Federer auch als chancenloser Verlierer ein Champion
publiziert: Sonntag, 5. Aug 2012 / 21:15 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 5. Aug 2012 / 22:47 Uhr
Roger Federer und Andy Murray mit den Medaillen.
Roger Federer und Andy Murray mit den Medaillen.

Das Team «GB» ist nicht mehr zu stoppen - nicht einmal in Wimbledon vom 17-fachen Grand-Slam-Champion Roger Federer. Der Schweizer Rasen-King wurde im Olympia-Final von Andy Murray entzaubert.

8 Meldungen im Zusammenhang
SHOPPINGShopping
Roger FedererRoger Federer
2:6, 1:6 und 4:6 unterlag die mehrheitlich chancenlose Weltnummer 1 dem besten Briten seit dem legendären Fred Perry, der 1936 gleichenorts die englischen Tennis-Supporter mit der letzten erheblichen Tennis-Trophäe beglückte. Federer akzeptierte die Dominanz von Murray und gratulierte dem 25-Jährigen im Stile eines Gentlemans: «Andy war heute einfach besser.»

Der für seine Verhältnisse missratene Abschluss einer zuletzt wieder brillanten Phase löste beim Schweizer «Maestro» keinen Tränenschub aus. Der Basler analysierte das klare Verdikt ohne jegliche Verbitterung. An der internationalen Medienkonferenz «retournierte» der Super-Star alle Fragen perfekt. Eine Aufzeichnung der Sportinformation:

Sie haben im Halbfinal gegen Juan Del Potro einen Marathon bewältigen müssen. Spürten Sie den Abnützungskampf? Kam eine gewisse mentale Müdigkeit auf?

«Ich fühlte mich am Morgen körperlich gut, auch überhaupt nicht angespannt, sondern ruhig und hatte eigentlich kein schlechtes Gefühl. Die Vorbereitung verlief optimal. Aber das Problem war schon, dass ich die ganze Zeit über hinten lag. Wenn dann der Satz weg ist und man mit Break zurückliegt, wird es schwierig. Man freut sich plötzlich über ein 15:15, weil so vieles enttäuschend verläuft. Andy spielte zudem immer besser. Bei mir waren die Emotionen vielleicht schon etwas aufgebraucht. Meinen Olympia-Moment erlebte ich bereits im Halbfinal gegen Del Potro. Das war ein Riesenspiel. Am Schluss wars eine Kombination von vielen Faktoren.»

Wie werten Sie die Differenz zwischen Gold und Silber?

«Ich habe ja bereits einmal Gold geholt und schaue jetzt nicht mit Bedauern auf den Final zurück. Klar, ich bin emotional ausgelaugt, enttäuscht. Aber ich konnte nicht mehr geben, ich habe alles versucht. Andy war heute einfach besser. Daran gibt es nichts zu rütteln. Womöglich hätte ich mehr Mühe, wenn ich im fünften Satz 17:19 verloren hätte. Und wenn man schon ein Endspiel verliert, dann das bei Olympia. Der Verlierer fährt hier ja nicht mit leeren Händen nach Hause. Bereits der Viertel- und Halbfinal fühlten sich wie Finals an.

Könnte der erste Triumph in Wimbledon in der Karriere von Andy Murray einen Schub auslösen?

»Ich denke nicht, dass er dazu einen Olympia-Sieg benötigt hätte. Murray war schon vorher ein aussergewöhnlicher Spieler. Er spielte vor vier Wochen ein ausgezeichnetes Wimbledon-Turnier. Hier besiegte er hintereinander Novak und mich. Er ist nach der Finalniederlage gegen mich wie ein Champion zurückgekehrt. Ihm kam wohl auch etwas entgegen, dass sich im britischen Sport in diesen Tagen viel ereignet hat. Der Fokus war nicht einzig auf das Tennis-Turnier und Murray gerichtet.«

Ihre Freude über Silber ist also grösser als der Ärger über die Finalniederlage?

»Zunächst einmal bin ich extrem stolz, diese Medaille geholt zu haben. Vielleicht wird die Enttäuschung in einem Tag, in einer Woche oder einem Monat noch grösser. Ich bin älter geworden, ich kann mit solchen Dingen besser umgehen als früher. Man kann fünf Minuten oder fünf Jahre investieren, um diese Niederlage zu akzeptieren. Ich habe mich für die kürzere Variante entschieden.«

Was bleibt für Sie haften? Welche Erinnerungen nehmen Sie mit von den Olympischen Spielen?

»Ich bin ausserordentlich froh, erneut teilgenommen zu haben. Was ich hier gelernt habe, werde ich wohl erst mit der Zeit realisieren. Aber alle die Olympischen Spiele zuvor waren für mich essenziell, sie veränderten mein Leben: in Sydney, in Athen, in Peking. Die Chance, an Olympia dabei sein zu können, sollte man immer packen.

Ist es denkbar, dass Sie 2016 an den Olympischen Spielen in Brasilien zum fünften Mal antreten?

«Wie ich es schon vor dem Turnier ein paar Mal gesagt habe, ist es nicht unmöglich. Aber vier Jahre sind lange. Ich könnte ja auch zurücktreten und wieder zurückkommen. Für mich ist es immer wunderbar, die Schweiz irgendwo auf dieser Welt repräsentieren zu können. Das macht mich stolz. Und in Rio war ich noch nie.»

(fest/Si)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
US Open Andy Murray gewinnt am US Open in New York seinen ersten Grand-Slam-Titel. Der Schotte bezwingt im Final Titelverteidiger ... mehr lesen
Andy Murray konnte als erster Brite seit Fred Perry (1936) wieder ein Grand-Slam-Turnier gewinnen.
Roger Federer im Spiel gegen Andy Murray.
Olympische Sommerspiele Über eine halbe Million TV-Zuschauer verfolgten am letzten Sonntagnachmittag auf SRF, wie Roger Federer im olympischen ... mehr lesen
Olympische Sommerspiele Das signierte Racket von Roger Federer brachte bei der Charity-Auktion von Swiss Olympic 15'101 Franken ein. mehr lesen
Der Erlös kommt der Stiftung Schweizer Sporthilfe zugute.
Roger Federer im House of Switzerland mit Silbermedaille und Fans.
Olympische Sommerspiele Roger Federer lässt es rocken. Die Medaillenfeier mit dem Weltstar am späten Sonntagabend hat den Treffpunkt ... mehr lesen
Olympische Sommerspiele Eine ungewöhnliche Lautsprecherdurchsage in mehreren Londoner U-Bahn-Stationen sorgte für Begeisterungsstürme. mehr lesen
Olympiasieger Andy Murray.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Das Schweizer Haus in London.
Olympische Sommerspiele Die Stimmung im Londoner «House of Switzerland» erlitt nach der Final-Niederlage von Roger Federer gegen Andy Murray ... mehr lesen
Olympische Sommerspiele Professionelle Tennisspieler müssen Egoisten sein, um im Haifischbecken ATP-Tour elf Monate pro Jahr zu bestehen. mehr lesen
Roger Federer.
Roger Federer mit der Silbermedaille.
Olympische Sommerspiele Es gibt vorerst keinen zweiten Schweizer Einzel-Tennis-Olympiasieger nach Marc Rosset. Roger Federer unterlag im Endspiel in ... mehr lesen
Roger Federer konnte sich nach der Zwangspause deutlich steigern.
Roger Federer konnte sich nach der Zwangspause deutlich steigern.
US Open Dominanz nach dem Gewitter  Roger Federer gewinnt seine Drittrundenpartie gegen Marcel Granollers (ATP 42) in 1:58 Stunde 4:6, 6:1, 6:1, 6:1. Nächster Gegner ist mit der Weltnummer 19 Roberto Bautista Agut erneut ein Spanier.  
Blitzgefahr in New York - Federer-Partie abgebrochen Roger Federer und Marcel Granollers können nur 19 Minuten spielen - dann zucken Blitze über den New ...
Blitze über New York. (Symbolbild)
Die nächste Saison  Roger Federer wird auch 2015 am ATP-Turnier in Brisbane (5. bis 11. Januar) in die neue ...
Roger Federer am Australian Open. (Archivbild)
Nach nur 29 Minuten sicherte sich Federer den ersten Durchgang, ohne bei eigenem Aufschlag je gefordert worden zu sein.
US Open US Open  Roger Federer erreicht mit einem 6:4, 6:4, 6:4 gegen den Australier Sam Groth als letzter Spieler die dritte Runde. Dort trifft er am ...  
Titel Forum Teaser
  • fkeller aus würenlos 1
    Shirt... Btw: das ist ein Ranger Shirt. Keines von den Islanders... :-) Do, 21.08.14 06:46
  • Bodensee aus Arbon 2
    Petar Aleksandrov Grüezi Finde das eine sehr gute Verpflichtung . Für die Stürmer eine ... Fr, 01.08.14 02:58
  • Bodensee aus Arbon 2
    Nater Grüezi Wenn gleichwertiger Ersatz da ist , ist es tragbar . Aber war ... Fr, 01.08.14 02:51
  • Kassandra aus Frauenfeld 969
    Die Auguren Wie schön, das alles heute erst gelesen zu haben! Man kann sich ... Do, 10.07.14 18:56
  • Kassandra aus Frauenfeld 969
    Barça senkt den Level Hätten besser einen gut abgerichteten Bullterrier gekauft, wäre nicht ... Do, 10.07.14 18:23
  • zombie1969 aus Frauenfeld 2401
    Unglaublich... dieses Gericht, das sogar arbeitende Steuern zahlende CH-Bürger auf das ... Do, 10.07.14 13:01
  • Kassandra aus Frauenfeld 969
    Neymar wurde brutal gefoult! Der Angreifer erlitt die Verletzung am Freitagabend in Fortaleza nach ... Sa, 05.07.14 10:28
  • LinusLuchs aus Basel 29
    Das passt zur FIFA Wo sehr viel Geld im Spiel ist, gibt es Leute mit krimineller Energie. ... Do, 03.07.14 08:29
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MO DI MI DO FR SA
Zürich 8°C 12°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel 8°C 13°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
St.Gallen 10°C 15°C bewölkt, Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Bern 11°C 17°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Luzern 12°C 17°C bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Genf 12°C 20°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Lugano 19°C 26°C sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos sonnig und wolkenlos
mehr Wetter von über 6000 Orten