Zidane überstrahlt alle Probleme

publiziert: Samstag, 8. Okt 2005 / 00:02 Uhr / aktualisiert: Samstag, 8. Okt 2005 / 00:31 Uhr

Der Optimismus in Frankreichs Lager ist vor dem WM-Qualifikationsspiel in Bern gross. Eine Niederlage gegen den östlichen Nachbarn ist fernab aller Planspiele. Spätestens seit der Rückkehr von Zidane und Co. halten sich die Franzosen für unbesiegbar.

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Die Depression im französischen Lager war noch im Frühsommer gross. Die Qualifikation für die WM 2006 in Deutschland, im Selbstverständnis der Franzosen in der Gruppe 4 höchstens eine Pflichtübung, war nach sechs Spielen arg gefährdet.

Gegen keinen der direkten Konkurrenten Irland, Schweiz und Israel hatte Frankreich gewinnen können, und noch viel schlimmer, zuhause im Stade de France gar dreimal nur 0:0 gespielt. Trainer Raymond Domenech, von Beginn an umstritten, schien am Ende seines Lateins.

Im Sommer geschah dann das -- aus französischer Sicht gesehen -- Wunder: Zinédine Zidane entschloss sich, zusammen mit Liliam Thuram und Claude Makelele, zu einem Comeback in der «Equipe tricolore». Mit einem Male kehrte der Wind. Die Verzweiflung wich dem Optimismus, und der Sieg in Irland (1:0) rückte das französische Selbstverständnis, das auf dem WM-Titel 1998 und dem EM-Titel 2000 gründet, wieder zurecht.

Neue, alte Lichtgestalt

Von entscheidenden 90 Minuten sprechen die Franzosen vor der Partie im Stade de Suisse, obwohl sie zum Abschluss der Qualifikation noch Zypern empfangen. Zidane ist die neue, alte Lichtgestalt des französischen Fussballs, seit seiner Rückkehr war Frankreich dreimal siegreich. Nach 13 Monaten Zweifel, Polemik und Hoffnung hat die WM-Kampagne mit «Zizou» neuen Schwung erhalten.

Dabei sind die Schatten um die Lichtgestalt kaum zu übersehen. Der wohl begnadetste Spielmacher der letzten Dekade ist gesundheitlich angeschlagen, spielte im letzten Monat nur gerade eine halbe Stunde, am vergangenen Sonntag mit Real Madrid gegen Mallorca.

Am Donnerstag trainierte Zidane erstmals mit der Mannschaft und doch zweifelt niemand an einem Einsatz im Wankdorf von Beginn an. Dagegen ist der einsatz von Thuram fraglich, weshalb Domenech gestern Zoumana Camara nachnominierte.

Optimistischer Zidane

Auch gestern vor dem Abschlusstraining der Franzosen im Stade de Suisse zog Zidane die grösste Aufmerksamkeit auf sich. «Wir sind hierher gekommen, um zu gewinnen», erklärte der Superstar den zahlreich angereisten Journalisten, und schob nach, dass sie auch die Mannschaft hätten, um das realisieren.

Zwar mag er sich nicht mehr an die Begegnung an der letzen EM erinnern, obwohl er beim 3:1-Erfolg ein Tor erzielt hatte. «Es war war kein grosses Spiel von uns», so Zidane. Viel mehr würde er heute ein «Törchen» schiessen, was ihm gegen Irland nicht gelungen war.

Zidane drängt gar den Ausfall der beiden treffsichersten Stürmer Frankreichs, David Trezeguet (31 Tore) und Thierry Henry (30 Tore), in den Hintergrund. «Es gibt noch immer genügend talentierte Spieler, die Tore schiessen können», schwächte Domenech ab.

Motivierter Cissé

Zum Beispiel Djibril Cissé, der in Liverpool in dieser Saison mit sieben Toren erfolgreichster Skorer ist, den Verein aber verlassen will. Denn in der Premier League kam der exzentrische Stürmer, der seinen mit Tattoos überzogenen Körper auch schon nackt ablichten liess, nur einmal von Beginn an zum Einsatz -- im rechten Mittelfeld.

Cissé äusserte sich mit klaren Worten zu seiner Situation in England. «In sechs Monaten findet die WM statt und da möchte ich dabei sein», so der Torschützenkönig 2004 der Ligue 1 -- selbstredend davon ausgehend, dass Frankreich nicht scheitern wird. «Deshalb muss ich im Verein spielen», erklärte der 25-Jährige im Trainigslager der Franzosen in Clairefontaine.

Sollte er nicht regelmässig von Beginn an spielen, zieht er im Dezember eine Rückkehr nach Frankreich, wo ihm ein Angebot von Marseille vorliegt, dem Verbleib auf der Insel vor.

Erstklassige Unterkunft

Die Franzosen machen sich gemeinhin weniger Sorgen um den heutigen Gegner als um die eigene Zukunft. Und auch ihre Unterkunft in der Schweiz haben sie getreu dem Motto «Noblesse oblige» gewählt. Gestern zog das Team vom Trainingscamp in Clairefontaine ins Parkhotel in Oberhofen am Nordufer des Thunersees.

Die Franzosen haben gleich das ganze Hotel in Beschlag genommen, Zidane steht die Juniorsuite mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau zu. Das zum Hotel gehörende Restaurant, immerhin mit 14 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet, wurde für den zweitägigen Aufenthalt für die Öffentlichkeit geschlossen. Mit in der Entourage befindet sich auch rund ein Dutzend französischer Polizisten, die für die Ruhe und Sicherheit sorgen.

(von Sascha Rhyner, Bern/Si)

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