Washingtons Angst vor zweitem Mogadischu

publiziert: Freitag, 4. Jul 2003 / 14:49 Uhr

Washington - Vor zehn Jahren wurden in Mogadishu 18 amerikanische GIs getötet und vor laufenden Kameras durch den Dreck geschleift. Die Bilder schockierten die Welt und sie wirken sich noch heute auf den Entscheid der US-Administration aus, Truppen nach Liberia zu schicken. Kaum anders ist das Zögern der US-Regierung zu erklären.

Die blutige Episode in Mogadischu, die zum Abzug der US-Truppen aus Somalia führte, wurde erst im vergangenen Jahr durch den Film "Black Hawk Down" der Öffentlichkeit ins Gedächtnis gerufen.

Trotzdem: Kurz vor der Afrikareise von Präsident George W. Bush scheint die Mission aber im Prinzip beschlossen.

Die US-Soldaten könnten eine vor allem von westafrikanischen Staaten gestellte Truppe anführen, die den Waffenstillstand kontrollieren soll. Nach Berichten der US-Medien soll die Stärke des US-Kontingents zwischen 500 und 2000 Soldaten liegen.

Armee stark ausgelastet

Besonders das Pentagon blickt dem Einsatz mit Bauchschmerzen entgegen. Die US-Militärs würden von der Erinnerungen an Somalia verfolgt, sagten Regierungsbeamte der "New York Times".

Auch sind die Kapazitäten der US-Armee mit mehr als 200 000 Soldaten am Persischen Golf und 10 000 Soldaten in Afghanistan bereits stark ausgelastet.

Und in Irak ist der Erfolg der Aktion noch lange nicht gesichert - im Kongress gibt es bereits Forderungen, die Besatzungstruppe deutlich aufzustocken.

Doch bei Ablehnung des Afrika-Einsatzes hätte Bush, der stets den "moralischen" Charakter der US-Aussenpolitik betont, ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Historische Verantwortung

Denn sein Land trägt historische Verantwortung in Liberia, das im 19. Jahrhundert von freigelassenen US-Sklaven gegründet wurde und danach in starker Abhängigkeit von den USA blieb - bis in die Zeiten des Kalten Krieges, als Washington das Land als Basis für verdeckte Aktionen nutzte.

In den vergangenen Tagen war denn auch der internationale Druck auf Washington gewachsen: Grossbritannien, Frankreich wie auch UN-Generalsekretär Kofi Annan benannten die USA als die Macht, die in dem seit Beginn der 90er Jahre vom Bürgerkrieg zerstörten Land Ordnung herstellen soll.

Bush unter Handlungsdruck

Der Handlungsdruck wurde durch Bushs anstehende Afrikareise erhöht. Am Montag startet der US-Präsident zu einer Blitztour durch fünf Länder: Senegal, Südafrika, Botsuana, Uganda und Nigeria.

Während der Tour will er seinen "mitfühlenden Konservativismus" demonstrieren und den Akzent unter anderem auf sein angekündigtes Programm gegen Aids im Volumen von 15 Milliarden Dollar sowie die Aufstockung der US-Entwicklungshilfe legen; die Gelder für beide Vorhaben sind allerdings vom Kongress noch nicht bewilligt.

Ein Nein zum Liberia-Einsatz würde die Glaubwürdigkeit von Bushs feierlichen Bekenntnissen zu "Frieden" und "Wohlstand" in Afrika unterhöhlen: "Wir sehen dann aus, als ob wir in Afrika mehr reden als handeln", meint der frühere US-Botschafter in Nigeria und Südafrika, Princeton Lyman.

(Daniel Jahn/afp)

 
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