Wimbledon
Roger Federers Sturmlauf in die 2. Runde
publiziert: Montag, 25. Jun 2012 / 18:37 Uhr / aktualisiert: Montag, 25. Jun 2012 / 23:24 Uhr
Roger Federer dominierte das Match. (Archivbild)
Roger Federer dominierte das Match. (Archivbild)

Für Roger Federer begann das Wimbledon-Turnier optimal. Der bald 31-jährige Basler startete die Jagd auf den Titel-Rekord von William Renshaw und Pete Sampras (je 7 Siege in Wimbledon) mit einem 6:1, 6:1, 6:1 über den Spanier Albert Ramos (ATP 43).

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Roger FedererRoger Federer
Roger Federer mochte seinen Sturmlauf in die 2. Runde nicht überbewerten, denn "schliesslich ist Ramos auf Rasen kein erfahrener Spieler, und genau das habe ich ausgenützt". Tatsächlich verzichtete der 24-jährige Spanier vor einem Jahr noch komplett auf die Rasenplatz-Saison und bestritt stattdessen drei Challenger-Turniere auf Sand. In Wimbledon trat Ramos zum ersten Mal an. Entsprechend hilflos und völlig überfordert wirkte er gegen Federer. Ramos brachte nur zwei seiner zehn Aufschlagspiele durch - und auch die nur mit grösster Mühe. Dass ihm gegen Federer nach einer Viertelstunde ein Aufschlagdurchbruch gelang (zum 1:4 im ersten Satz), war auf die einzige kleine Konzentrationslücke des Schweizers zurückzuführen.

"Insgesamt habe ich sicher vom Anfang bis zum Schluss gut gespielt", kommentierte Federer seinen Turniereinstieg, der erstmals seit seinem ersten Wimbledonsieg nicht auf dem Centre Court über die Bühne ging. Federers Auftritt auf dem Court Nr. 1 dauerte bloss 79 Minuten. Die Nummer 3 der Welt mit grossen Ambitionen nach oben siegte im Energiesparmodus, was ihm beim letzten Grand-Slam-Turnier vor einem Monat in Roland-Garros nie gelungen war. Federer: "Ich habe mich darauf konzentriert, so viele Breaks wie möglich zu schaffen und die eigenen Aufschlagspiele zu gewinnen. Diese Rechnung ging perfekt auf."

Federers Highway

Und so resultierte für Federer ein veritabler Kantersieg. Noch nie hat er an einem Major-Turnier ein Einzel noch klarer gewonnen als gegen Ramos. Andererseits gab es schon diverse ähnlich deutliche Siege. Am Australian Open 2009 wurde in den Viertelfinals Juan Martin Del Potro 6:3, 6:0, 6:0 besiegt. Am US Open 2011 kassierte Juan Monaco in den Achtelfinals mit 1:6, 2:6, 0:6 ebenfalls eine Abfuhr von Federer. Und in der nächsten Runde wartet mit dem Italiener Fabio Fognini (ATP 68) ein Gegner auf Federer, der vor fünf Jahren die bislang einzige Direktbegegnung mit 1:6, 1:6 verlor. Federer: "Aber man darf Fognini nicht unterschätzen. Er kann mit der Vorhand und der Rückhand Druck machen. Andererseits ist mir klar, dass der Ausgang der Partie vor allem in meinen Händen liegt. Wenn ich gut spiele, sollte ich gewinnen können."

Diese Einschätzung Federers dürfte nicht nur für die nächste Partie gelten. Sein Parcours bis in die Halbfinals scheint über eine sechsspurige Autobahn, einen Highway zu führen. Mit John Isner (ATP 11) verlor am ersten Tag bereits der vermeintlich gefährlichste Widersacher in Federers Sektion. Isner scheiterte mit 4:6, 7:6 (9:7), 6:3, 6:7 (7:9), 5:7 an Alejandro Falla, gegen den auch Federer schon in Wimbledon mal zwei Sätze in einem Erstrundenspiel verloren hat. In den nächsten vier Runden kann Federer auf maximal zwei Top-30-Gegner treffen: im Achtelfinal auf den nicht gerade Rasen-erprobten Gilles Simon (ATP 13) und im Viertelfinal auf Janko Tipsarevic (ATP 8).

Berdych schon ausgeschieden

Aber nicht nur für Roger Federer lief am ersten Tag alles nach Wunsch. Titelhalter Novak Djokovic geriet gegen die ehemalige Weltnummer 1 Juan Carlos Ferrero zwar 1:3 in Rückstand, setzte sich aber mit 6:3, 6:3, 6:1 durch. Danach durfte der Serbe miterleben, wie Tomas Berdych, der Wimbledonfinalist von 2010 und vermeintlich gefährlichste Gegner Djokovics bis zum Viertelfinal, mit 6:7 (5:7), 6:7 (4:7), 6:7 (4:7) dem Letten Ernests Gulbis unterlag.

Kampfansage von Venus W.

Es ereigneten sich viele Überraschungen beim Wimbledon-Auftakt, eine sogar bei den Frauen. Venus Williams (32), die fünfmalige Turniersiegerin (2000, 2001, 2005, 2007, 2008), verlor in 75 Minuten mit 1:6, 3:6 gegen Jelena Wesnina (WTA 79) aus Russland. Venus Williams verlor zum ersten Mal seit 15 Jahren in Wimbledon in der 1. Runde. Venus, bei der vor einem knappen Jahr eine Autoimmunkrankheit (Sjögren-Syndrom) diagnostiziert worden ist, versucht positiv und zuversichtlich zu bleiben. Venus Williams: "Soll ich den Bettel hinschmeissen, nur weil ich die letzten sechs Turniere unter den Erwartungen blieb? Diese Art zu denken liegt mir nicht. Ich bin eine Kämpferin. Ich mag solche Herausforderungen, denn die machen mich stärker."

Viele wären nach Problemen, wie sie sie im letzten Jahr gehabt habe, nie mehr zurückgekommen, meinte Venus Williams. "Aber ich kämpfe und trainiere für eine positive Zukunft. Ich will bei den Olympischen Spielen gut abschneiden. Deshalb bin ich möglicherweise etwas gar früh auf die Tour zurückgekehrt. Aber ich gehe davon aus, dass ich auch im nächsten Jahr in Wimbledon noch mit von der Partie sein werde." Schon vor einem Monat am French Open war Venus Williams bereits in der 2. Runde gescheitert.

Nalbandians Ärger mit Linienrichtern

Nur rund zehn Kilometer entfernt vom Queen's Club, wo er acht Tage vorher nach einem Fehltritt gegen einen Linienrichterstuhl disqualifiziert worden war, wurde David Nalbandian von der jüngeren Vergangenheit eingeholt. Weil ihm nach der Disqualifikation in Queen's keine Weltranglistenpunkte gutgeschrieben worden waren, wurde er in Wimbledon nicht gesetzt. Weil er nicht gesetzt worden war, traf er schon in der 1. Runde auf Janko Tipsarevic, die Nummer 8 der Welt. Und weil er sich gegenüber den englischen Linienrichtern gegenüber in Queen's nicht gerade nett verhalten hatte, zahlten ihm diese ihren Unmut auf ihre Art zurück. David Nalbandian unterlag Tipsarevic in drei Sätzen und monierte hinterher, noch nie in seiner Karriere derart viele knappe Entscheide gegen ihn erlebt zu haben - "und keine bei 15:0 oder 15:15, sondern alle in wichtigsten Momenten wie Break- oder Satzbällen."

Resultate:
Wimbledon. All England Championships (23,90 Mio Franken/Rasen). 1. Runde. Männer. Roger Federer (Sz/3) s. Albert Ramos (Sp) 6:1, 6:1, 6:1. Novak Djokovic (Ser/1) s. Juan Carlos Ferrero (Sp) 6:3, 6:3, 6:1. Ernests Gulbis (Lett) s. Tomas Berdych (Tsch/6) 7:6 (7:5), 7:6 (7:4),7:6 (7:4). Janko Tipsarevic (Ser/8) s. David Nalbandian (Arg) 6:4, 7:6 (7:4), 6:2. Alejandro Falla (Kol) s. John Isner (USA/11) 6:4, 6:7 (7:9), 3:6, 7:6 (9:7),7:5. Gilles Simon (Fr/13) s. Paul-Henri Mathieu (Fr) 6:3, 5:4 w.o. Juan Monaco (Arg/15) s.Leonardo Mayer (Arg) 6:4, 7:6 (7:5), 7:6 (7:5). Fernando Verdasco (Sp/17) s. Jimmy Wang (Taiwan) 7:6(7:3),6:4,7:5. Richard Gasquet (Fr/18) s. Tobias Kamke (De) 6:2, 6:2, 6:2. Denis Istomin (Usb) s. Andreas Seppi (It/23) 6:7 (2:7), 6:4, 3:6, 6:3, 8:6. Viktor Troicki (Ser) s. Marcel Granollers (Sp/24) 7:5, 7:6 (7:5), 3:6, 2:6, 8:6. Michail Juschni (Russ/26) s. Donald Young (USA) 4:6, 6:3, 6:2, 6:3. Radek Stepanek (Tsch/28) s. Sergej Stachowski (Ukr) 6:1, 1:0 w.o. Julien Benneteau (Fr/29) s. Gilles Muller (Lux) 6:2, 7:5, 7:6 (7:4). Florian Mayer (De/31) s. Dimitri Tursunow (Russ) 7:6 (7:3), 6:2, 6:3. Fabio Fognini (It) s. Michael Llodra (Fr) 3:6, 6:3, 6:4, 7:5. Benjamin Becker (De) s. James Blake (USA) 6:7 (5:7), 7:5, 6:0, 6:4. Martin Klizan (Slk) s. Juan Ignacio Chela (Arg) 7:5, 3:6, 7:6 (8:6),1:6,11:9. Michael Russell (USA) s. Adrian Menendez-MacEiras (Sp) 6:3,6:1, 7:6 (9:7). Ryan Sweeting (USA) s. Potito Starace (It) 6:2, 2:0 w.o. Grega Zemlja (Sln) s. Josh Goodall (Gb) 6:4,3:6, 7:6 (7:3), 6:4. Ryan Harrison (USA) s.Yen-Hsun Lu (Taiwan) 4:6, 6:3, 6:4, 6:2. Xavier Malisse (Be) s. Marinko Matosevic (Au) 6:2, 6:2,7:5. Ruben Bemelmans (Be) s. Carlos Berlocq (Arg) 7:5, 6:7 (4:7), 6:3, 7:6 (7:2). Jérémy Chardy (Fr) s.Filippo Volandri (It) 6:0,6:1,1:0 w.o. Philipp Petzschner (De) s. Blaz Kavcic (Sln) 6:4, 6:4, 6:2. Inigo Cervantes (Sp) s. Flavio Cipolla (It) 2:6, 6:7 (4:7), 6:3, 6:2, 6:1. Igor Andrejew (Russ) s. Oliver Golding (Gb) 1:6, 7:6 (7:4), 7:6 (9:7),7:5. Jerzy Janowicz (Pol) s. Simone Bolelli (It) 3:6, 6:3, 6:3, 6:3.

Frauen: Maria Scharapowa (Russ/1) s. Anastasia Rodionova (Au) 6:2, 6:3. Agnieszka Radwanska (Pol/3) s. Magdalena Rybarikova (Slk) 6:3, 6:3. Samantha Stosur (Au/5) s. Carla Suarez Navarro(Sp) 6:1, 6:3. Angélique Kerber (De/8) s. Lucie Hradecka (Tsch) 6:4, 6:1. Li Na (China/11) s. Xenia Perwak (Kas) 6:3, 6:1. Sabine Lisicki (De/15) s. Petra Martic (Kro) 6:4, 6:2. Camilla Giorgi (It) s. Flavia Pennetta (It/16) 6:4, 6:3. Maria Kirilenko (Russ/17) s. Alexandra Cadantu (Rum) 6:3, 6:1. Kim Clijsters (Be) s. Jelena Jankovic (Ser/18) 6:2, 6:4. Nadia Petrowa (Russ/20) s. Maria Elena Camerin (It) 6:0, 6:2. Petra Cetkovska (Tsch/23) s. Vania King (USA) 6:4, 6:2. Jamie Lee Hampton (USA) s. Daniela Hantuchova (Slk/27) 6:4,7:6 (7:1). Stéphanie Foretz Gacon (Fr) s. Monica Niculescu (Rum/29) 6:4, 3:6, 6:3. Peng Shuai (China/30) s. Sandra Zaniewska (Pol) 6:2, 6:7 (3:7), 6:3. Jelena Wesnina (Russ) s. Venus Williams (USA) 6:1, 6:3. Sorana Cirstea (Rum) s. Pauline Parmentier (Fr) 6:4, 6:1. Ayumi Morita (Jap) s. Jarmila Gajdosova (Au) 6:4, 6:3. Anna Tatischwili (Geo) s. Tamarine Tanasugarn (Thai) 6:4, 6:2. Tsvetana Pironkova (Bul) s.Vesna Dolonc (Ser) 5:7, 6:0, 7:5. Bojana Jovanovski (Ser) s. Eleni Daniilidou (Grie) 5:7, 6:3, 2:0 w.o. Andrea Hlavackova (Tsch) s. Kai-Chen Chang (Taiwan) 6:1, 6:2. Su-Wei Hsieh (Taiwan) s. Virginie Razzano (Fr) 6:2, 6:4. Arantxa Rus (Ho)s. Misaki Doi (Jap) 7:5, 6:3. Sloane Stephens (USA) s. Karolina Pliskova (Tsch) 6:2, 6:2. Timea Babos (Un) s. Melanie Oudin (USA) 6:4, 4:6, 6:3. Jekaterina Makarowa (Russ) s. Alberta Brianti (It) 6:2, 3:6, 6:3. Lourdes Dominguez Lino (Sp) s. Naomi Broady (Gb) 6:4, 7:6 (7:4). Heather Watson (Gb) s. Iveta Benesova (Tsch) 6:2, 6:1.

(fest/Si)

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