Missbrauchsfälle untersucht

Zu harte Strafen und sexuelle Übergriffe in Luzerner Kinderheimen

publiziert: Donnerstag, 17. Mrz 2011 / 17:15 Uhr

Luzern - Zwischen 1930 und 1970 haben in Luzerner Kinder- und Jugendheimen Einzelpersonen und Behörden grosse Fehler begangen, und die Strafpraktiken überschritten in vielen Fällen ein damals akzeptiertes Mass deutlich.

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Dies schreibt der Historiker Markus Furrer über die Vorkommnisse in Luzerner Kinder- und Jugendheimen. Das ganze System der einweisenden Behörden und der verschiedenen Aufsichtsbehörden habe versagt, heisst es im 150-seitigen Zwischenbericht, der am Donnerstag in Luzern den Medien vorgestellt wurde.

Der Bericht stützt sich auf 27 Gespräche und drei schriftliche Berichte von Betroffenen sowie auf Archivmaterial. Furrer untersuchte die Geschehnisse in verschiedenen Luzerner Kinder- und Jugendheimen von 1930 bis 1970 - unter anderem im früher von Ingenbohler Schwestern geführten Heim in Rathausen.

Die wohl schlimmsten Erfahrungen, so geht aus dem Bericht hervor, seien die Strafpraktiken und die sexuellen Übergriffe. Die Betroffenen seien gedemütigt, gezüchtigt und gefoltert worden.

Stark traumatisiert

Die meisten Opfer hätten ein Leben lang an der Last der Erinnerungen gelitten, sagte Markus Furrer. Die Taten hinterliessen psychische und physische Narben. Viele Betroffene seien stark traumatisiert - auch von einem unmenschlichen Erziehungsstil.

Das Leben der Betroffenen war nach der Heimentlassung oft begleitet von Armut, Randständigkeit und Ausnützung. Viele hatten beispielsweise Schwierigkeiten im Übergang vom Heim zu einer Berufstätigkeit.

Auch wenn die Vorkommnisse aus rechtlicher Sicht verjährt seien, müsse man heute hinschauen und die Opfer um Vergebung bitten, sagte Regierungsrat Guido Graf im Namen der Luzerner Regierung. Er nannte es eine moralische Wiedergutmachung.

Regierung will Abschlussarbeit

Der Regierungsrat sieht weiteren Handlungsbedarf für eine vertiefte Aufarbeitung der Vorkommnisse in den Kinder- und Jugendheimen. Deshalb beauftragte er Markus Furrer, nach dem Zwischenbericht auch noch eine Abschlussarbeit zu erstellen. Dieser soll im Herbst 2012 vorliegen.

Die Regierung sehe nicht vor, Schmerzensgelder auszubezahlen, sagte Graf. Er wies aber darauf hin, dass - wann immer möglich - die Opferhilfe zum Einsatz komme.

Vor gut einem Jahr wurden Vorwürfe laut, dass Misshandlungen und sexuelle Missbräuche in Luzerner Kinderheimen im letzten Jahrhundert nicht aufgedeckt würden. Die Luzerner Regierung erteilte deshalb dem Historiker Markus Furrer den Auftrag, die Vorkommnisse aufzuarbeiten und errichtete eine Anlaufstelle.

(bert/sda)

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Markus Furrer ist Titularprofessor an der Universität Freiburg und Dozent für Geschichte an der PHZ.
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