Topbesetzung beim letzten Akt im Letzigrund
publiziert: Donnerstag, 17. Aug 2006 / 08:32 Uhr

Auch in diesem Jahr wird «Weltklasse Zürich» seinem Namen mehr als gerecht. Das vierte von sechs Golden-League-Meetings nimmt Abschied vom alten Letzigrund.

Shaheen Saif Saeed hat den Weltrekord im Visier.
Shaheen Saif Saeed hat den Weltrekord im Visier.
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Dem Anlass entsprechend könnte die Besetzung kaum besser sein. In 18 der 19 Disziplinen sind die Jahresbesten am Start.

Insgesamt stehen 15 Olympiasieger, 14 Weltmeister von Helsinki 2005 sowie 18 in der vergangenen Woche in Göteborg gekürte Europameister in den Teilnehmerlisten. Die Affiche des Meetings lautet denn auch «Europameister gegen den Rest der Welt».

Zahlreiche spannende Wettkämpfe sind garantiert. Zum ersehnten Duell der Sprinter Asafa Powell (Jam) und Justin Gatlin (USA), die mit 9,77 Sekunden gemeinsam den Weltrekord inne haben, wird es allerdings nicht kommen.

Olympiasieger und Weltmeister Gatlin blieb Ende April in einer Dopingprobe (Testosteron) hängen und dürfte als Wiederholungstäter lebenslang gesperrt werden.

Dennoch kündigt sich das 100-m-Rennen als einer der Höhepunkte des Abends an, denn Powell ist bei guten Bedingungen immer für eine Weltbestleistung gut. Zudem erhält er mit dem portugiesischen Doppel-Europameister Francis Obikwelu einen formstarken Herausforderer.

Abschiedsgeschenk im Steeple?

Der heisseste Weltrekord-Kandidat ist allerdings der Katari Saif Saaeed Shaheen über 3000 m Steeple. Der gebürtige Kenianer, der früher Stephen Cherono hiess, macht kein Hehl daraus, dass er die selber gehaltene Marke von 7:53,63 unterbieten will.

Umso mehr, als Zürich sein Lieblings-Meeting ist und er dem Veranstalter damit ein schönes Abschiedsgeschenk machen könnte. Bislang gab es 23 Weltrekorde im Letzigrund. Die letzten (regulären) liegen allerdings schon neun Jahre zurück; die 3000-m-Steeple-Bestmarke von Brahim Boulami (Mar) am 16. August 2002 wurde nach positivem Dopingbefund (EPO) nicht anerkannt.

«Es ist mein Traum, den Rekord zu brechen. Ich habe 7:48 in meinem Kopf», sagte Shaheen. Darauf angesprochen, dass dies ganz schön schnell sei, entgegnete er: Wenn es die Tempomacher schaffen würden, die ersten 2000 m in 5:15 anzugehen, dann seien die 7:48 möglich.

Der Weltmeister hat in diesem Jahr erst ein Rennen über 3000 m Steeple bestritten, wobei er Anfang Juli in Athen mit der Jahresweltbestleistung von 7:56,32 die sechstbeste je erzielte Zeit auf dieser Strecke realisierte.

«Ich muss nicht überall hin»

Danach lief der 23-jährige Shaheen noch über 5000 m in Rom, wo er sich dem äthiopischen Weltrekordhalter Kenenisa Bekele nur knapp geschlagen musste. «Ich muss nicht überall hin», begründete er die wenigen Starts. Die Form holte er sich unter anderem während zweier Wochen in St. Moritz, wohin er auch nach Zürich wieder gehen will. Zuletzt trainierte er in der kenianischen Hauptstadt Nairobi.

Neben der Jagd nach Bestzeiten steht der Kampf um den Jackpot, der heuer zweigeteilt ist, im Mittelpunkt des Interesses. Die Sieger von fünf Golden-League-Meetings partizipieren an 500 000 Dollar. Wer gar in sämtlichen sechs Veranstaltungen der höchsten Kategorie gewinnt, bekommt einen Teil von weiteren 500 000 Dollar.

Mit Powell, Jeremy Wariner (USA/400 m), Sanya Richards (USA/400 m) und Doppelweltmeisterin Tirunesh Dibaba (Äth/5000 m) können sich noch vier Athleten Hoffnungen auf den gesamten Jackpot machen.

Während die beiden Männer wohl kaum zu bezwingen sind, treffen Richards mit Olympiasiegerin und Weltmeisterin Tonique Williams-Darling (Bah) sowie Dibaba mit Olympiasiegerin und Weltrekordhalterin Meseret Defar (Äth) auf harte Konkurentinnen.

Emotionale Reise durch die Vergangenheit

Das 56. Meeting «Weltklasse Zürich» ist der letzte Akt in der Geschichte des altehrwürdigen Letzigrunds. Deshalb gibt es nach den Wettkämpfen eine emotionale Reise durch die traditionsreiche Vergangenheit, wobei zahlreiche Stars, die das Meeting zu dem gemacht haben, was es heute ist, zugegen sein werden.

Unter anderen werden Armin Hary, Wilson Kipketer, Hicham El Guerrouj, Greg Foster und Heike Drechsler erwartet. Auch die Schweizer Prominenz wie Werner Günthör, Markus Ryffel, Meta Mathys-Antenen oder Cornelia Bürki ist vor Ort.

Am kommenden Montagabend findet dann eine weitere kleine Abschiedsfeier («Auf Wiedersehen Letzigrund») statt, ehe die Abbrucharbeiten beginnen. Der Neubau soll Anfang September 2007 eröffnet werden, damit das traditionsreiche Meeting im nächsten Jahr am 7. September an gleicher Stätte über die Bühne gehen kann.

Meisterwerk der Logistik

Dass «Weltklasse Zürich» in diesem Jahr überhaupt nochmals im Letzigrund durchgeführt wird, ist ein logistisches Meisterwerk; bereits seit vergangenem November wird rund um das Stadion fleissig gebaut.

Die Rohbauarbeiten der Haupttribüne sind schon weit fortgeschritten. Deshalb wurde der Aufwärmplatz in den benachbarten Utogrund verlegt, wo YF Juventus in der Challenge League spielt. Und für die Zuschauer stellte man provisorische Zugänge auf.

«Es ist ausserordentlich, was gemacht wurde, um die Veranstaltung durchzuführen», erklärte der abtretende Meeting-Präsident Hansjörg Wirz. Er gab aber auch zu, dass das bisherige Stadion die Organisatoren daran gehindert hätte, auf allen Ebenen die bestmögliche Qualität zu erreichen; in der neuen Arena ergeben sich ab 2007 bessere Möglichkeiten.

Für die Zukunft von «Weltklasse Zürich» ist auch insofern gesorgt, als der frühere Meetingdirektor Res Brügger am Mittwoch den Vertrag mit Hauptsponsor UBS um vier Jahre verlängern konnte.

Zeitplan von Weltklasse Zürich 2006
Ab 17.45 Uhr: Schüler/Junioren. -- 18.20 Uhr: 800 m U23 Frauen. -- 18.30 Uhr: Diskus Männer. 18.30 Uhr: 1500 m U23 Männer. -- 18.40 Uhr: 200 m U23 Männer. -- 18.50 Uhr: 400 m Hürden Männer (B-Serie). -- 19.00 Uhr: 100 m Frauen (B-Serie). -- 19.10 Uhr: Athletenpräsentation. -- 19.25 Uhr: Weit Männer. -- 19.30: 1500 m Rollstuhl. -- 19.30 Uhr: Hoch Frauen. -- 19.40 Uhr: 110 m Hürden Männer (B-Serie). -- 19.40 Uhr: Stab Männer. -- 19.45 Uhr: 800 m Männer (B-Serie). -- 19.50 Uhr: 100 m Männer (B-Serie). -- 20.05 Uhr: 800 m Frauen. -- 20.15 Uhr: 110 m Hürden Männer. -- 20.20 Uhr: 5000 m Frauen. -- 20.25 Uhr: Speer Männer. -- 20.40 Uhr: 400 m Hürden Männer. -- 20.50 Uhr: 100 m Männer. -- 21.00 Uhr: Drei Männer. -- 21.00 Uhr: 3000 m Steeple Männer. -- 21.15 Uhr: 100 m Hürden Frauen. -- 21.25 Uhr: 1500 m Männer. -- 21.35 Uhr: 400 m Frauen. -- 21.45 Uhr: 800 m Männer. -- 21.55 Uhr: 100 m Frauen. -- 22.00 Uhr: 5000 m Männer. -- 22.20 Uhr: 400 m Männer. -- 22.25 Uhr: Präsentation der Sieger. -- 22.30 Uhr: Abschlussfeier Stadion Letzigrund.

Preisgelder

Disziplinen
Golden-League-Disziplinen. Männer (6): 100 m, 400 m, 1500 m, 3000m/5000 m, Weit, Speer. -- Frauen (5): 100 m, 400 m, 3000m/5000 m, 100 m Hürden, Hoch.
Die Golden-League-Disziplinen sind in zwei Kategorien unterteilt. Premium Events (6). Männer: 100 m, 400 m, 1500 m, 3000/5000 m. Frauen: 100 m, 3000/5000 m. -- Classic Events (5). Männer: Weit, Speer. Frauen: 400 m, 100 m Hürden, Hoch.

Preisgelder
Rang Premium Events Classic Events
1. 16 000 Dollar 8000 Dollar 2. 12 000 6000 3. 9000 4500 4. 6000 3000 5. 4000 2000 6. 3000 1000 7. 2000 800 8. 1000 600
Für einen Weltrekord werden zusätzlich 50 000 Dollar plus 1 kg Gold ausbezahlt. -- Weitere Prämien: Stadion-Rekord (15 000 Franken), Kontinental-Rekord (5000), Jahresweltbestleistung (7500).

Jackpot
Der Jackpot beträgt weiterhin eine Million Dollar. Allerdings gibt es eine neue Verteilung mit zwei Hälften. Die Sieger von fünf Golden-League-Meetings partizipieren an 500 000 Dollar. Die Gewinner von sämtlichen sechs Veranstaltungen (Oslo, Paris, Rom, Zürich, Brüssel, Berlin) teilen sich weitere 500 000 Dollar. Zudem ist die Teilnahme am World-Athletics-Final in Stuttgart erforderlich.
Chancen auf sechs Siege haben noch: Männer (2): Asafa Powell (Jam/100 m), Jeremy Wariner (USA/400 m). -- Frauen (2): Sanya Richards (USA/400 m), Tirunesh Dibaba (Äth/3000/5000 m).
Chancen auf fünf Siege: Männer (3): Kenenisa Bekele (Äth/3000/5000 m), Irving Saladino (Pan/Weit), Andreas Thorkildsen (Speer). -- Frauen (2): Susanna Kallur (Sd/100 m Hürden), Blanka Vlasic (Kro/Hoch).

Die 23 im Zürcher Letzigrund aufgestellten Weltrekorde
07.7.1959 Martin Lauer (De) 110 m Hürden 13,2 07.7.1959 Martin Lauer (De) 200 m Hürden 22,5 21.6.1960 Armin Hary (De) 100 m 10,0 04.7.1969 Willie Davenport (USA) 110 m Hürden 13,2 06.7.1973 Rod Milburn (USA) 110 m Hürden 13,1 20.8.1975 Faina Melnik (SU) Diskus 70,20 15.8.1979 Sebastian Coe (Gb) 1500 m 3:32,03 13.8.1980 Tatjana Kasankina (SU) 1500 m 3:52,47 19.8.1981 Sebastian Coe (Gb) 1 Meile 3:48,53 19.8.1981 Renaldo Nehemiah (USA) 110 m Hürden 12,93 22.8.1984 Evelyn Ashford (USA) 100 m 10,76 21.8.1985 Mary Slaney-Decker (USA) 1 Meile 4:16,71 17.8.1988 Butch Reynolds (USA) 400 m 43,29 17.8.1988 Carl Lewis (USA) 100 m 9,93 * 16.8.1989 Roger Kingdom (USA) 110 m Hürden 12,92 07.8.1991 USA (Marsh/Burrell/Mitchell/Lewis) 4x100 m 37,67 19.8.1992 Moses Kiptanui (Ken) 3000 m Steeple 8:02,08 16.8.1995 Moses Kiptanui (Ken) 3000 m Steeple 7:59,18 16.8.1995 Haile Gebrselassie (Äth) 5000 m 12:44,39 14.8.1996 Swetlana Masterkowa (Russ) 1 Meile 4:12,56 13.8.1997 Wilson Boit Kipketer (Ken) 3000 m Steeple 7:59,08 13.8.1997 Wilson Kipketer (Dä) 800 m 1:41,24 13.8.1997 Haile Gebrselassie (Äth) 5000 m 12:41,86
* = Carl Lewis' 9,93 Sekunden von 1988 galten auf Grund der nachträglichen Streichung des Weltrekords von Ben Johnson (9,83) als Egalisierung der Bestmarke.
Der 3000-m-Steeple-Weltrekord von Brahim Boulami (Mar) am 16. August 2002 wurde nach positivem Dopingbefund (EPO) nicht anerkannt.

Die Schweizer Sieger seit 1960
1962 Peter Laeng 400 m 45,7 1969 Philippe Clerc 200 m 20,3 1970 Urs von Wartburg Speer 81,34 1976 Rolf Bernhard Weit 7,99 1977 Cornelia Bürki 1500 m 4:12,14 1978 Schweiz 4x100 m 39,57 1985 Pierre Délèze 1500 m 3:31,75 1986 Werner Günthör Kugel 21,60 1987 Werner Günthör Kugel 22,25 Sandra Gasser 1500 m 4:03,08 1989 Werner Günthör Kugel 21,83 1990 Anita Protti 400 m Hü 54,70 1991 Werner Günthör Kugel 20,99 1992 Werner Günthör Kugel 20,55 1993 Werner Günthör Kugel 21,49 2000 André Bucher 800 m 1:43,72 2001 André Bucher 800 m 1:42,55

(von Sascha Fey, Zürich/Si)

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