Volksmudschahedin in Iran - Politische Sekte mit stalinistischer Führerschaft

publiziert: Montag, 23. Jun 2003 / 10:54 Uhr

Bern - Die iranische Volksmudschahedin sorgte vergangene Woche besonders in Paris und auch in der Schweiz mit Protesten und Selbstverbrennungsaktionen gegen das Regime in Iran für Aufsehen. Doch wer ist die iranische Volksmudschahedin und was will sie eigentlich?

Französische Polizisten vor der Volksmudschahedin Zentrale in Paris.
Französische Polizisten vor der Volksmudschahedin Zentrale in Paris.
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Die iranische Volksmadschahedin haben sich Anfang der 60-Jahre in Irans Hauptstadt Teheran geformt, wo sie sich gegen das Regime von Schah Reza Pahlavi auflehnten. Heute werden sie in Iran als politische Sekte angesehen.

Nach der iranischen Revolution 1979 reformierte sich die vorerst legale Oppositionsgruppe mit stalinistischer Führerschaft zu einer terroristischen Bewegung gegen das Ayatollah-Regime, wie der iranische Soziologe, Farhad Afshar, von der Universtität Bern am Donnerstag in "Echo der Zeit" von Radio DRS sagte.

In den 80-Jahren seien die Mudschahedin (Kämpfer) nach Irak geflohen, wo sie sich unter den Schutz des damaligen Machthabers Saddam Hussein stellten. Weitere Unterstützung bekamen sie von den USA und Israel.

Im Irak-Iran, 1980 bis 1988, sollen sie in irakischen Uniformen als Hilfssoldaten des irakischen Regimes gegen das iranische Militär, um iranisches Gebiet für Irak zu erobern, erklärte der Soziologe.

Dadurch verloren sie laut Afshar die Glaubwürdigkeit und den Rückhalt des iranischen Volkes. Denn in den Augen der Iraner hätten die Volksmudschahedin dadurch nicht gegen die Ayatollah-Regierung sondern gegen die Bevölkerung gekämpft.

Netz in Europa

Ihre politische Bedeutung in Iran sei daher sehr schwach, sagte Afshar. Im Ausland jedoch, wo sie ein dichtes Netz von Anhängern in ganz Europa aufgebaut hätten, erhielten sie mehr Aufmerksamkeit.

Die Volksmudschahedin, obwohl früher auch religiös motiviert, hätten komplett andere Zielvorstellungen als das islamische Regime der Ayatollahs, sagte Afshar. Ihre marxistische Einstellung mit kollektivem Eigentum, die strikte Führerschaft und das "Monopol auf Wahrheit" widersprächen dem Islam.

In den USA und in einigen europäischen Ländern gelten die Volksmudschahedin als terroristische Organisation. In der Schweiz wird die Organisation beobachtet, gilt aber gemäss dem Bundesamt für Polizei (fedpol.ch) nicht als terroristische Organisation.

In Konflikt mit dem Schweizer Gesetz seien sie jedoch schon wegen ihren Sammelaktionen geraten, die teils an Nötigung grenzten, sagte Urs von Däniken von fedpol.ch.

(bsk/sda)

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