Maradona - Am Ball genial, sonst gern mal im Abseits
publiziert: Mittwoch, 29. Okt 2008 / 14:50 Uhr

Diego Maradona wird argentinischer Nationaltrainer, Carlos Bilardo (Weltmeister-Coach 1986) wird den früheren Superstar als Teammanager unterstützen.

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Diego Armando Maradona ist ein Mythos. Am Ball genial, aber ausserhalb des Rasens dribbelte sich Argentiniens Fussball-Held oft und gern mal ins Abseits.

Weltmeister, Serienmeister, UEFA-Cup-Sieger, Dopingsünder, gescheiterter TV-Moderator und Kokain-Junkie in Personalunion.

Wenig Zustimmung

Nicht verwunderlich, dass die fussballverrückte Nation eher mit gemischten Gefühlen auf die Berufung des 48-Jährigen auf den Posten des Cheftrainers der Nationalelf reagierte.

Bei einer Schnellumfrage der Online-Ausgabe der Zeitung «Clarín» klickten fast 75 Prozent der Teilnehmer die Option «nicht zufrieden» mit der Entscheidung an.

Am liebsten wäre den Fans der «Albiceleste» ein seriöserer und vor allem erfahrenerer Kandidat wie zum Beispiel Carlos Bianchi gewesen.

Erfolgloser Trainer

Als Trainer hat der frühere Star von Boca Juniors, von Napoli und des FC Barcelona bisher auch nicht viel vorzuweisen. Mehrmals versuchte sich Maradona erfolglos bei argentinischen Zweitligisten.

Am schlimmsten war es 1995 beim Traditionsklub Racing. Dort liess er sich praktisch nie auf der Trainerbank sehen, tauchte ab und wurde Wochen später vom Drogenkonsum arg mitgenommen in einem Mittelklassehotel gefunden.

Erfolgreicher Fussballer

Der Aufsteiger aus ärmsten Verhältnissen hat kaum eine Gelegenheit ausgelassen, sich das Leben zur Hölle zu machen. Schon im Alter von neun Jahren wurde der am 30. Oktober 1960 in einem Armenviertel am Rande der Millionenmetropole Buenos Aires geborene «Goldjunge» für den Profi-Fussball entdeckt.

Mit 16 debütierte er im Nationalteam, neun Jahre später führte er die «Albiceleste» in Mexiko zum zweiten WM-Titel. Dabei schoss er im Viertelfinal gegen England erst das 1:0 mit «der Hand Gottes». Den zweiten Treffer erzielte er nach einem atemberaubenden Dribbling über den halben Platz. Nach 91 Länderspielen sagte er schliesslich adios.

Arzt: «Ich glaube, er hält sich für einen Gott»

Genialität und Grössenwahn, glänzende Siege und bittere Pleiten, sportliche Höchstleistungen, Kokain- und Alkoholexzesse, vor einem Jahr von den Medien voreilig für tot erklärt, jetzt Nationalcoach - immer geht es mit Maradona in atemberaubender Fahrt auf und ab. «Ich glaube, er hält sich für einen Gott, und das könnte einer der Gründe für seine Probleme sein», sagte der Leiter der Klinik Güemes in Buenos Aires, Héctor Pezzella, wo er 2007 in Behandlung war.

Das extreme Pendeln zwischen himmelhoch jauchzendem Übermut und verzweifelter Niedergeschlagenheit ist auch vielen seiner Landsleute nicht fremd. Der Rummel um Maradona nimmt bisweilen groteske Ausmasse an. So gibt es ein Maradona-Museum, ein Maradona-Musical und sogar eine Maradona-Kirche, in der das «Diego Unser» gebetet wird. Sein positives Image wurde jedoch schon früh durch Kokaineskapaden und undiszipliniertes Verhalten getrübt. Bei der WM 1994 wurde er nach einem positiven Dopingtest vom Turnier ausgeschlossen.

Nach dem Ende seiner Profikarriere 2001 ging es turbulent weiter. Wegen Kokainkonsums schrammte er einige Male knapp am Tode vorbei, verbrachte Wochen in Krankenhäusern, machte eine Entziehungskur auf Kuba, wurde so fett, dass er kaum noch sprechen konnte. 2005 liess er sich dann in Kolumbien operativ den Magen verkleinern und speckte von 123 auf 73 Kilogramm ab. Als Moderator einer eigenen TV-Show feierte er schliesslich ein umjubeltes Comeback in der Öffentlichkeit, aber nur ein paar Monate später wurde das Programm abgesetzt.

(bert/Si)

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