsidenten der EPFL, Prof. Dr. Martin Vetterli, insgesamt 7 Professorinnen und 10 Professoren ernannt, 5 Personen den Titel Professorin oder Professor und 3 Personen den Titel Professor of Practice verliehen. mehr lesen 
Publinews In vielen Städten und Gemeinden haben Makerspaces eine wichtige Rolle als kreative Zentren eingenommen. Doch wie können diese innovativen Werkstätten noch mehr ... mehr lesen  
Mitarbeiter von Unternehmen können in Makerspaces neue Techniken erlernen.
In der Schweiz gibt es derzeit 26'000 offene Lehrstellen für den Lehrbeginn 2024.
Woche der Berufsbildung  Der Lehrstellenmarkt präsentiert sich weitgehend stabil. Gesamtschweizerisch wurden per Ende März 2024 ... mehr lesen  
Publinews Laut aktuellen Statistiken des Bundesamts für Statistik kam es in der Schweiz im Jahr 2022 zu ... mehr lesen  
Zunächst einmal ist der Nothelferkurs von entscheidender Bedeutung, um im Falle eines Unfalls angemessen reagieren zu können.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 14°C 18°C bedeckt mit Gewitternleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Basel 15°C 18°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
St. Gallen 13°C 18°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Bern 14°C 18°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 14°C 18°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wechselnd bewölkt, Regen
Genf 14°C 19°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig wechselnd bewölkt, Regen
Lugano 15°C 20°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, aber kaum Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten