«Wir müssen uneingeschränkt investieren können»

publiziert: Sonntag, 11. Dez 2005 / 13:58 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 11. Dez 2005 / 14:19 Uhr

Bern - Swisscom-Chef Jens Alder hat sich gegen eine finanzielle Obergrenze für Investitionen des Telekomkonzerns im Ausland ausgesprochen.

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Sollte dies der Bundesrat künftig vorschreiben, wäre das für Alder «schwer zu akzeptieren».

«Wir müssen uneingeschränkt investieren können», sagte der Swisscom-Chef in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Alles andere wäre existentiell gefährlich. «Verheerend wäre, wenn wir überhaupt nicht mehr im Ausland investieren dürften». Denn das Geschäft im Inland werde weiter schrumpfen.

Derzeit sei das grösste Problem, dass viel Arbeit in zehn Tagen erledigt werde müsse, sagte Alder gegenüber der «NZZ am Sonntag». Nach dem überraschenden Veto gegen Auslandsengagements des Telekomkonzerns will der Bundesrat als Mehrheitsaktionär am 21. Dezember die künftigen strategischen Ziele für die Swisscom vorgeben.

Strategische Ziele gebraucht

«Wir brauchen strategische Ziele des Bundes, die den Märkten einleuchten», sagte Alder. Die Regierung müsse sich konsequent an diese halten und sich in ihrer Kommunikation entsprechend verhalten.

Rückendeckung erhielt Alder von der Aktionärsvereinigung Actares, die das Vorgehen des Bundesrats im Zusammenhang mit der Swisscom ebenfalls kritisierte.

Das Verhalten der Bundesregierung habe bei Minderheitsaktionären und Steuerzahlern grosse, unnötige Werteinbussen verursacht. Für den Dialog zwischen den Besitzern einer Unternehmung und deren Geschäftsführung geben Gesetze und Statungen klare Vorgaben, wie Actares (AktionärInnen für nachhaltiges Wirtschaften) mitteilte. Doch der Bundesrat habe unnötigerweise den Schritt an die Öffentlichkeit getan, statt diese Kanäle zu benutzen.

Das «unangemessene Vorgehen des Bundesrates» habe einen Verlust an Börsenwert von 1,5 Milliarden Franken verursacht. Davon gingen 500 Millionen Franken zu Lasten der Minderheitsaktionäre, darunter viele Pensionskassen, teilte Actares weiter mit.

Prinzipien der guten Unternehmensführung verletzt

Die Aktionärsvereinigung stellt die Frage, ob die Swisscom «zynisch auf dem Altar der persönlichen oder parteipolitischen Profilierung geopfert» werden soll. Der Bundesrat habe mit seinen Entscheiden und Äusserungen zur Swisscom die Prinzipien der guten Unternehmensführung jedenfalls «krass verletzt».

Nun gelte es, zu retten, was noch zu retten sei. Erste Aufgabe der Swisscom sei es, in der ganzen Schweiz für alle hochwertige Telekomdienste anzubieten. Jede unternehmerische Entscheidung müsse diesem Ziel unterstellt werden. Und nur so könne das Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft erreicht werden.

Nach dem überraschenden Veto des Bundesrates für Auslandengagements der Swisscom wird für den 21. Dezember eine Entscheidung der Regierung zur Strategie des Telekomkonzerns von 2006 bis 2009 erwartet.

(fest/sda)

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