Rechtsextremer in BBC-Show löst Sturm der Entrüstung aus
publiziert: Freitag, 23. Okt 2009 / 10:50 Uhr

London - Der britische Sender BBC hat mit der Einladung eines rechtsextremen Politikers in seine wichtigste Talkshow einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Hunderte Menschen protestierten in London gegen den geplanten Auftritt des Chefs der British National Party (BNP).

Der Chef der British National Party Nick Griffin war 1998 wegen Rassenhasses zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
Der Chef der British National Party Nick Griffin war 1998 wegen Rassenhasses zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.
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Dabei kam es auch zu Zusammenstössen mit der Polizei. Bis zu 30 Demonstranten stürmten das BBC-Gebäude in West-London, um Nick Griffins Auftritt zu verhindern. Die Polizei war mit dutzenden Beamten im Einsatz. Die Protestierenden zündeten auch Rauchbomben.

Drei Polizisten wurden verletzt, einer musste wegen Kopfverletzungen behandelt werden. Die Protestierenden zündeten auch Rauchbomben. Es gab drei Festnahmen. Die Aufzeichnung der Sendung konnte dann dennoch mit Verspätung beginnen.

Zahlreiche Politiker und Aktivisten forderten die renommierte öffentlich-rechtliche Anstalt auf, den Rechtsextremisten wieder aus der Sendung «Question Time» auszuladen. Die Nationalistenpartei nimmt laut Satzung nur weisse Mitglieder auf.

Keine Unterstützung für rassistische Parteien

Sie hatte bei den Europawahlen im Juni zwei Sitze im Strassburger Parlament gewonnen, Griffin ist damit gewählter Europaabgeordneter. Kabinettsminister Peter Hain kritisierte: «Wenn man sie (rassistische Parteien) genauso wie andere behandelt, dann gewinnen sie an Boden. Wir haben das in Nazi-Deutschland gesehen.»

Griffin war 1998 wegen Rassenhasses zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und immer wieder in Zusammenhang mit der Leugnung des Holocaust gebracht worden. BBC-Intendant Mark Thompson verteidigte die Einladung. Er berief sich auf das «Prinzip der Unabhängigkeit».

Keine Zensur

Die BBC wolle «die gesamte Bandbreite der politischen Perspektiven anhören». Eine Zensur könnte nur die Regierung nicht aber der Sender verhängen. Premier Gordon Brown wies dies jedoch zurück. Es sei Sache der BBC, in die er sich nicht einmischen wolle. Der Auftritt könne die «schreckliche Politik» der BNP blossstellen.

An der Diskussionsrunde nimmt auch Justizminister Jack Straw teil. Die Sendung sollte aufgezeichnet und um 22.35 Uhr Ortszeit (23.35 MESZ) ausgestrahlt werden.

(sl/sda)

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