Wie das Mobiltelefon unser Leben verändert hat

publiziert: Dienstag, 13. Jan 2004 / 21:56 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 13. Jan 2004 / 22:17 Uhr

Innerhalb weniger Jahre haben sich die kleinen elektronischen Geräte in unser Leben geschlichen. Die Erfolgsstory des Mobiltelefone verlief so schnell, dass sie kaum jemand bewusst wahrnahm: Wurden Nutzer bis vor ein paar Jahren noch schief angeguckt, ist es heute fast unmöglich, nicht mobil erreichbar zu sein.

Nach Expertenansicht hat sich unsere Art, miteinander zu kommunizieren, verändert.
Nach Expertenansicht hat sich unsere Art, miteinander zu kommunizieren, verändert.
Mobile Endgeräte verwandeln sich in Video-Player, Herztöne-Messer und Navigationssysteme. Geändert hat sich nach Expertenansicht auch unsere Art, miteinander zu kommunizieren.

Langsames Herantasten an Termine mit Anrufen und SMS

"Wir haben uns eine beinahe südländische Mentalität angewöhnt", sagt der Kommunikationswissenschaftler Joachim Höflich von der Universität Erfurt. Bei Verabredungen würden Zeit und Ort kaum noch vorher besprochen. "Wir tasten uns mit Telefonaten und Kurz-Nachrichten langsam an den Termin heran."

Trotz Nähe Distanz zu wahren - zum Beispiel im Bus neben Fremden zu sitzen und so zu tun, als höre man nicht bei deren Gesprächen zu - sei noch schwieriger geworden, seit auch Telefongespräche in die Öffentlichkeit rückten. "Das hat unsere höfliche Gleichgültigkeit durcheinander gebracht."

Handys besitzen ihre eigene Sprache

Geändert habe sich auch die Aussagekraft des Handys. Galt das Gerät zunächst als Statussymbol, spricht es nach Ansicht Höflichs mittlerweile eine eigene Sprache: "Wenn eine Frau in eine Kneipe kommt und ihr Mobiltelefon herausholt, so heisst es "Baggern lohnt nicht, ich bin schon mit einem Ohr bei jemand anderem"."

Jedes Land habe seine eigenen Codes: So gilt das Mobiltelefon in Italien nach Aussagen Höflichs immer mehr als Modeaccessoire. Anders in Finnland: "Die Jugend benutzt wieder alte, grosse Handys und will damit zeigen: "Ich hab's nicht nötig, mich mit immer neuen Geräten zu schmücken"."

Handy ist Kontaktmittel Nummer eins

"Das Handy ist das Kontaktmittel Nummer eins geworden", sagt die Psychologin. Viele seien so mutiger geworden, anderen Dinge mitzuteilen, die sie sich sonst nicht zu sagen trauten. "Einerseits bringen vorsichtige Menschen so eher ihre Meinung zum Ausdruck", sagt Saldecki-Bleck, "andererseits schreiben wir oft voreilig etwas, was wir nicht so gemeint haben." Die knappe Sprache führe leicht zu Missverständnissen.

Bei Angst-Patienten wirkt das Mobiltelefon nach den Erfahrungen der Psychologin als Therapie-Hilfe. "Mit dem Handy in der Tasche haben sie wieder Mut rauszugehen." Andere stünden dauernd unter Spannung, weil sie das Handy nie ausschalteten. "Fehlende Ruhezeiten münden oft in Magen- oder Herzprobleme."

Mobiltelefone als medizinischer Helfer

Gleichzeitig entwickeln sich die Geräte immer mehr zum mobilen medizinischen Helfer: Spezialausführungen können Herztöne aufzeichnen und sie an Call-Center versenden, wo die Daten von Ärzten ausgewertet werden.

Auch für Diabetiker und Epileptiker werden Handys mit Sonderfunktionen entwickelt. "Das meiste sind noch Pilotprojekte, mit neuen Übertragungskapazitäten kommen aber auch neue Angebote", heisst es beim Informationszentrum Mobilfunk (IZMF) in Berlin.

(bert/teltarif.ch)

 
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