Zaugg im Clinch - Egli im Offside

publiziert: Samstag, 20. Aug 2005 / 00:30 Uhr

Obschon erst der 6. Spieltag bevorsteht, ist die Nervosität bei den Young Boys und im FC Aarau kaum mehr zu übertreffen. Von Floskeln über Ultimaten bis hin zu öffentlichen Entschuldigungen gelangte dieser Tage fast alles an die Öffentlichkeit.

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Groteskerweise könnte YB mit einem Sieg gegen den FC Zürich zum sehr gut platzierten Gegner aufschliessen. Verlieren die Berner zu Hause hingegen ein zweites Mal, werden sich die Kritiker von Hans-Peter Zaugg noch dezidierter zu Wort melden und dürfte es dem Coach schwer fallen, einen weiteren Fehltritt seiner vorzüglich, aber nicht ausgewogen besetzten Equipe zu erklären.

Präsident Peter Mast riet der YB-Gemeinde Anfang Woche, den Ball flach zu halten. Was der einflussreichere Peter Jauch von der gut gemeinten Ur-Berner Gelassenheit hält, bleibt abzuwarten. Die Situation Zauggs sei nicht so gut, liess er in einem Interview mit "Blick" verlauten. Damit schuf Jauch -- ob gewollt oder nicht -- Raum zu Spekulationen. Und Mast widersprach Zaugg (unbeabsichtigt), indem er die Probleme ausdrücklich nicht nur auf die Vakanz im Sturm reduzieren wollte.

Zaugg selber hielt sich zurück. Die Diskussion an seiner Person berühre ihn kaum. Er betrachte sie als ein Teil des Geschäfts. Und doch: Die Gelassenheit wirkt aufgesetzt. "Bidu" spürt, dass seiner umformierten Equipe nicht jene Einspielzeit zugebilligt wird, die er sich wünschen würde. Er realisiert mehr und mehr, dass seine Mannschaft (noch) nicht bereit ist, die seit der Stadioneröffnung massiv gestiegenen Erwartungen zu erfüllen.

Geschwächtes Kader in Zürich

Im FCZ stehen andere Probleme im Vordergrund. Coach Lucien Favre muss sein Team abermals umstellen. Captain Marc Schneider fehlt wegen einer Entzündung an der Achillessehne, Mihai Tararache ist wieder einmal gesperrt, und der Regisseur Xavier Margairaz leidet an einer Kapselverletzung im Fuss.

"Es ist schon schwierig für uns. Wenn Margairaz auch noch ausfällt, muss ich einen Verteidiger im Mittelfeld aufstellen", klagte Favre 48 Stunden vor dem Anpfiff in Bern. Wen er nominieren würde, liess der Romand offen. Zumindest deutete Favre einen Transfer an: "Wir beobachten den internationalen Markt genau."

Billige Unterhaltung von Aarau

Aarau liefert seit Tagen Stoff für Schlagzeilen. Das Niveau der billigen Unterhaltung ist kaum mehr zu unterbieten. Rudolf P. Schaub, der Nachwuchschef des FCA, mochte sich nicht länger dem Gespött aussetzen und verliess den dilettantische, mehrheitlich handlungsunfähigen Verwaltungsrat.

Präsident Michael Hunziker entschuldigte sich in der Zwischenzeit für das unsägliche Ultimatum. "Ich würde das nicht mehr so machen." Die an einer Medienorientierung zur Schau gestellte Einigkeit innerhalb des VR wirkte jedoch mindestens so unglaubwürdig wie die Kurswechsel Hunzikers.

Der von Hunziker mehrfach blamierte Trainer Andy Egli setzte das Pokerface auf. Obwohl mehr als naheliegend ist, dass hinter seinem Rücken mit möglichen Nachfolgern verhandelt wurde, war ihm zum Verhalten seines Chefs kein Kommentar zu entlocken. "Ich bin Profi und muss die Arbeit auf dem Platz abliefern", verbarg Egli seinen Frust hinter einer gängigen Floskel.

Fest steht, dass ihm ein schwieriges und gleichermassen schicksalhaftes Programm bevorsteht. Der Reihe nach trifft der angschlagene FCA auf Titelhalter Basel, Uefa-Cup-Teilnehmer GC, das formstarke Schaffhausen, Cupsieger Zürich und die Überflieger aus Thun.

"Wegweisende Woche" für Basel

Vom Meister dürfen die Aarauer am Samstag in Basel gewiss keine Aufbauhilfe erwarten. Für Christian Gross steht gar nicht zur Debatte, die Pflichtübung in irgendwelcher Weise zu vernachlässigen, zumal er im Hinblick auf das Rückspiel in der Qualifikation zur Champions League gegen Bremen eine optimale Ambiance schaffen will.

"Wir stehen vor einer wegweisenden Woche. Die beiden Heimspiele gegen Aarau und Neuchâtel Xamax innerhalb von acht Tagen müssen wir gewinnen, um uns an der Tabellenspitze zu etablieren", führte der Zürcher mit Nachdruck aus. In welcher Besetzung der FCB auftreten wird, ist ungewiss. Chipperfield und Sterjovski sind wieder verfügbar.

Grasshoppers - St. Gallen (letzte Partien/chronologisch 3:3, 4:0, 0:0, 0:0). -- Samstag, 19.30 Uhr. -- Absenzen: Seoane, Muff, Leandro (alle verletzt), Eduardo (gesperrt); Wolf, Fabinho (beide verletzt), Cerrone (gesperrt). -- Fraglich: Hürlimann (Fussprellung); Callà, Marazzi, Maric (alle angeschlagen nach Spiel mit der Schweizer U21). -- Statistik: GC verbindet in jüngster Vergangenheit vornehmlich positive Erinnerungen mit dem FC St. Gallen. Nur eines der letzten 17 Spiele (am 12. Mai 2004) verloren die Hoppers gegen die Ostschweizer. Bemerkenswert: Seit Hanspeter Latour Anfang Jahr bei GC das Coaching übernommen hat, überstanden die Zürcher zehn Heimspiele in Serie ungeschlagen.

Basel - Aarau (5:0, 4:2, 0:1, 6:0). -- Samstag, 19.30 Uhr. -- Absenzen: Berner, Carignano, Yakin (alle verletzt); Bättig, Christ (beide rekonvaleszent), Menezes (verletzt). -- Statistik: Gegen Aarau weisen die Bebbi seit zwölf Heimspielen eine makellose Bilanz auf. Daheim verlor der FCB letztmals am 24. März 1996 (1:3). Im St.-Jakob-Park ist der Titelhalter seit 44 Spielen und dem 1:2 gegen GC am 1. Dezember 2002 praktisch konkurrenzlos (und ungeschlagen).

Yverdon - Schaffhausen (-; Yverdon Aufsteiger). -- Samstag, 19.30 Uhr. -- Absenzen: Gentile, Grosso, Grubesic, Lengen (alle verletzt); Leu (verletzt), Pesenti (wieder im Lauftraining). -- Statistik: Yverdon hat in Aarau am letzten Spieltag mit dem 1:1 wenigstens die Serie der Niederlagen gestoppt. Wesentlich erfolgreicher startete Schaffhausen zum Championat. Die hartnäckige Equipe des smarten Trainers Jürgen Seeberger musste sich in fünf Partien nur vom FC Basel bezwingen lassen.

Young Boys - Zürich (1:1, 5:0, 2:4, 3:2). -- Sonntag, 16.15 Uhr. -- Absenzen: keine; Schneider (verletzt), Tararache (gesperrt). -- Fraglich: keiner; Margairaz (Kapselverletzung am Fuss). -- Statistik: Die Young Boys haben in den letzten drei Runden nur einen Punkt gewonnen und gerieten schwer unter Druck. Leader Zürich hingegen verlor erst einmal (1:2 in Basel). Von den letzten acht Meisterschafts-Duellen mit YB gewann der FCZ allerdings nur eines im vergangenen Dezember (4:2).

(bert/Si)

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