Unbequem - Die Saudis sitzen zwischen den Stühlen
publiziert: Freitag, 28. Mrz 2003 / 08:54 Uhr

Riad - Während sich Riad im Golfkrieg 1991 auf die Seite der Alliierten schlug, lehnt es den jetzigen Krieg gegen das nördliche Nachbarland entschieden ab. Zwischen zwei Stühlen sitzt es sich aber nicht bequem. Diese leidvolle Erfahrung muss seit Beginn des Irak-Krieges auch das Königshaus Saudi Arabiens machen.

Übermässige Kritik an der US-geführten Kriegskoalition scheint der politischen Führung in Riad nicht ratsam. Schliesslich will man den mächtigen Partner in Washington nicht noch mehr gegen sich aufbringen, als dies ohnehin der Fall ist.

Volkszorn

In der Bevölkerung spielen solcherlei Überlegungen weniger eine Rolle. Auf der Strasse flackert die US-feindliche Stimmung immer offener auf. So ist Riad verstärkt damit beschäftigt, die "Heimatfront" unter Kontrolle zu halten.

Vor allem die einflussreiche islamische Geistlichkeit ruft in dem streng moslemischen Wüstenland zu den Fahnen. Schon vor Ausbruch des Krieges wetterte der saudiarabische Grossmufti Scheich Abdelasis el Scheich noch etwas versteckt vor "Feinden", die den Islam spalten wollten.

Diese "Feinde" gäben vor, die muslimische Welt sei eine gewalttätige vertragsbrüchige "terroristische Nation", warnte der Glaubenshüter im Februar in der Pilgerstadt Mekka. Dieser Tage reden die Imame an den saudiarabischen Moscheen Klartext und rufen das Volk zum "Heiligen Krieg" gegen die US-Armee auf.

„Sie werden uns niemals vergeben“

Auch die einheimische Presse verurteilt einhellig den Angriff und lobt den "heldenhaften" Kampf der Iraker. Fernsehbilder vom Leid der Opfer fachen die Wut in Bevölkerung weiter an. "Was derzeit geschieht, bricht mir das Herz und zertrampelt meine Würde", sagt Anwar Machmud.

Für den saudiarabischen Beamten sind die Folgen des Krieges klar: "Das irakische Volk wird uns niemals vergeben", ebenso wenig werde sich das saudiarabische Volk jemals vergeben können, dass es nicht geholfen habe.

"Das ist eine Konfrontation zwischen den Guten, die alle Moslems verteidigen, und dem Teufel, verkörpert von den US-Besatzungstruppen", sagt der Bankangestellte Anis Okail.

Geheime Friesensinitiative

Diese klare Weltauffassung wird von der Oberschicht des Landes zumindest öffentlich nicht geteilt. Der Nationale Konsultativrat, das Regierungskabinett und Aussenminister Prinz Saud el Faisal forderten in den vergangenen Tagen beide Kriegsparteien zu einem sofortigen Stopp der militärischen Auseinandersetzung auf.

Doch verhallten die Aufrufe ebenso im Nichts wie eine an Bagdad und Washington adressierte Friedensinitiative, über deren Inhalt sicherheitshalber erst gar nichts bekannt gegeben wurde.

Repression im Innern

Aussenpolitisch beschränkt sich Riad auf die Rolle des warnenden Beobachters; im Landesinneren sollen harte Sicherheitsmassnahmen dafür sorgen, dass die Stimmung nicht gegen das Königshaus kippt.

Die Sorge ist berechtigt: Die traditionellen Bande zwischen den USA und Saudi-Arabien sind stark und jedermann weiss, dass die US-Armee zu Beginn des Krieges immerhin 10 000 Soldaten in hiesigen Militärstützpunkten stationiert hat.

Trotz verstärkter Patrouillen auf den Hauptstrassen, vor den Regierungsgebäuden und in den Einkaufszentren von Riad sind Anschläge aber nicht vollständig auszuschliessen. Das erste Opfer wurde schon zu Beginn der Woche schon zur Kenntnis genommen. Ein Polizist im Norden des Landes starb im Kugelhagel bei einer Auseinandersetzung mit Kriegsgegnern.

(bsk/sda)

 
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