Schweizer Dominanz auf Zeit?
publiziert: Freitag, 13. Okt 2006 / 00:46 Uhr

Im Alpinsektor der Snowboarder ist bei den Männern nicht mit einem Ende der Schweizer Dominanz zu rechnen. Die Equipe von Trainer Christian Rufer will die Turiner Goldfahrten fortsetzen und an der WM in Arosa Anfang 2007 erneut Glanzpunkte setzen - ohne die Olympiasiegerin Daniela Meuli allerdings.

Philipp und Simon Schoch haben keinen Hauptsponsor.
Philipp und Simon Schoch haben keinen Hauptsponsor.
Swiss-Ski, der sportlich nicht überall erstklassige Dachverband der nationalen Schneesportler, braucht sich zumindest um die aktuelle Qualität des Ressorts «Snowboard» nicht zu sorgen. In zwei von drei erheblichen Disziplinen ist das Schweizer Team mit einem Olympiasieger von Turin vertreten.

Auf Alpin-Ebene sind Rufers beste Fahrer im Gesamtweltcup seit zwei Jahren topklassiert. Die Nationalmannschaft stellt (inklusive der einzigen Frau Fränzi Kohli) acht potenzielle Siegfahrer.

Die Würfel werden in der WM-Selektion im Männer-Tableau deshalb garantiert erst Ende Jahr fallen. Offiziell deklarierten die Entscheidsträger die fünf Weltcup- und diverse Europacup-Rennen in den Monaten September bis Dezember als Basiswert für das WM-Aufgebot.

Angesichts des Gerangels um die vier Startplätze pro Disziplin ist es für die Schweizer vorteilhaft, dass an der WM neben dem olympischen Parallel-Riesenslalom auch ein Parallel-Slalom veranstaltet wird.

Stirnfalten trotz überragender Zahlen

24 von 28 Rennen endeten in der vorletzten Saison mit einem Schweizer Triumph. Im letzten Winter erreichten die deutlich erfolgreichsten Vertreter von Swiss-Ski 27 von möglichen 45 Podestplätzen. Es sind Kennzahlen einer wohl einmaligen Leistungsdichte.

Primär ist die brillante Bilanz das Ergebnis der absolut professionellen Arbeit von Rufer und seiner Gruppe um Leader Philipp Schoch; die Grundlagen zur Alleinherrschaft wurden Jahre vor dem Übertritt zum Skiverband geschaffen.

Und doch zeichnet Franco Giovanoli, der Chef der Snowboard-Abteilung, kein perfektes Bild: «Die Dominanz ist eine Frage der Zeit.» Der Bündner kennt die spezielle Konstellation im Detail. Ihm stehen für den gesamten Apparat (u.a. gegen 100 Athleten, Coaches, Serviceleute) nur 1,2 Millionen Franken und damit etwas mehr als im Vorjahr zur Verfügung.

Damit könne er «oder besser muss ich leben». Der Grossteil des Geldes fliesst ins achtköpfige Nationalkader; den restlichen Sportlern bleibt meist nicht mehr als das Talent und die Hoffnung, in finanziell erträglicher Zeitspanne ins Feld der Elite vorzustossen.

Schochs Innovation und Gedanken

Doch selbst an der internationalen Spitze liegt das Geld nicht abholbereit auf der Piste. Die Schlange der Schulterklopfer und Gratulanten sei ungefähr zehnmal so lang wie jene der möglichen Sponsoren, stellte Philipp Schoch nach seinem zweiten Olympiasieg ernüchtert fest.

Noch nage er nicht am Hungertuch, fügt Schoch trocken an, «aber einen Hauptsponsor habe ich bis jetzt nicht gefunden.» Deshalb beschäftigt sich der Modellathlet mit der Frage, ob er sich überhaupt leistet könne, die Karriere bis zu den Spielen 2010 in Vancouver fortzusetzen. «Ich will am Schluss ja nicht mit abgesägten Hosen dastehen.»

Ziemlich gelassen blickt Schoch der sportlichen Herausforderung entgegen. In der «Sommerpause» arbeitete der Doppel-Olympiasieger im Kraftraum und verfeinerte sein Körpergefühl in Kampfsportlektionen.

Zusammen mit seinem Bruder Simon, dem Gesamtweltcupsieger der letzten Saison, entwickelte der Zürcher Oberländer überdies die so genannte VIST-Platte. Die technisch innovativen Schoch-Brüder erhoffen sich von diesem exklusiven Produkt eine bessere Druckverteilung auf ihren massgefertigten Brettern. «Wir können uns nicht zurücklehnen. Die Fahrer in unserem Team rücken immer näher zusammen», erklärte Philipp Schoch.

Verlust der Team-Leaderinnen

Im Sommer bemühte sich der Verband mit vereinigten Kräften, den Abgang von Daniela Meuli zu verhindern. Doch die 25-Jährige zog den frühen Absprung ins Berufsleben der Verlängerung ihrer einzigartigen Siegserie vor. Wenige Monate nach dem Olympiasieg in Bardonecchia verliess die zuletzt dreifache Gesamtweltcupsiegerin das Team auf dem Höhepunkt.

Ohne die mit Abstand weltbeste Alpine und ohne die vierfache Weltmeisterin Ursula Bruhin, die ebenfalls zurücktrat, ist bereits ein Platz auf dem Podium als Erfolg zu werten. Hinter der einzigen Spitzen-Athletin Fränzi Kohli hält sich der Kreis der Talente in ganz engen Grenzen.

(von Sven Schoch/Si)

 
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