Von Lugo werden Wunder erwartet
publiziert: Mittwoch, 23. Apr 2008 / 09:05 Uhr

Buenos Aires/Asunción - Ein Wunder hat der frühere paraguayische Bischof Fernando Lugo schon vollbracht: die Abwahl der seit 1947 ununterbrochen regierenden Colorado-Partei. Doch die Wähler erwarten nun schnell weitere Erfolge.

Ehrgeizige Ziele: Fernando Lugo.
Ehrgeizige Ziele: Fernando Lugo.
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Die Bekämpfung der Armut, die Ausrottung der Korruption und eine Justiz, die Recht spricht sind die dringendsten Forderungen in dem abgewirtschafteten Agrarstaat mit 6,8 Millionen Einwohnern. Um diesen Erwartungen und seinen eigenen Wahlversprechen während der nächsten fünf Amtsjahre gerecht zu werden, wird sich der ehemalige Kirchenmann mit Tod und Teufel anlegen müssen.

Bei der Korruptionsbekämpfung bekommt er es mit einem aufgeblähten Beamtenapparat zu tun, der während der vergangenen sechs Jahrzehnte von der Colorado-Partei beherrscht wurde. Die Colorados werden dem Politneuling, der im Parlament über keine Mehrheit verfügt, das Regieren schwer machen.

Korruption und Vetternwirtschaft

Die Justiz ist langsam, gilt als käuflich und geniesst deshalb bei den Menschen keinerlei Vertrauen. Vor allem der deutschstämmige Diktator Alfredo Stroessner, der das Land zusammen mit den Colorados zwischen 1954 und 1989 mit harter Hand regierte, verwandelte Paraguay in ein autoritäres, korruptes und von Vetternwirtschaft geprägtes Land.

Die Bodenreform, bei der Lugo dem Heer bettelarmer Kleinbauern Land verschaffen will, wird auf den erbitterten Widerstand der mächtigen und reichen Soja- und Rinderbarone stossen. Sie unterhalten in ländlichen Regionen die Polizei und sogar das Militär. Und wer zahlt, bestimmt die Musik.

Bei der angestrebten gerechteren Verteilung der Gewinne aus dem gemeinsam mit Brasilien betriebenen gigantischen Wasserkraftwerk Itaipú stehen Lugo nicht nur das mächtige Brasilien im Wege, sondern auch die Profiteure der bisherigen Veruntreuung eines Teils dieser Gelder in Paraguay.

Alles ausser Colorado

Den Wahlerfolg Lugos erklärt der Soziologe Marcial Cantero mit dem «wirtschaftlichen und sozialen Verfall» des Landes. Die Menschen hätten die Arbeitslosigkeit und Armut einfach satt gehabt, sagte Cantero der Deutschen Presse-Agentur dpa.

«Lugo zog einfach viele Wähler an, die alles wollten, nur keine weiteren fünf Jahre Colorado-Herrschaft», meinte auch der Hochschullehrer Tomás Palau. Die Schonzeit für Lugo werde jedoch nur kurz sein. Sollte er scheitern, werden sich die Paraguayer vielleicht schon bald wieder nach den Colorados zurücksehen. So wie heute noch viele Menschen Stroessner nachtrauern.

(von Jan-Uwe Ronneburger, dpa/sda)

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