Zwei Schwergewichte bedrängen Meister Arsenal

publiziert: Samstag, 14. Aug 2004 / 09:13 Uhr / aktualisiert: Samstag, 14. Aug 2004 / 09:43 Uhr

In der Premier League ist die Rollenverteilung umstritten. Arsenal stürmte in der letzten Saison zwar ungeschlagen und mit beträchtlichem Vorsprung zum Titel, aber der Meister geniesst gleichwohl nicht uneingeschränkt den Status des Favoriten.

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Reiche Konkurrenten aus London und Manchester erkauften sich mit unzähligen Millionen Pfund Argumente, um die "Gunners" abfangen zu können. Chelsea unterstrich den Titelanspruch primär im Transfersektor.

Roman Abramowitsch, der mutmasslich mächtigste, zweifelsfrei aber finanzkräftigste Klubeigner der gesamten Liga, investierte abermals mehr als 70 Millionen Euro für neues Personal. Manchester United steht Chelsea in Sachen Ansprüchen kaum nach. Die beiden teuren Teams stehen sich übrigens schon am ersten Spieltag in London gegenüber.

Neue Übungsleiter vom Festland

Für das Renommée und die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsene Qualität des englischen Klubfussballs sprechen nicht nur die investierten Summen, sondern auch die Ankunft neuer Spitzencoaches.

Mit José Mourinho (von Porto zu Chelsea) und Rafal Benitez (Valencia/Liverpool) wechselten die Trainer zweier aktueller Europacupsieger auf die Insel. Tottenhams neuer Coach Jacques Santini betreute bis im Sommer den entthronten Europameister Frankreich.

Ein meisterlicher Schachzug

Mit der Verpflichtung von Mourinho gelang dem Russen Abramowitsch vermutlich der wichtigste Schachzug. Der Portugiese hatte Porto im Mai zum Triumph in der Champions League geführt. Der blitzgescheite und mehrsprachige Hochschulabsolvent ist der Kopf der neuen portugiesischen Trainergilde.

Ihm, und vielleicht nur ihm, dem genialen Strategen und Kommunikator, ist es zuzutrauen, das künstliche Konstrukt in der vom Geldgeber gewünschten (kurzen) Frist zur gewinnträchtigen Einheit zu formen.

Drogba, Robben und Kezman

Ein Blick auf die jüngsten Transfers reicht zur Einschätzung des Chelsea-Kaders. Aus Marseille kam Didier Drogba. Für den torgefährlichsten Stürmer von der Elfenbeinküste hatte Guingamp im Januar 2002 knapp 140 000 Euro nach Le Mans überwiesen. Vor etwas mehr als einem Jahr wechselte der Stürmer zu Marseille, das Drogba jetzt für 37,5 Millionen weitergab.

Von Eindhoven übernahmen die "Blues" Arjen Robben und Mateja Kezman, die Schlüsselfiguren des PSV. Für bessere Qualität der Defensive bürgen die Champions-League-Sieger Paulo Ferreira und Ricardo Carvalho aus Porto sowie der tschechische Keeper Petr Cech von Rennes.

Die Entwicklung an der Stamford Bridge nahm aus der Ferne auch Manchesters Coach Alex Ferguson wahr. Die Figur mit Kultstatus sandte auf medialem Weg mehrere Giftpfeile ab. Mit Geld seien keine Titel zu kaufen, orakelte Sir Alex. Die zynische Antwort Mourhinhos liess nicht auf sich warten: "Er hat also absolut Recht. Mit Geld lassen sich Spieler, aber keine Punkte kaufen. Vor ein paar Monaten haben wir ManU mit Porto in der Champions League mit einem Zehntel des Budgets der Engländer geschlagen."

"Van the Man" zu Saisonbeginn out

Ferguson steht seit 1986, so lange wie keiner in England, in Manchester in der Verantwortung. Sollte der bald 63-jährige Schotte in der Premier League erneut gedemütigt werden (15 Punkte Rückstand auf Arsenal), naht das Ende der einzigartigen Liaison. Ferguson würde sich in diesem Fall gewiss vorwerfen, seinen Vertrag nochmals verlängert zu haben.

Zunächst bleibt abzuwarten, wie die United in der Startphase den verletzungsbedingten Ausfall von Ruud van Nistelrooy verkraftet. Weil auch Louis Saha, der zweite Offensivmann von Weltformat, vorderhand pausieren muss, könnte sich das Engagement des langjährigen Leeds-Stürmers Alan Smith auszahlen.

Diskussionen in Highbury

Beim Titelträger Arsenal drehte sich im Vorfeld des ersten Ballwechsels fast alles um Patrick Vieira. Real Madrid warb wochenlang, letztlich aber vergeblich intensiv um den Franzosen. Die kaum zu ersetzende Mittelfeld-Autorität dachte ernsthaft an eine Veränderung.

Trainer Arsène Wenger kämpfte derweil mit allen Mitteln für einen Verbleib des Spielers, den er vor acht Jahren aus dem Reserveteam der AC Milan auf Highbury lotste: "Real wartete 30 Jahre lang, ehe es im Europacup der Meister wieder gewann. Vielleicht warten jetzt die Spanier weitere 30 Jahre darauf. Name an Name zu reihen und aufs Feld zu stehen, reicht nicht zum Gewinnen. Dazu braucht es mehr."

Im Schatten der Diskussionen um Vieira hat Wenger wieder einmal sein Gespür für Talente mit überdurchschnittlicher Erfolgsaussicht bewiesen. Von Feyenoord übernahm der englische Meister den U21-Internationalen Robin van Persie. Der Sohn eines Künstlers wuchs ohne Mutter im trüben Rotterdamer Arbeitervorort Kralingen auf. Er besitzt die Gabe, einen vorzüglichen letzten Pass zu spielen. Sollte ihn Wenger auf der linken Seite bringen, würde Robert Pires wohl ins zentrale Mittelfeld ausweichen.

Liverpools Altlasten

Hinter dem Trio mit den besten Perspektiven keimen Hoffnungen in Liverpool. Unter dem spanischen Erfolgstrainer Rafael Benitez, der sich mit der Empfehlung des UEFA-Cup-Sieges aus Valencia verabschiedete, wollen Beobachter bei den "Reds" eine attraktivere Spielweise ausgemacht haben.

Es stellt sich die Frage, ob und wie Benitez mit den Altlasten des eher destruktiv einestellten, vorsichtigen Gérard Houllier fertig wird. Auf Hadji Diouf, Salif Diao oder den fehlerhaften Innenverteidiger Igor Biscan setzt der Neue nicht mehr. Überdies zog es Publikumsliebling Michael Owen zu Real Madrid. Dafür tritt jetzt Djibril Cissé (von Auxerre), hinter Thierry Henry der zweitbeste Angreifer Frankreichs, im Liverpooler Shirt auf.

Ob Newcastle in der letzten Saison unter Trainer Bobby Robson (71) in der Lage sein wird, Platz 5 zu übertreffen ist offen. Damit nicht die gesamte Torproduktion von Altmeister Alan Shearer abhängt, haben die "Magpies" den in Barcelona überzähligen Holländer Patrick Kluivert sowie ManU-Edeljoker Nicky Butt vrpflichtet.

Ähnlich gut kauften Middlesborough (u.a. Mendieta, Zenden, Viduka, Floyd Hasselbaink, Reiziger) und Tottenham ein. Kurz vor dem Saisonstart verstärkten sich die "Spurs" mit Basels Thimothée Atouba und einigten sich mit Marokkos Captain Nourredine Naybet von Valencia.

Premier League. 1. Runde. Samstag, 14. August: Aston Villa - Southampton. Blackburn - West Bromwich. Bolton - Charlton. Chelsea - Manchester United. Everton - Arsenal. Manchester City - Fulham. Middlesbrough - Newcastle United. Norwich - Crystal Palace. Portsmouth - Birmingham. Tottenham - Liverpool.

(von Sven Schoch/Si)

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