Umstrittener Vorschlag des Bundesrates

Waffenlobby läuft Sturm gegen Registrierung

publiziert: Montag, 2. Sep 2013 / 11:21 Uhr / aktualisiert: Montag, 21. Okt 2013 / 10:46 Uhr
Geschätzte zwei Millionen Feuerwaffen sind im Privatbesitz.
Geschätzte zwei Millionen Feuerwaffen sind im Privatbesitz.

Bern - Waffenlobby und Sportschützen laufen Sturm gegen den Vorschlag des Bundesrates, alle Waffen in der Schweiz zu erfassen. Weniger umstritten ist die Vernetzung der kantonalen Waffenregister und die Meldepflicht an die Armee.

9 Meldungen im Zusammenhang
Künftig sollen laut der Vorlage sämtliche Feuerwaffen in einem kantonalen Waffenregister erfasst werden. Waffen, die vor dem Dezember 2008 gekauft worden sind, müssen im Nachhinein registriert werden. Denn zum Zeitpunkt des Kaufs waren sie noch nicht meldepflichtig. Besitzer haben ein Jahr Zeit, ihre Waffe zu melden. Wer dies nicht tut, wird gebüsst.

Der Bundesrat geht davon aus, dass ungefähr zwei Millionen Feuerwaffen im Privatbesitz sind. Wären diese lückenlos erfasst, könnte die Polizei vorgängig zu Einsätzen prüfen, ob die Zielperson im Besitz von Feuerwaffen ist, argumentiert der Bundesrat. Die Waffenverbände widersprechen diesem Nutzen vehement.

Einige Kritiker

Der Schiesssportverband schreibt von einem Trugschluss, der tödliche Folgen haben könne. «Die Polizei mit dieser Gesetzesänderung glauben zu machen, dass beim Verdächtigen wirklich keine oder nur registrierte Waffen vorhanden sind, ist naiv und gefährlich», schreibt die Gesellschaft für ein freiheitliches Waffenrecht «Pro Tell».

Die Büchsenmacher und Waffenhändler doppeln nach: «Dass Beamte vor dem Eintreffen schauen können, ob Schusswaffen am Einsatzort vorhanden sind, funktioniert allerhöchstens im Fernsehkrimi.» Ins gleiche Horn stösst auch die SVP: Die Polizei werde sich bei Einsätzen kaum auf Register stützen, die nicht verlässlich sein könnten.

Die Gegner der Registrierungspflicht bezweifeln, dass tatsächlich alle Feuerwaffen nachgemeldet werden. «Ein Teil der Bevölkerung wird seine Waffe aus Prinzip nicht registrieren, und wer eine Waffe besitzen will, wird immer einen Weg dazu finden, ob legal oder illegal», schreibt die CVP. Gerade Kriminelle würden ihre Feuerwaffen kaum freiwillig melden, Busse hin oder her, schreiben gleich mehrere Gegner.

SP begrüsst Nachmeldepflicht

Städte und Kantone sprechen sich hingegen für die Registrierungspflicht aus - obwohl die Erfassung für sie voraussichtlich mit grossem Aufwand verbunden ist. Für einen Gewinn an mehr Sicherheit wolle man diesen in Kauf nehmen, schreibt der Städteverband. Die kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) hatten die Änderung mitinitiiert.

Vehement verteidigt und «lebhaft begrüsst» wird die Nachmeldepflicht von der SP. Es gehe auch «um deutlich mehr als eine Million ehemaliger Armeewaffen im Privatbesitz, die bis zum heutigen Tag völlig vom Radar der zuständigen Behörden verschwunden sind». Die FDP schreibt zurückhaltender, man sei einverstanden.

Kantonale Register werden verknüpft

Weniger umstritten, aber für die Arbeit der Behörden wohl wichtiger ist die geplante Vernetzung der kantonalen Waffenregister. Heute müssen die kantonalen Behörden die anderen Kantone einzeln anfragen, ob eine Person oder eine Waffe dort bekannt ist. Künftig soll eine einzige Anfrage genügen.

Sowohl die Mehrheit der Parteien als auch Waffenverbände unterstützen die Änderung. «Ein schweizweit von allen Behörden nutzbares Waffenregister trägt wesentlich dazu bei, den Schutz vor Waffengewalt zu verbessern», schreibt die SP.

Einzig die SVP lehnt die Verlinkung der kantonalen Register komplett ab. Die Umstellung bringe nur einen bescheidenen Mehrwert, da illegale Waffen, von denen die grösste Gefahr ausgehe, nicht verzeichnet seien. Der Aufwand für die Umstellung sei hingegen gross.

Die Vernehmlassung zum besseren Schutz vor Feuerwaffen ist Ende August abgelaufen. Die Räte haben haben den meisten Gesetzesänderungen bereits zugestimmt. Noch ausstehend ist der Entscheid des Nationalrates zur Registrierungspflicht, der Ständerat hat eine solche bereits beschlossen.

(bg/sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Bern - Im vergangenen Jahr sind insgesamt 82 Armeewaffen verschwunden. Nur fünf ... mehr lesen
Von 2009 bis 2015 hätten insgesamt 505 Armeeangehörige ihre Waffe als vermisst gemeldet.
Wie viele ältere Waffen es gibt, ist unbekannt. (Symbolbild)
Bern - Der Nationalrat will nicht, dass ... mehr lesen
Unterföhring - Die «Smart System ... mehr lesen
Die Waffe lässt sich nur in Kombination mit einer Armbanduhr abfeuern.
Bern - Alle Gewehre und Pistolen in der Schweiz sollen künftig in einem Register ... mehr lesen 10
Wie viele  Waffen es gibt, ist unbekannt. Schätzungen deuten auf eine Zahl in Millionenhöhe hin.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Der Bundesrat will über alle Waffen in Schweizer Haushalten bescheid wissen. (Symbolbild)
Bern - Der Bundesrat will Klarheit darüber haben, wie viele Waffen sich in den Schweizer Haushalten befinden. Er schlägt deshalb in einem Gesetzesentwurf eine ... mehr lesen 4
Bern - Das Schweizer Waffenrecht soll weiter eingeschränkt werden. Nach dem Nationalrat hat auch der Ständerat mehreren ... mehr lesen
Ziel ist ein besserer Schutz vor Waffen.
Die Landesregierung hat einen entsprechenden Gesuch abgelehnt. (Symbolbild)
Bern - Der Bundesrat erteilt keine ... mehr lesen 1
Bern - Nach der Bluttat von Daillon VS sieht Justizministerin Simonetta ... mehr lesen 6
Justizministerin Simonetta Sommaruga.
Zum Glück...
ist der Besitz und Erwerb von Schusswaffen in der CH liberal gestaltet, ansonsten man selber und die bedrohte Familie widerwärtigen schwer kriminellen Drohungs- und Gewaltstraftätern gänzlich schutzlos ausgeliefert wäre. Ferner ist auch das Notwehrrecht eine wichtige und starke Stütze für Personen die Opfer schwer krimineller Drohungs- und Gewaltstraftätern sind. Das liberale Waffenrecht ermöglicht es Straftatenopfer ihre Integrität, Reputation und Unabhängigkeit vor Straftätern zu schützen.
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 22
Der Weg für Peppr war mit Hindernissen gepflastert.
Der Weg für Peppr war mit Hindernissen gepflastert.
Publinews In der sich ständig weiterentwickelnden Welt der Technik gewinnen Anwendungen oft schnell an Aufmerksamkeit, nur um später wieder von der Bildfläche zu verschwinden. Peppr, einst ein heisses Thema unter Technikbegeisterten, ist ein Beispiel für diesen Trend. Was zeichnete Peppr also aus, und welche Herausforderungen führten zu seinem Niedergang? mehr lesen  
Menschliche Beteiligung ist unerlässlich für KI-generierte Kunstwerke ohne US-Copyright  In zunehmend mehr Bereichen wird die KI-Technologie eingesetzt, jedoch hat ein US-Gericht bestätigt, dass Kunstwerke, die von dieser Technologie erstellt wurden, keinen ... mehr lesen
Das KI-erzeugte Bild «A Recent Entrance to Paradise» (2018) ist «Public Domain».
Wehrt sich gegen das KI-Training von OpenAI mit ihren Texten: The New York Times.
Die New York Times prüft eine Urheberrechtsklage gegen OpenAI, ein KI-Forschungslabor, das ChatGPT entwickelt hat, einen Chatbot, der Texte generieren kann, die von Menschen geschriebenen Texten ... mehr lesen  
Grosse Musikkonzerne machen jetzt Druck vor Gericht  Das gemeinnützige Internet Archive wurde von sechs grossen Musiklabels verklagt, weil es Aufnahmen von 78rpm-Schallplatten, die bis etwa in die 1950er ... mehr lesen
Knister, knister.
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mo Di
Zürich 11°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
Basel 11°C 25°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
St. Gallen 9°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt, Regen
Bern 10°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt, Regen
Luzern 12°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wechselnd bewölkt, Regen
Genf 12°C 24°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig wolkig, aber kaum Regen
Lugano 17°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten