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Wils hohe Ziele: Aufstieg und Cupfinal

publiziert: Mittwoch, 20. Feb 2002 / 17:11 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 20. Feb 2002 / 17:49 Uhr

Bern/Wil - Der NLB-Meister Wil hat sich als Ziel für die Auf- /Abstiegsrunde die erstmalige Promotion in die Nationalliga A gesetzt. Darüber hinaus wollen die St. Galler gleich noch den Cupfinal erreichen.

Der FC Wil erreichte zum vierten Mal die Aufstiegsrunde und möchte künftig weder der kleine Bruder des FC St. Gallen noch Trainer- und Spielerlieferant für NLA-Klubs sein. «Wir wollen selber in die Spitzenliga», sagte Klubpräsident Andreas Hafen. «Wil hat im Moment die spielerischen Mittel und die finanzielle Sicherheit für die Nationalliga A. Längerfristig sehe ich aber dort keinen Platz für uns.» Die Infrastruktur im Stadion Bergholz erfüllt die Auflagen der Nationalliga für die A-Klasse nicht; der FC Wil hat jedoch für den Fall des Aufstiegs die Zusicherung erhalten, wenigstens in der ersten Saison im eigenen Kleinstadion antreten zu können.

In Wil wird unter profihaften Bedingungen gearbeitet. Trainer Heinz Peischl (Ö), der in der engeren Wahl um die Nachfolge von Marcel Koller in St. Gallen stand, verfügt nach dem Zuzug von Naldo, Rapo und Sereinig in der Winterpause über ein noch stärkeres Kader. Dessen Stützen sind Leute wie Fabinho, Pavlovic, Isabella, Dilaver und Gambino. Sawu, der erfolgreichste Stürmer des Teams, ist freilich auf dem Absprung nach China.

Das Budget der Wiler ist mit 2,5 Millionen Franken relativ bescheiden. Sportchef Armando Müller betonte, dass sich der Verein auch in der Nationalliga A auf keine finanzielle Abenteuer einlassen würde: «Wir wirtschaften seriös und schreiben schwarze Zahlen. Alle Spieler sind Eigentum des FC Wil. Auch im Falle eines Aufstiegs würden wir den Boden unter den Füssen nicht verlieren, sondern unser Budget nur um eine Million aufstocken.»

Bangen in Luzern und Lausanne

Wil könnte von der finanziellen Not und dem spielerischen Aderlass bei Luzern, Lausanne und Winterthur profitieren. Die beiden NLA-Klubs und der Zürcher NLB-Verein, der im Herbst 14 Runden lang das Klassement in der zweithöchsten Spielklasse anführte, müssen weiterhin um ihre Existenz bangen.

In Luzern blieb kein Stein auf dem andern. Der Verein trennte sich seit dem Herbst notgedrungen von 16 Spielern; unter ihnen befinden sich mit Ohrel und Lengen (Yverdon), Rey und Wiederkehr (Xamax), Urdaneta (Waldhof Mannheim), Contini (Lausanne), Wyss (Trainer in Grenchen), Türkyilmaz (Rücktritt), Alcorsé und Amarildo (zurück nach Brasilien) und Torhüter Foletti (Derby County?) zahlreiche Leistungsträger und Routiniers. Trainer und Manager Raimondo Ponte hat eine neue, junge Mannschaft zusammengestellt, deren Leistungspotenzial schwer abzuschätzen ist. Der Wille, den FCL finanziell (bewilligte Nachlassstundung) und sportlich (1:0- Sieg im Cup gegen Aarau) zu retten, ist vorhanden.

Barberis' Rückkehr

Lausanne, das seit der Einführung der NLA im Jahre 1944 noch nie abstieg, hat einen neuen (alten) Trainer. Nach fünf Jahren Pause kehrte Umberto Barberis (50) wieder an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Der nicht unumstrittene und eigenwillige Italo-Schweizer trifft in Lausanne aber ganz andere Verhältnisse an als in den Jahren 1987 bis 1993, in denen er die Waadtländer zu einem Spitzenteam formte und in den UEFA-Cup brachte. Die finanziellen Ressourcen sind beschränkt, noch immer ist Lausanne auf das Wohlwollen von Waldemar Kita angewiesen, der Mitte Juni 2001 als Präsident demissionierte, aber immer noch die Aktienmehrheit und die Transferrechte an den meisten Spielern hält.

Lausanne musste Massimo Lombardo für 500 000 Franken an Servette abtreten und trennte sich auch von Pape Thiaw (Strasbourg) und Daniel Puce (China). Mit der Basler Leihgabe Tchouga, mit Contini und dem ehemaligen französischen Nationaltorhüter (und Geldgeber?) Lionel Charbonnier verfügt Barberis dennoch über neue Spieler, die mithelfen wollen, den Kollaps zu verhindern.

Aaraus Erfahrung

Aarau, das zum vierten Mal in Serie gegen den Abstieg kämpft, und Neuchâtel Xamax wird der Ligaerhalt zugetraut. Die von Rolf Fringer betreuten Aargauer mussten zwar den U21-Internationalen Daniel Gygax und den Polen Slawomir Wojciechowski (ex Bayern München) ziehen lassen, vertrauen aber den Künsten des von Privatleuten zur Verfügung gestellten Ägypters Gouda (21), der bis Saisonende eine Leihsumme von 70 000 Franken kosten soll. Xamax hat die Abgänge des senegalesischen Internationalen Malik Diop (Lorient/Fr) und des Kameruners Atouba (Basel) zu verkraften. Trainer Alain Geiger hat sein Kader jedoch durch die Zuzüge von Rey und Wiederkehr nahezu kompensieren können.

Delémont strebt zwar den Wiederaufstieg nach dem kurzen NLA- Gastspiel in der Saison 1999/2000 an, aber die finanziellen und spielerischen Mittel sind beschränkt; letzteres zeigte der Ausrutscher im Cup gegen den Erstligisten Wangen. Der FC Thun, der das Kader mit Aziawonou (Basel) und dem Kolumbianer Echeverry ergänzte, wird sich wohl in der Rolle des Spielverderbers gefallen. Beim darbenden FC Winterthur hat Sportchef René Weiler auch das Traineramt übernommen, weil Urs Schönenberger zu Kriens wechselte. Mit den Abgängen von Gerstenmaier (Baden), Brugnoli (Vaduz) und Renfer (Zürich) büssten die Zürcher viel Substanz ein. Sie wollen ohnehin nicht aufsteigen, sondern in der Nationalliga überleben.

(kil/sda)

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