swissinfo Journalist wird geehrt

publiziert: Donnerstag, 17. Jul 2003 / 17:22 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 17. Jul 2003 / 18:15 Uhr

Wie Internet-Journalisten schreiben sollen und wie Benutzer Onlinetexte lesen, darüber sind sich die Fachleute weiterhin uneinig. An den NetMedia Awards Anfang Juli 2003 wurde ein Radiojournalist von Swiss Radio International (SRI) als bester Internet Journalist ausgezeichnet.

Seit drei Jahren schon hat Swiss Radio International (SRI) mit swissinfo.org ein Nachrichtenangebot im Internet. Der Webauftritt läuft so gut, dass sie sich nach knapp siebzig Jahren endgültig aus dem Äther verabschiedet, um sich ausschliesslich dem Internetauftritt zu widmen.

Offenbar hat die Redaktion die Umstellung vom Radio zum Internet schon hinter sich. Denn an den NetMedia Awards 2003 am 3. Juli in Barcelona wurde Vincent Landon, 36 und seit sechs Jahren bei SRI, als bester Internet Journalist des Jahres ausgezeichnet.

"Ich war etwas überrascht, diese Auszeichnung zu gewinnen." Er habe sich zwar mit viel Selbstbewusstsein sein Internet Dossier The Malaria Business für die Kategorie Wissenschaft eingereicht, doch gleich den begehrtesten Preis abzuräumen, damit habe er nicht gerechnet.

Brisantes Thema

"Das Thema an sich ist natürlich sehr brisant und das war für die Wahl sicherlich wichtig", so erklärt sich Landon seinen Erfolg.

Laut Angaben der Weltgesundheitsbehörde (WHO) sterben täglich 3 000 afrikanische Kinder an Malaria. Oder anders ausgedrückt: Alle 30 Sekunden erliegt ein afrikanisches Kind der Krankheit.

Auch ökonomisch ist Malaria verheerend für den Schwarzen Kontinenten. Jährlich entstehen Kosten von 12 Mrd. US-Dollar. Da wirkt selbst der Betrag von 15 Mrd. US-Dollar, den US-Präsident George Bush bis 2008 Afrika als Unterstützungsgelder versprochen hat, wie ein Klacks.

"Während Krankheiten wie SARS oder Ebola ein riesiges Medienecho finden, redet über Malaria niemand." Für Landon ist dies eine Tragödie: SARS und Ebola haben zusammen weltweit insgesamt dreimal weniger Tote gefordert als Malaria in einem Tag in Afrika.

Online Dossier aufgedrängt

Ursprünglich waren nur kürzere Beiträge für das Online Nachrichtenportal von swissinfo.org geplant. Doch während seinem zehntägigen Aufenthalt in Tansania wurde Landon bewusst, wie umfangreich er das Thema Malaria abdecken konnte und sollte.

Ein Artikel reihte sich an den anderen und die Entwicklung eines Online Dossiers drängte sich geradezu auf. "Malaria ist für die Schweiz mit der ganzen Pharmaindustrie in Basel natürlich auch ganz besonders interessant."

Mit Tansania hat man auf der einen Seite ein Land, das von Malaria weltweit am schlimmsten betroffen ist; auf der anderen Seite hat man die Schweiz mit zwei Pharmariesen, einem Tropen Institut von Weltformat und dem Hauptquartier der Weltgesundheits-Organisation (WHO). Kommt noch hinzu, dass die Stadt Basel und Geigy unzertrennbar mit der Geschichte des Insektizids DDT verbunden sind.

Kompletter Internetauftritt

In seinem Internet Dossier The Malaria Business fand Landon die richtige Mischung aus wissenschaftlicher Korrektheit und einer Sprache, die für den Laien verständlich bleibt: Prägnante Einleitung, dreizehnteilige Artikel-Serie und kurze, informative Video- und Tonband-Sequenzen, die sich auch auf kleinen Standleitungen herunterladen lassen. Die Möglichkeiten des Internetauftrittes also voll ausgeschöpft.

Landon verstand es auch, die Beiträge möglichst übersichtlich zu präsentieren. Die Frontseite figuriert dabei als zentraler Navigationspunkt, um einen weiteren, oft verwirrenden Drilldown zu vermeiden.

Was allerdings in der dreizehnteiligen Artikelserie fehlt, sind Links zurück zur Startseite. Um jeweils zum Ausgangspunkt zu gelangen, muss man die Zurück-Knöpfe des Browsers verwenden.

Ohne das spielerische Element des Webauftrittes zu verlieren, wollte Landon The Malaria Business so sachlich und ruhig wie möglich gestalten. "Ich kann solch blinkenden und unruhigen Internetauftritte nicht ausstehen und ich denke, die meisten Benutzer auch nicht."

Der Erfolg gibt ihm Recht. Er habe in seiner ganzen Karriere als Journalist noch nie so viel Rücklauf auf eine Publikation gehabt.

"Eine Lehrerin in Amerika schrieb mir, sie habe gedacht, die Krankheit sei eigentlich unter Kontrolle. Sie wolle sich dem Thema in Zukunft mit aller Energie widmen und helfen, wo sie nur kann."

Europäischer Wettbewerb

Die Brisanz von Malaria in Afrika zusammen mit der benutzerfreundlichen Aufmachung des Internet Dossiers sind für Landon die Eckpunkte seines Erfolges an den NetMedia Awards.

Ein weiteres Kriterium war sicherlich auch, dass das Dossier kein Produkt eines britischen Verlagshauses oder Medienkonzerns war. Die NetMedia Awards wollen als gesamteuropäischer Wettbewerb verstanden werden und Projekte aus ganz Europa berücksichtigen.

Barcelona als Austragungsort ist ein weiteres Indiz dafür, dass es die Organisatoren damit ernst meinen. Der Wettbewerb und die NetMedia Konferenz wurden erstmals 1999 ins Leben gerufen und fanden bisher immer in London statt.

Sie sollen nun jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt organisiert werden. Für nächstes Jahr ist Budapest im Gespräch und mit Mitgliedern aus 24 Ländern im Jahr 2003 wird auch die Jury von Jahr zu Jahr internationaler.

Bei den NetMedia Awards 2003 wurden insgesamt 1024 Projekte für die 21 verschiedenen Preiskategorien eingehändigt. Eine im Vergleich bescheidene Zahl.

Doch der Wettbewerb und die begleitende Konferenz sind als Ereignis sicherlich zu begrüssen. Nicht nur bieten sie Internet Journalisten ein ausgezeichnetes Podium, um Gedanken und Ideen auszutauschen.

Sie können auch für den Benutzer und Benutzerin eine willkommene Hilfe sein, die Spreu vom Weizen zu trennen, um im grossen Internetsalat zu den wirklich zuverlässigen und professionell aufgearbeiteten Informationen zu gelangen.

(Barnaby Skinner/news.ch)

 
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