Benzin-Depot brennt weiter
Wieder heftige Kämpfe in Tripolis
publiziert: Donnerstag, 31. Jul 2014 / 21:41 Uhr

Tripolis - Nach zwei Tagen relativer Ruhe sind die Kämpfe um den libyschen Hauptstadtflughafen wieder voll entbrannt. Milizen griffen den Flughafen von Tripolis am Donnerstag mit schweren und leichteren Waffen an und verletzten dabei mehrere Wachleute,.

6 Meldungen im Zusammenhang
Das sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP. Ein Geschoss habe ein Haus in der Nähe des Flughafens getroffen und eine Familie getötet, meldete das libysche Nachrichtenportal Al-Wasat. Auch entlang der wichtigen Zugangsstrasse zum Flughafen und im Westen von Tripolis kam es laut Augenzeugen zu Gefechten zwischen rivalisierenden Milizen. Aus dem Stadtzentrum waren Explosionen zu hören.

Die Konfliktparteien wollten mit der Waffenruhe Löscharbeiten an einem durch Raketen in Brand gesetzten Treibstofflager am Flughafen ermöglichen. Das seit Tagen wütende Grossfeuer war auch am Donnerstag noch nicht unter Kontrolle. Wegen der Kämpfe müssen Feuerwehrleute ihre Löscharbeiten immer wieder einstellen.

Zwar baten die libysche Behörden wegen des Grossbrands um Hilfe ausländischer Experten. Allerdings verweigerten die angefragten Drittstaaten wegen der anhaltenden Kämpfe die Entsendung eigener Fachleute.

Rivalisierende Milizen

Die brennenden Treibstoffbehälter befinden sich entlang der Strasse zum internationalen Flughafen, die wiederum mitten im Kampfgebiet der rivalisierenden Milizen liegt. Diese liefern sich seit Mitte Juli Gefechte um den Flughafen, der nach der libyschen Revolution im Jahr 2011 in die Hände der sogenannten Sintan-Brigaden gefallen war.

Sie verteidigen den Flughafen nun mithilfe der Wachleute gegen islamistische Kämpfer und die sogenannten Misrata-Brigaden. Nach Einschätzung von Experten geht es bei den Kämpfen um den Flughafen auch um die Kontrolle von Schmugglerrouten, durch die sich die Milizen finanzieren.

Alle Appelle der Regierung, die Kämpfe einzustellen, sind bisher verhallt. Bislang wurden bei den Gefechten zwischen den einstigen Waffenbrüdern im Kampf gegen Libyens langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi zwischen 100 und 200 Menschen getötet.

Massenevakuierung

Aufgrund der unsicheren Lage bereiteten die Philippinen eine Massenevakuierung vor, um 13'000 Landsleute in Libyen mit Schiffen auf die Mittelmeerinsel Malta zu bringen und von dort in ihre Heimat auszufliegen. Zuvor war ein philippinischer Bauarbeiter in Bengasi enthauptet worden, eine Krankenschwester wurde von mehreren Jugendlichen vergewaltigt.

Griechenland entsandte nach Regierungsangaben eine Fregatte, um rund 200 Menschen unterschiedlicher Nationalität ausser Landes zu bringen. Viele westliche Länder, darunter die USA, Grossbritannien, Deutschland und Frankreich, haben ihr Botschaftspersonal abgezogen.

Am Donnerstag schloss auch die Schweiz ihre Botschaft in Tripolis. Das Schweizer Personal und das für den Schutz der Botschaft zuständige Armeedetachement seien ausgereist, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.

Auch die internationalen Mitarbeiter der EU-Delegation sowie der EU-Grenzschutzmission «Eubam Libya» (EU Border Assistance Mission) verliessen vorübergehend das Land. «Unsere Kollegen haben die Grenze zu Tunesien am Morgen überquert», sagte ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel.

Die Gewalt hat das Alltagsleben in Tripolis praktisch zum Erliegen gebracht. Die Hauptstadt war am Donnerstag quasi menschenleer, die meisten Geschäfte hatten ihre Rollläden unten. Banken und Behörden sind seit Tagen geschlossen, die Vorräte an Strom, Wasser und Treibstoff gehen zur Neige.

(bert/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Tripolis - Nach der Einnahme des ... mehr lesen
Am Wochenende hatten Kämpfer von Fadschr Libia den Flughafen in Tripolis eingenommen. (Archivbild)
Libyen erlebt derzeit die schlimmste Gewalt seit dem Ende der Gaddafi-Herrschaft mit chaotischen Zuständen. (Symbolbild)
Tripolis - Nach einer weiteren Gewalteskalation in Libyen hat das Parlament zwei islamistische Milizen zu Terrororganisationen erklärt. Die beiden Gruppen Fadschr Libia ... mehr lesen 1
Tripolis - Bei Kämpfen zwischen ... mehr lesen 1
Tripolis, Hauptstadt Libyen
Heftige Kämpfe gab es zuletzt unter anderem in der Nähe des Flughafens von Tripolis. (Archivbild)
Paris - In Libyen haben sich die ... mehr lesen
Tripolis - Die libysche Übergangsregierung geht mit Hilfe aus Italien gegen einen ... mehr lesen
Insgesamt sollen in der Anlage 90 Millionen Liter Benzin gelagert sein. (Symbolbild)
Weitere Artikel im Zusammenhang
Tripolis - Nach einem Raketeneinschlag in einen Treibstofftank droht der libyschen Hauptstadt Tripolis eine Katastrophe. Die Feuerwehr bekommt den Brand nicht in den Griff, weitere Öl- und Gastanks könnten explodieren. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 22
Mit der neuen Regierung unter Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch soll der Bürgerkrieg beendet werden.
Mit der neuen Regierung unter Ministerpräsident Fajis ...
Ministerpräsident kehrt zurück  Tripolis - Die von Islamisten dominierte Schattenregierung in der libyschen Hauptstadt Tripolis hat nach eigener Darstellung zugunsten der von den UNO vermittelten Übergangsregierung aufgegeben. Damit soll weiteres Blutvergiessen und eine Spaltung des Landes vermeiden werden. mehr lesen 
Behinderung des Friedensprozess  Brüssel - Die EU hat wegen der Behinderung des Friedensprozesses in Libyen Sanktionen gegen drei Politiker beschlossen. Die Strafmassnahmen umfassen ein Einreiseverbot in die EU und ... mehr lesen
In Tripolis wurde gestern ein TV-Sender gestürmt. (Archivbild)
Militäroperation am Dienstagabend  Tunis - Die tunesische Regierung geht weiter gegen Extremisten vor. Bei einer Militäroperation in der Nacht zum Mittwoch seien im Süden des Landes ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    belustigend peinlich Das kommt schon fast in die Nähe der Verwechslung von Oekonomie mit ... Mi, 28.12.16 01:21
  • Unwichtiger aus Zürich 11
    Grammatik? Wie kann Stoltenberg denn Heute schon wissen, welche Entscheidungen am ... Sa, 22.10.16 10:59
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Der phallophile Blick eines cerebrophoben Schäfleins! Frau Stämpfli schrieb am Ende ... Mo, 26.09.16 17:32
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 5°C 10°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt bedeckt
Basel 6°C 11°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt bedeckt
St. Gallen 5°C 8°C bedecktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen bedeckt, wenig Regen
Bern 5°C 9°C bedecktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt bedeckt
Luzern 5°C 9°C bedecktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bedeckt, wenig Regen bedeckt
Genf 6°C 11°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt wechselnd bewölkt
Lugano 5°C 5°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig anhaltender Regen wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten