Mario Monti gegen Bill Gates
publiziert: Dienstag, 23. Mrz 2004 / 12:10 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 23. Mrz 2004 / 12:47 Uhr

Brüssel - Mehr als fünf Jahre lang hat die EU-Kommission Akten gewälzt, Experten gehört und Zeugen befragt. Nun holt Wettbewerbskommissar Mario Monti zum grossen Schlag gegen den Softwaregiganten Bill Gates und seinen Microsoft-Konzern aus.

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Morgen will die Brüsseler Behörde das US-Unternehmen wegen Wettbewerbsverstössen nicht nur zu einer Millionen-Geldbusse verdonnern, sondern ihm auch strenge Auflagen für den Verkauf des Betriebssystems Windows und anderer Software machen.

Monti lässt keinen Zweifel daran, dass er den Fall Microsoft zum Präzedenzfall machen will. Doch ebenso sicher ist, dass das Imperium zurückschlägt: Schon bevor die Entscheidung Brüssels steht, hat Microsoft ein Berufungsverfahren angekündigt.

Zankapfel "bundling"

Im Streit zwischen dem US-Konzern und der EU-Behörde, dessen gütliche Beilegung in der vergangenen Woche nach Gesprächen mit Microsoft-Chef Steve Ballmer gescheitert war, geht es in erster Linie um das so genannte "bundling", also um die Verknüpfung von Anwenderprogrammen mit dem auf neun von zehn PCs installierten Betriebssystem Windows.

Seit Jahren werfen Konkurrenten dem in Seattle im US-Bundesstaat Washington ansässigen Konzern vor, ihnen mit dieser Praxis das Wasser abzugraben. Konkreter Zankapfel ist diesmal der Windows Media Player.

Für andere Wettbewerber ist das Brüsseler Verfahren die letzte Hoffnung. Denn in den USA hatten die Behörden nach einem ähnlichen Kartellverfahren gegen Gates' Konzern 2001 klein beigegeben: Im Gegenzug für marginale Zugeständnisse durfte Microsoft die Einbindung seines Internet-Browsers Explorer in das Windows-Betriebssystem beibehalten.

Der zunächst dominierende Konkurrent Netscape war durch diese Praxis zur Randerscheinung degradiert worden. Seitdem hat Microsoft in anderen Bereichen einige Konkurrenten in den USA mit Entschädigungszahlungen ruhig gestellt.

Zugeständnisse, aber...

Die Einigung zwischen EU-Kommission und Microsoft scheiterte am vergangenen Donnerstag offenbar vor allem daran, dass Ballmer zwar Zugeständnisse beim Media Player angeboten hatte, diese aber nicht auf künftige Software für andere Anwendungen ausdehnen wollte. Immerhin ist das "bundling" eine Kernstrategie des Unternehmens, die Microsoft-Programmen schon oft zum Durchbruch verholfen hat.

Genau deshalb ist Monti überzeugt, dass nur eine grosse Lösung ein umfassendes Microsoft-Monopol auf dem milliardenschweren Softwaremarkt verhindert und damit im Sinne der Konsumenten ist. Er will nach eigenen Worten "mit grosser Klarheit" festlegen, "nach welchen Grundsätzen sich ein Unternehmen mit einer so starken Marktstellung künftig verhalten muss".

Am Montag stimmte der Kommissar gemeinsam mit den Wettbewerbsexperten der 15 EU-Staaten zunächst die Geldstrafen für Microsoft ab. Sie könnten sich auf bis zu zehn Prozent des Microsoft-Jahresumsatzes und damit auf über drei Milliarden Dollar belaufen.

Schmerzhafte Auflagen

Die Geldstrafe wird den schwerreichen US-Konzern kaum kratzen. Weit schmerzhafter sind die voraussichtlichen Auflagen der Behörde: Entkoppelung des Media Players von Windows, zudem die Offenlegung von Programmcodes, damit Konkurrenzfirmen ihre Software für Server besser an das Betriebssystem anpassen können.

Vor allem gegen diese Bedingungen wird Microsoft wohl vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. Bleibt Monti nach Ablauf seiner ersten Amtszeit Ende Oktober Wettbewerbskommissar, könnte ihn der Kampf gegen Microsoft noch jahrelang beschäftigen.

(Jitendra Joshi/sda)

 
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