Wenn das Handy zum Mückenschreck wird

publiziert: Samstag, 17. Jun 2006 / 16:28 Uhr

Wer kennt das nicht: An allen Enden und Ecken klingelt es, ertönen derzeit verschiedene Nationalhymnen oder quaken verrückte Frösche. Ein Handy «klingelt».

Der hohe Klingelton ist eigentlich einfach ein Mückenschreck.
Der hohe Klingelton ist eigentlich einfach ein Mückenschreck.
Künftig könnte sich das bei manchem anders anhören. Dann könnte nur noch ein schrilles, für Ältere gar nicht wahrnehmbares Pfeifen aus dem Handylautsprecher drängen.

Nutzen werden ihn aber wohl nur Jugendliche. Denn nur sie können den Ton mit einer Frequenz von etwa 17 kHz hören. Erwachsene hören gar nichts. Das hängt mit der Beschaffenheit des menschlichen Ohres zusammen, das ganz hohe Töne nur in jungen Jahren wahrnehmen kann.

Entsprechend der Altersverteilung gibt es für den Klingelton einen klare Zielgruppe: Schüler im Unterricht. Sie können sich über eingehende SMS benachrichtigen lassen, ohne dass der Lehrer die Benachrichtigung hört.

Denn wie Wolf-Dieter Roth bei Telepolis schreibt, ist auch der eigens für unauffällige Benachrichtigung konzipierte Vibrationsalarm nicht immer sinnvoll: «Es immer wieder sehr amüsant, wenn ein unter der Schulbank liegendes Handy plötzlich Mroooom mroooom mroooom macht und dann Kladosch, weil es vibrierend aus der Ablage gerutscht und gerade auf dem Boden aufgeschlagen ist.»

Im Prinzip nichts anderes als ein Mückenschreck

Der Klingelton ist dabei im Prinzip nichts anderes als ein Mückenschreck. Denn auch Tiere können das hohe Pfeifen wahrnehmen, empfinden es - nicht zu unrecht - als unangenehm und ergreifen die Flucht.

Bleibt die Frage, ob nicht auch der ein oder andere Jugendliche mit empfindlichem Gehör im Unterricht am liebsten die Flucht ergreifen würde. Und zwar nicht aufgrund eines langweiligen Unterrichtes, sondern aufgrund andauernder SMS-Tiraden seiner Mitschüler.

Denn genau das wurde ursprünglich mit dem Ton bezweckt: Herumlungernde Jugendliche sollten in Einkaufszentren in Grossbritannien und den USA vertrieben werden.

(Thorsten Neuhetzki/teltarif.ch)

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