Wenn Viren jubilieren

publiziert: Montag, 24. Nov 2008 / 11:26 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 25. Nov 2008 / 08:25 Uhr

Es ist wieder soweit. Wirtschaftskrise hin, Bundesratsvakanz her – die Erkältungs- und Grippesaison hat wieder begonnen. Alles niest, hustet und rotzt. Und angesichts der drohenden Rezession hüten sich viele, die eigentlich zu Hause bleiben sollten, einen Krankheitstag einzuziehen. Stattdessen infizieren sie freudig ihre Arbeitskollegen, Mit-Pendler und die Mutter, die vor ihnen mit zwei kleinen Kindern im SB-Restaurant in der Schlange steht.

Dazu niesen und husten sich diese Leute in ihre Hände um mit diesen im nächsten Moment einen Bekannten mit Handschlag zu begrüssen. Zum Arzt geht man erst, wenn es absolut nicht mehr anders geht. Ja, das Verhalten vieler Erkälteter oder gar Grippekranker lässt durchaus die Frage aufkommen, ob die Viren nicht nur das Immunsystem, sondern gleich auch noch den Verstand ihrer Opfer überrumpeln, um ihre problemlose Verbreitung sicher zu stellen.

Die sogenannten grippalen Infekte – der normale Schnupfen – sind meist ja nur lästig. Niesen, Husten, Kopfweh und die ganzen anderen ach so spassigen Symptome sorgen für eine unterhaltsame Woche bei den Opfern, aber die Folgen sind meistens harmlos und nach zwei Wochen ist die Erkrankung nur noch unschöne Erinnerung.

Doch eben: nur meistens. Mitunter ebnen Erkältungen den Weg für andere Krankheiten – seien dies nun Infektionen von Angina bis zur Lungenentzündung oder auch für virale Attacken wie eben auch die echte Grippe. Speziell diese wird notorisch unterschätzt und verharmlost. Nur wenn aus einer drohenden Pandemie ein Medienereignis gemacht wird, redet für kurze Zeit die ganze Welt von nichts anderem mehr, nur um in eine Art enttäuschte Lethargie zu verfallen, wenn die grosse Seuche – unter anderem wegen extremer Massnahmen wie dem Keulen von Millionen von Hühnern und Enten – dann doch nicht kommt.

Dabei ist ja schon die normale Grippe der grösste Killer der Menschheit. Jahr für Jahr sterben mindestens 500'000 Menschen an den direkten Folgen der Influenza, vermutlich noch viele mehr an den Spätfolgen. So ist zum Beispiel fast nicht bekannt, dass eine unbehandelte Grippe auch die Blutgefässe des Opfers angreift. Die Folge können Herzinfarkte sein, welche ohne offenbaren Zusammenhang zur Influenza irgendwann nach dem Ende der Erkrankung auftreten.

Umso absurder ist immer wieder die Diskussion über Sinn und Unsinn von Grippeimpfungen. Statistisch ist es ganz klar bewiesen, dass der Impfschutz zwischen 70% und 90% liegt – abhängig davon, wie genau der neue Grippetyp vorausgesagt und das Impfserum entsprechend zusammen gestellt wird. Dass dies nicht immer perfekt klappt, liegt vor allem an der extremen Wandelbarkeit des Grippevirus, der sich ständig in einer neuen Verkleidung an uns heran macht.

Aber selbst wer sich nicht impfen lassen will, hat Möglichkeiten, die Infektions-Lawine bei sich selbst aufzuhalten. Krankheiten – ob Erkältung oder Grippe – nicht auf die leichte Schulter nehmen und auskurieren. Wenn Sie Chef sind: Schicken sie kranke Leute nach Hause, wenn Sie nicht wollen, das bald die ganze Belegschaft infiziert ist. Immer die Hände waschen und schon den Kindern beibringen, dass Hygiene kein lästiger Quatsch, sondern etwas ist, das Leben retten kann.

Erkältungen kommen nicht einfach so. Wir hätten es in der Hand, dem Jubilieren der Viren Einhalt zu gebieten, wenn wir nur wollten.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

Wenn Viren jubilieren
Sehr geehrter Herr Etschmayer

Seit Monaten lese ich Ihre Kolumne mit wachsendem Interesse. Als selbst Schreibender bewundere ich oft Ihre Kompetenz in den unterschiedlichsten Disziplinen. Aber auch Ihr Stil des leichten Sarkasmus, garniert, wenn angebracht, mit angenehmer Selbstironie, zog und zieht mich des öfteren in Ihren Bann.
Ausserdem möchte ich bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck bringen, wie sehr mich die Reklame freie Präsentation von Nachrichten.ch begeistert. Anfänglich habe ich Ihre Site parallelgelesen mit NZZ und Blick um heraus zu finden, welche Informationen ich bei Ihnen zu missen hätte. Meine Überraschung war nicht gering als ich realisierte, dass schätzungsweise 95% der von mir gesuchten Artikel in Ihrem Angebot regelmässig enthalten sind.
Heute haben Sie nun ein Thema berührt, zu dem Sie sich seriöser vorbereiten, oder die Finger von der Feder, bzw. den Tasten lassen sollten. Wenn Sie sich über den Sinn oder Unsinn des Impfens kompetent informieren möchten, empfehle ich Ihnen einen längeren Blick auf die WebSite von www.aegis.ch oder noch besser einen Anruf daselbst und ein Gespräch mit Frau Anita Petek.
Ich selbst befasse mich seit knapp zwanzig Jahren mit der Impfproblematik in vier europäischen Ländern, habe Ärzte und Professoren interviewt, manipulierte Statistiken interpretiert und Gerichtsfälle verfolgt. Aber das Eindrücklichste: Ich habe direkt Betroffene Menschen mit Impfschäden, darunter viele Kinder und Familien, in ihrem Elend gesehen. Und einer grosser Teil dieses Elends wird verursacht durch manipulierte Medien.
Es wäre wünschenswert, wenn Sie sich nicht in die lange Reihe dieser käuflichen Gilde einreihen würden.

Beste Grüsse
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 4
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle laut einem Geheimplan daher ein volksnaher Alternativvorschlag vor den Wahlen als Killer-Argument gegen die Initiative publik gemacht werden. Dass dieser noch nicht öffentlich ist, liegt mal wieder am Geld. mehr lesen  
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und ... mehr lesen  
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. Die Bedrohungen: Differentialgleichungen und ein Telefongespräch auf Arabisch. Sollten Sie also in nächster Zeit in den USA unterwegs sein, hier ein paar Tipps fürs problemlose Reisen. mehr lesen  
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
Auch Secondhandmode bietet sich als tolle Alternative zu neuer Kleidung an.
Shopping Warum Slow Fashion jetzt voll im Trend liegt Nachhaltige Mode: Auf den ersten Blick scheint es sich hier um einen Widerspruch zu handeln. Denn was ist verschwenderischer, als mehrmals jährlich die ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 13°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig vereinzelte Gewitter
Basel 14°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich vereinzelte Gewitter
St. Gallen 13°C 26°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich vereinzelte Gewitter
Bern 12°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig vereinzelte Gewitter vereinzelte Gewitter
Luzern 14°C 29°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen vereinzelte Gewitter
Genf 16°C 32°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft vereinzelte Gewitter
Lugano 19°C 29°C wolkig, aber kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten