Wie starb Arafat?

publiziert: Mittwoch, 17. Nov 2004 / 08:22 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 17. Nov 2004 / 08:44 Uhr

Jerusalem - Knapp eine Woche nach dem Tod von Jassir Arafat bringt die Ungewissheit über die Todesursache die neue palästinensische Führung zunehmend in Bedrängnis. Um Arafats Tod ranken sich wilde Vermutungen und Spekulationen.

Militärspital Percy in Clamart: Hier liegt die Krankenakte Arafats nur für die nächsten Angehörigen.
Militärspital Percy in Clamart: Hier liegt die Krankenakte Arafats nur für die nächsten Angehörigen.
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Grund dafür ist das französische Recht. Danach bleiben Informationen über die Krankheit des verschiedenen Präsidenten den nächsten Angehörigen vorbehalten. Vier von fünf Arabern äusserten sich in einer Umfrage des arabischen Nachrichtensenders El Arabija überzeugt, Israel habe den 75-Jährigen vergiftet.

Zudem kursiert in den palästinensischen Gebieten eine Version, wonach Arafat von den eigenen Leuten umgebracht worden sein soll. Seine Nachfolger fordern von Frankreich nun Aufklärung. Es ist auch eine Art politischer Hilferuf.

Vergiftungs- und Aidstheorie

Arafats jordanischer Leibarzt Aschraf el Kurdi hatte Öl ins Feuer der Gerüchte gegossen, als er sagte, die Krankheit des Präsidenten sei abnormal verlaufen. "Es sollte eine Autopsie geben, um die Todesursache festzustellen", forderte er. Obwohl er Arafat 30 Jahre lang behandelt habe, hätten die Ärzte des französischen Militärs ihn nicht einmal wegen der Behandlungsgeschichte kontaktiert.

Vorher hatte der Hamas-Führer Chaled Maschaal behauptet, Israel habe Arafats Blut vergiftet. "Ich mache Israel für das Verbrechen verantwortlich, Abu Ammar (Arafats Kampfname) ermordet zu haben", sagte er in einem Interview.

Maschaal selbst hatte 1997 in Jordanien ein Giftattentat des israelischen Geheimdienstes nur überlebt, weil Israel auf Druck Jordaniens das Gegengift zur Verfügung stellen musste. Mossad-Chef Danny Jatom trat im folgenden Jahr zurück.

Palästinenser wie Tahir Mahmud, ein Bewohner von Gaza, halten auch deswegen alles für möglich. Er äusserte sich am Dienstag überzeugt, es müsse einen Beschluss für einen unauffälligen Tod Arafats gegeben haben.

Dagegen schrieb die israelische Zeitung "Maariv", Behörden des Landes prüften die Möglichkeit, dass Arafat an Aids gestorben sei. Die Immunschwäche sei eine der wahrscheinlichen Erkrankungen, ist der israelische Geheimdienst überzeugt. Als ein Hinweis darauf werden Angaben zum Blutbild des kranken Arafat gesehen.

Krankenakte wäre die Rettung

Den Gerüchten könnte ein Ende bereitet werden, wenn Arafats Witwe Suha die Krankenakte ganz oder teilweise zur Veröffentlichung frei gäbe. "Niemand hat eine Antwort darauf, warum sie auf dieser Geheimhaltung besteht", sagte ein Palästinenser in Ramallah.

Der palästinensische Übergangspräsident Rauhi Fattuh traf am Dienstag in Ramallah einen französischen Konsul, um Einblick in die Patientenakte Arafats zu fordern. Einen entsprechenden Brief schrieb Regierungschef Ahmed Korei am Montag auch an Paris.

Frankreichs Gesundheitsminister Philippe Douste-Blazy hat eine Vergiftung als Todesursache bereits ausgeschlossen. Die Familie Arafats entscheide aber über eine Bekanntgabe der Todesursache, sagte Aussenminister Michel Barnier. "Das ist unser Gesetz, und ich glaube, dass es in diesem Fall beachtet werden muss."

(Carsten Hoffmann/sda)

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