Zensur-Add-on - surfen wie in China
publiziert: Mittwoch, 29. Okt 2008 / 09:21 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 29. Okt 2008 / 09:54 Uhr

Hongkong - Mit dem Firefox-Add-on «China Channel» ist es westlichen Websurfern möglich, durch das chinesische Internet inklusive Zensur und Inhaltefiltern zu surfen und somit die wirkungsvolle Webzensur selbst zu erleben.

Geblockte Seiten und Inhaltefilter sind für westliche User ständig präsent.
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Weiterführende Links zur Meldung:

China Channel
Das Firefox Add-on zum herunterladen.
chinachannel.hk/

Die Programmierer aus Hongkong geben Menschen ausserhalb des kommunistisch geführten Landes die Chance, die Mechanismen der Zensur beim Surfen kennenzulernen, mit denen chinesische User täglich konfrontiert sind.

Die Firefox-Erweiterung routet die Anfragen im Webbrowser über einen Proxy-Server in China. Der Rechner erhält somit eine chinesische IP-Adresse und der User befindet sich surf-technisch innerhalb der Grossen Firewall.

Blockade von news.ch

Das Surfen im chinesischen Web gestaltet sich durchaus mühsam. Seiten, die bestimmte Stichwörter wie «Dalai Lama», «Tiananmen», «Democracy» oder regimekritischen Content enthalten, können gar nicht aufgerufen werden. Webseiten von westlichen Tageszeitungen und Magazinen sowie News-Portale werden ebenfalls umfassend geblockt.

Selbst der Onlineauftritt von pressetext ist von China aus teilweise nicht zu erreichen. Und auch news.ch wurde kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels von der Firewall erfasst und geblockt.

Stattdessen zeigt der Browser die Auskunft, dass die Verbindung während des Aufbaus unterbrochen wurde. Alternativ dazu bekommt der User auch den Hinweis auf einen Server-Error angezeigt.

Selbst auf jenen Seiten, die von der chinesischen Zensur als in Ordnung befunden werden, gestaltet sich das Surfen für europäische Ansprüche mühselig, denn die Verbindungsgeschwindigkeit ist langsam.

Freies surfen dank Proxy oder VPN

Die bei dem Add-on verwendete Methode, den Datenverkehr über einen Proxyserver zu leiten und somit eine chinesische Identität anzunehmen, kann auch umgekehrt verwendet werden. So ist es möglich die Grosse Firewall zu umgehen, indem innerhalb Chinas eine verschlüsselte Verbindung mit einem Proxy-Server ausserhalb des Landes hergestellt wird.

Allerdings ist diese Methode auch den Zensoren bekannt und daher versucht man den, Verbindungsaufbau zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Eine andere Methode, die vor allem westliche Geschäftsleute nutzen, ist, eine gesicherte VPN-Verbindung zum Firmennetzwerk in der Heimat herzustellen.

Zensur-Technologie aus dem Westen

Die Entwickler des Add-ons wollen die Unterschiede zwischen den Internet-Welten auch in Form von Installationen demonstrieren. Ihre Web-2.0-Gallery besteht aus zwei Rechnern, die mit einer modifizierten Maus zugleich bedient werden können.

Während einer mit einer IP-Adresse aus Hongkong einen relativ unbeschränkten Zugang hat, wird der zweite mit einer chinesischen IP-Adresse betrieben. Zwei Bildschirme zeigen somit offensichtlich zwei unterschiedliche Seiten des Internet.

In ihrer Kritik an den Zensurmassnahmen halten sich die Entwickler aus Hongkong auch bei westlichen Unternehmen nicht zurück. Immerhin werde die Grosse Firewall, die 1,3 Mrd. Chinesen umgibt, mithilfe von westlicher Technologie umgesetzt, die von Cisco, Google oder Yahoo geliefert wird, schreiben die Programmierer von China Channel.

(bert/pte)

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