Fehlende Narkosen kritisiert
Zoo-Nashörner zu oft mit Antibiotika behandelt
publiziert: Mittwoch, 24. Feb 2016 / 12:03 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 24. Feb 2016 / 12:33 Uhr

Wien - Nashörner werden häufig ohne ausreichende Diagnose mit Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Erkrankungen werden so oft übersehen.

Nashörner leiden oft unter Haut- und Verdauungserkrankungen.
Nashörner leiden oft unter Haut- und Verdauungserkrankungen.
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Zu diesem Schluss kommen Wildtierexperten der Vetmeduni Vienna in einer europaweiten Online-Umfrage in Zoos. Von 70 angefragten Zoos nahmen 45 an der Umfrage teil. Ein Zoo aus Israel beteiligte sich auch an der Befragung. Die erhobenen Daten basieren auf insgesamt 159 Nashörnern.

Oft nur oberflächlich untersucht

«Wir wollten herausfinden, welche Probleme es in europäischen Zoos gibt und was verbessert werden könnte. Mit Ausnahme des Reproduktionstraktes ist aus der wissenschaftlichen Literatur bislang nur wenig zur Gesundheit dieser Nashörner in Gefangenschaft bekannt. Auch das Management in den unterschiedlichen Zoos ist sehr verschieden», erklärt Annika Posautz, Erstautorin der Studie, die im «Journal of Zoo and Aquarium Research» veröffentlicht wurde.

Laut der Umfrage leiden die Tiere vor allem unter Erkrankungen der Haut, der Verdauungs- sowie der Fortpflanzungsorgane. Bei den Hauterkrankungen handelt es sich häufig um Kampfwunden, die sich die Tiere untereinander zufügen. Darm- und Magenentzündungen zählten zu den häufigsten Erkrankungen des Verdauungstraktes der Breitmaulnashörner. «In vielen Fällen werden die Tiere nur oberflächlich untersucht. Die tatsächlichen Ursachen der Erkrankungen können deshalb selten gefunden werden», erläutert Wildtierexpertin Posautz.

Verabreichung ohne klare Diagnose

Laut den Wiener Fachleuten sind viele Zootierärzte immer noch zu zögerlich, die Nashörner für eine ausführliche Untersuchung und Therapie zu narkotisieren. Denn für viele Tierärzte ist eine Wildtiernarkose mit grossem Aufwand und einem vermeintlich hohen Risiko verbunden. Beonders alarmierend: Viele Tiere wurden über mehrere Monate hiniweg Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamente verabreicht - in vielen Fällen ohne exakte Diagnose.

«Solche Medikamente sind für kurzzeitige Behandlungsmassnahmen gut geeignet. Eine dauerhafte Gabe ohne fundierte Diagnose ist in unseren Augen gefährlich für die Tiere», betont Posautz. «Tatsächliche Erkrankungen, an denen das Tier leidet, bleiben so versteckt.» Die Empfehlung: «Regelmässige Untersuchungen, wie beispielsweise parasitologische Screens und Blutuntersuchungen, könnten viele Erkrankungen im Vorfeld verhindern. Auch medizinische Trainings-Programme und der Einsatz von Narkosen für rechtzeitige und ausführliche Untersuchungen und Therapien müssen in Betracht gezogen werden.»

(bg/pte)

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