Zerwürfnis in der FIFA zwischen Blatter und Zen-Ruffinen

publiziert: Freitag, 19. Apr 2002 / 15:37 Uhr / aktualisiert: Freitag, 19. Apr 2002 / 19:56 Uhr

Zürich - Das Zerwürfnis zwischen FIFA-Präsident Joseph Blatter und dessen Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen ist offensichtlich und wird nun in der Öffentlichkeit ausgetragen. Blatter kontert in einer Medieninformation die Attacken seines ehemaligen Protégés.

Am Hauptsitz der FIFA am Zürcher Sonnenberg will keine Ruhe einkehren. In einer «Richtigstellung» geht nun Blatter in die Offensive und widerspicht den am Vortag gemachten Äusserungen seines Schweizer Landsmanns. Der Generalsekretär behauptete, dass ihm Blatter im Zusammenhang mit den Untersuchungen zur finanziellen Situation des Weltverbandes einen Maulkorb verpasst habe.

Blatter stellt klar und verweist auf seinen Brief vom 23. März an David Will, den Vorsitzenden der internen ad-hoc- Buchprüfungskommission (IAC), dass er die Arbeit des Untersuchungsausschusses «in keiner Art und Weise behindern» wolle. Es müsste jedoch «das Prinzip der Vertraulichkeit in finanziellen Angelegenheiten eingehalten werden» heisst es weiter in der von der FIFA verbreiteten Blatter-Erklärung.

Zen-Ruffinen hatte in einem Interview in der Donnerstagausgabe der Genfer Zeitung «Le Temps» den Verdacht geäussert, dass Blatter den Ausschuss am 11. April seinetwegen vorläufig suspendiert habe. «Ich glaube, dieses Manöver zielte auch darauf ab, mich als Zeugen zu hindern, weil ich einige delikate Dinge hätte sagen können», wird Zen-Ruffinen zitiert. «Seit einigen Monaten» gäbe es Probleme in der Behandlung der FIFA-Finanzen. Er sei immer wieder übergangen worden, obwohl er nach den FIFA-Statuten für diesen Bereich zuständig sei. Falls die Untersuchungen Belastendes für die FIFA und ihren Präsidenten erbringen würden, will der Generalsekretär «nicht von einem möglichen Skandal hinweggespült werden», bei dem er nichts zu tun gehabt habe.

Der FIFA-Präsident hat die von Will angeführte und von der Exekutive gegen Blatters Willen eingesetzte Untersuchungskommission wegen des «Bruchs der Vertraulichkeit» vorläufig suspendiert. Auf Druck der Mehrheit des 24-köpfigen Exekutivkomitees findet am 3. Mai in Zürich eine ausserordentliche Sitzung des Führungsgremiums statt. Das ursprüngliche Mandat der Untersuchungskommission reicht bis zum 30. April. Die Frage ist, ob das Exekutivkomitee gegen seinen Präsidenten und für eine Wiederaufnahme der Arbeit der Kommission stimmen wird.

Der interne Streit der Walliser am Zürichberg wirft so oder so ein schiefes Licht auf das FIFA-Führungsgremium. Blatter, der am 29. Mai in Seoul um seine Wiederwahl gegen den Kameruner Issa Hayatou kämpft, scheint seinen ehemaligen Getreuen Zen-Ruffinen verloren zu haben. Ein persönliches Gespräch zwischen dem FIFA- Präsidenten und dem Generalsekretär soll am Wochenende Klarheit bringen. Derweil liess Hayatou, der Präsident des afrikanischen Fussballverbandes, aus der Ferne verlauten, dass er sich bei einer Wahl auch eine Zusammenarbeit mit Michel Zen-Ruffinen als Generalsekretär vorstellen könne.

(kil/sda)

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