GP Europa : Grosser Tag für Schumi II
publiziert: Sonntag, 29. Jun 2003 / 18:15 Uhr

Am Tag vor seinem 28. Geburtstag hat Ralf Schumacher auf dem nur 80 km von seinem Heimatort entfernten Nürburgring den Grand Prix von Europa gewonnen. Nick Heidfeld beendete eine lange Durststrecke des Sauber-Teams mit dem Gewinn eines WM-Punkts.

Der Sieger Ralf Schumacher.
Der Sieger Ralf Schumacher.
Als Zweiter sorgte Juan Montoya für einen Doppelerfolg des BMW-Williams-Teams. Michael Schumacher fiel nach einem Rencontre mit Montoya zurück und musste sich mit dem 5. Rang hinter Rubens Barrichello und Juan Alonso begnügen. Mark Webber verlor als Sechster bereits eine Runde, Jenson Button gewann für BAR-Honda zwei Punkte und Heidfeld einen für Sauber-Petronas, womit die beiden Teams auf das selbe Zwischentotal kommen. Knapp 20 Sekunden nach Heidfeld erreichte Heinz-Harald Frentzen das Ziel als Neunter.

Ralf Schumacher bestätigte nicht nur seinen Ruf als konstanter Fahrer mit dem neunten Punktgewinn im neunten Rennen der Saison. Zwei Wochen nach seinem 2. Rang in Kanada gelang ihm der erste Sieg in diesem Jahr und der fünfte insgesamt nach jenen in Imola, Montreal und Hockenheim (2001) sowie in Sepang (2002).

Sauber verdankt den unerwarteten Punktgewinn auch den Ausfällen von Kimi Räikkönen, Olivier Panis, Jarno Trulli und David Coulthard. Abgesehen davon blieben die Autos für einmal von Defekten verschont. Nach den Vorkommnissen vom Samstag war dies keine Selbstverständlichkeit. Im Warm-up vor dem zweiten Teil des Qualifyings waren sowohl Frentzen als auch Heidfeld von Motorschäden heimgesucht worden.

Auch die Startplätze stimmten das Sauber-Petronas-Team nicht eben zuversichtlich. Frentzen qualifizierte sich mit dem Ersatzwagen für den 15. Platz. Im Auto von Heidfeld war eiligst der Motor ausgetauscht worden. Er kam danach jedoch wegen eines Hydraulik-Defekts nur einige hundert Meter weit und musste daher das Rennen als Letzter aus der Boxengasse aufnehmen.

Michael Schumacher und Montoya gerieten sich im Laufe der 43. Runde (von 60) ins Gehege. Der Kolumbianer hatte sich eben halbwegs am Ferrari vorbei gezwängt. In der Haarnadel-Kurve, am tiefsten Punkt der Strecke, berührten sich die beiden Wagen. Schumacher geriet ins Schleudern und sass danach mit den Hinterrädern im Kiesbeet fest. Zwei Streckenposten befreiten den Deutschen zwar bald aus der misslichen Lage, aber neben Montoya waren inzwischen auch Barrichello, Alonso und Coulthard an ihm vorbei gezogen. Die Stewards kamen nach einer Untersuchung der Umstände der Kollision (zu Recht) zum Schluss, dass es sich um einen "normalen Rennunfall" gehandelt habe.

Vom 5. auf den 6. Platz rückte Schumacher in der viertletzten Runde vor. Coulthard hatte sich vor der Schikane nur mit einem brüsken Ausweich-Manöver vor einem Aufprall gegen das Heck des Renault mit Alonso retten können. Dabei geriet er von der Bahn und hätte sich während eines wilden Ritts über Randsteine und durchs Kies beinahe überschlagen. Der Spanier habe vor der Kurve so früh und so heftig gebremst, dass er das Malheur nicht habe vermeiden können, berichtete der Schotte. Von einem Schikane-Stopp wollte er nicht reden, obschon die Aktion von aussen danach aussah. Das McLaren-Mercedes-Team verzichtete denn auch auf einen Protest.

In der Schlussrunde versuchte Michael Schumacher vergeblich, Alonso vom 4. Platz zu verdrängen. Zwei von drei Ziele, die sich der Weltmeister gesteckt hatte, erreichte er trotzdem: Er übertraf die magische Grenze von 1000 WM-Punkten und dehnte seinen Vorsprung im Zwischenklassement vor Kimi Räikkönen aus. Der Finne musste das Rennen kurz vor "Halbzeit" aufgeben, als der Mercedes-Motor im McLaren den Geist aufgab; Räikkönen lag in jenem Moment relativ klar in Führung vor den Schumacher-Brüdern. Seinen 50. Sieg als Ferrari-Fahrer hätte Schumi I jedoch auch ohne den Zwischenfall mit Montoya kaum feiern können.

Nürburg (De). Grand Prix von Europa (60 Runden à 5,148 km = 308,863 km): 1. Ralf Schumacher (De), Williams-BMW, 1:34:43,622 (195,633 km/h). 2. Juan Montoya (Kol), Williams-BMW, 16,821 Sekunden zurück. 3. Rubens Barrichello (Br), Ferrari, 39,673. 4. Fernando Alonso (Sp), Renault, 65,731. 5. Michael Schumacher (De), Ferrari, 66,162. 6. eine Runde zurück: Mark Webber (Au), Jaguar-Cosworth. 7. Jenson Button (Gb), BAR-Honda. 8. Nick Heidfeld (De), Sauber-Petronas. 9. Heinz-Harald Frentzen (De), Sauber-Petronas. 10. Antonio Pizzonia (Br), Jaguar-Cosworth. 11. zwei Runden zurück: Ralph Firman (Gb), Jordan-Ford. 12. Giancarlo Fisichella (It), Jordan-Ford. 13. Justin Wilson (Gb), Minardi-Cosworth. 14. drei Runden zurück: Jos Verstappen (Ho), Minardi-Cosworth. 15. vier Runden zurück: David Coulthard (Gb), McLaren-Mercedes (nicht im Ziel). -- 20 Fahrer gestartet, 14 im Ziel, 15 klassiert. -- Schnellste Runde: Kimi Räikkönen (Fi), McLaren-Mercedes, 14. Runde in 1:32,621 (200,092 km/h).

Ausfälle. Räikkönen (26. Runde/1. Platz): Motor. Panis (37./13.): Dreher wegen blockierter Bremsen. Trulli (37./6.): Benzindruck. Villeneuve (52./15.): Getriebe. Da Matta (54./12.): Motor. Coulthard (57./5.): Dreher nach Kollision mit Alonso.

WM-Stand (9/16). Fahrer: 1. Michael Schumacher 58. 2. Räikkönen 51. 3. Ralf Schumacher 43. 4. Montoya 39. 5. Alonso 39. 6. Barrichello 37. 7. Coulthard 25. 8. Trulli 13. 9. Fisichella 10. 10. Button 10. 11. Webber 9. 12. Frentzen 7. 13. Da Matta 3. 14. Villeneuve 3. 15. Heidfeld 2. 16. Panis 1. 17. Firman 1. 18. Pizzonia 0. 19. Verstappen 0. 20. Wilson 0. -- Teams: 1. Ferrari 95. 2. BMW-Williams 82. 3. McLaren-Mercedes 76. 4. Renault 52. 5. BAR-Honda 13. 6. Jordan-Ford 11. 7. Sauber-Petronas 9. 8. Jaguar-Cosworth 9. 9. Toyota 4. 10. Minardi-Cosworth 0.

Nächstes Rennen: Grand Prix von Frankreich in Magny-Cours am 6. Juli.

(pt/Si)

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