Senioren im Netz: Keine E-Mails an Unbekannte
publiziert: Montag, 19. Apr 2010 / 19:41 Uhr

Barcelona - Senioren sind ohne Internet aufgewachsen, nutzen aber immer öfter seine Vorzüge wie etwa E-Mail. Wie sie dabei vorgehen, ist noch wenig bekannt. Spanische Forscher haben drei Jahre lang 400 Menschen zwischen 64 und 80 Jahren in Sachen Umgang mit dem Internet beobachtet, um diese Wissenslücke zu schliessen.

40 Prozent der Altersgruppe «65 Plus» nutzen das Internet.
40 Prozent der Altersgruppe «65 Plus» nutzen das Internet.
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Spanische Forscher haben drei Jahre lang 400 Menschen zwischen 64 und 80 Jahren in Sachen Umgang mit dem Internet beobachtet, um diese Wissenslücke zu schliessen. Im «International Journal of Human-Computer Studies» berichten sie, worauf diese Generation im Internet Wert legt. Der Versand von E-Mails zeigte sich auch bei ihnen als die am meisten genutzte Anwendung.

Neue Kontakte lieber durch Tanzen

Andere Studien zeigen, dass erst 40 Prozent der Altersgruppe «65 Plus» das Internet nützen. Der Nutzergruppe mangle es jedoch kaum an Motivation, so die Forscher, auch wenn es für sie ungleich mühsamer als für Jüngere sei, den Umgang mit den nötigen Programmen zu erlernen. «Das Internet wird unter Senioren immer mehr als wichtiges Werkzeug gesehen, um Teil der heutigen Gesellschaft zu bleiben. Zudem wirkt es der sozialen Isolation entgegen, der alte Menschen oft ausgesetzt sind», berichtet Studienleiter Sergio Sayago.

Interessante Ergebnisse liefert die Beobachtung, an wen Senioren E-Mails schreiben. «Der Kreis der Kontaktpersonen ist begrenzt. Das sind einerseits die Verwandten, mit denen sie einige wenige E-Mails pro Monat austauschen. Diese sind meist detailliert und sehr emotional. Die zweite Gruppe sind nahe Freunde», so Sayago. Mit diesen sei der Austausch häufiger und thematisiere meist Vorkommnisse des Alltags. Unbekannte werden allerdings nicht angeschrieben. «Um Leute kennenzulernen, nutzen Senioren andere Strategien wie etwa den Besuch von Tagesheimstätten, wo man Tanzen kann», so der Forscher.

Ohne Hilfe auskommen ist wichtig

Bisher gibt es bei mehreren Anbietern Prototypen von E-Mail-Systemen für Senioren. Das «SeniorMail» etwa ist eine Outlook-Express-Version für Ältere, ebenso simuliert auch «Simple Mail» ein Emailsystem mit einer Fünf-Funktionen-Benutzeroberfläche. Da die Systeme kaum im realen Leben erprobt wurden, wollten die Forscher nun überprüfen, wie deren wesentliche Elemente - etwa vergrösserte Buttons - bei Senioren ankommen. Die Ergebnisse sollen in die Entwicklung eines neuen Systems einfliessen, das mehr auf Intuition ausgerichtet ist und den Zugang erleichtert.

Viel wichtiger als grosse Elemente auf der Benutzeroberfläche sehen die Experten die Vereinfachung des E-Mail-Versands. Senioren müssten sich leicht an die einzelnen Arbeitsschritte erinnern können. «Das erklärt sich dadurch, da alte Menschen vor allem auf Unabhängigkeit bestehen. Sie wollen nicht von jemand anderem abhängen, den sie zum E-Mail-Versand brauchen und wollen dieselben Mechanismen benützen wie alle anderen», erklärt Sayago.

Für die Studie nutzten die Forscher die teilnehmende Beobachtung, die eine Methode der Ethnologie darstellt. Sie selbst gaben dazu in Sozialzentren Barcelonas Internet-Kurse für Senioren und Migranten, beobachteten die Mediennutzung der Kursbesucher und kamen in Einzel- und Gruppeninterviews sowie informellen Gesprächen zu ihrer Information.

(fest/pte)

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