Cyberkrieg: Elegante Waffen sind reale Bedrohung
publiziert: Samstag, 29. Sep 2012 / 21:05 Uhr
Das Spionageprogramm Stuxnet ist nur die Spitze des Eisbergs.
Das Spionageprogramm Stuxnet ist nur die Spitze des Eisbergs.

München - Beginnend mit dem russisch-estnischen Cyberkonflikt 2007 gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Vorfälle, die zum Krieg im Cyberspace hochstilisiert wurden. Doch wirklich begonnen hat das Zeitalter der Cyberkriegsführung nach Ansicht der Kaspersky Labs wohl erst 2010 mit der Entdeckung des Wurms «Stuxnet», so Chief Malware Expert Vitaly Kamluk im Rahmen des Kasperky Security Symposium.

9 Meldungen im Zusammenhang
 «Das war der erste Nachweis einer Form der Attacke, mit der physische Objekte durch Malware zerstört wurden», so Kamluk.

Mittlerweile gibt es etliche ausgereifte Cyberwaffen, darunter Spionagelösungen, die sich von früheren Datenklau-Attacken merklich abheben. «Klassische Cyberkriminelle sind an unmittelbarem Profit interessiert», betont Kamluk auf Nachfrage von pressetext. Im Cyberkrieg dagegen geht es nicht um Kreditkarten- oder Accountdaten, sondern beispielsweise um Baupläne, die womöglich für weitere virtuelle oder reale Angriffe verwertbar sind. Schutz scheint unabdingbar.

Realer Konflikt, geheimer Krieg

Neben dem russisch-estnischen Vorfall 2007 verweist Kamluk als Beispiele hochgespielter Konflikte auf den 2008 in Form von DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) auch im Cyberspace eskalierenden Georgienkrieg sowie 2009 DDoS-Angriffe auf die USA und Südkorea, bei denen Nordkorea als Agressor verantwortlich gemacht wurde. Dabei kamen aber Botnetze für eher plumpe, öffentliche Störungen zum Einsatz, die nichts von der Komplexität moderner, geheim eingesetzter Cyberwaffen haben. Die erste - oder zumindest die erste entdeckte - solche Waffe war Stuxnet.

Der Wurm hatte es offenbar auf iranische Atomanlagen abgesehen, speziell die Zerstörung von Urananreicherungs-Zentrifugen, so der Kaspersky-Experte. Doch das war nur die Spitze eines Eisbergs: Mit «Duqu» wurde auch ein zur gleichen Familie gehöriger Spionagewurm gefunden, weitere ausgereifte Cyberwaffen wie der umfassende Spionagetoolkit «Flame» aufgetaucht. Kasperky Lab habe zudem Hinweise auf zumindest drei weitere mit Stuxnet verwandte Schädlinge, die bislang aber unentdeckt blieben. Es ist denkbar, dass sie wie der Atom-Wurm physischer Sabotage dienen, eventuell auch von ziviler Infrastruktur.

Schutz statt Eskalation

Kamluk zufolge dürfte Stuxnet über Jahre unentdeckt geblieben sein, der geheime Cyberkrieg somit eigentlich schon vor dem Estland-Vorfall 2007 getobt haben. Internationale Abkommen zur Einschränkung von Cyberwaffen gibt es nicht, dabei sind sie im Vergleich zu konventionellen Waffen kaum zurück verfolgbar, billig und wiederverwertbar. Es drohe eine Eskalationsschleife, in der Angriffe auf eine Nation zur Entwicklung von Gegenmassnahmen führen. «Wir denken nicht, dass das der richtig Weg ist zu reagieren», warnt der Sicherheitsexperte.

Wichtig sei, dass sich auch Unternehmen - die oft direkt oder indirekt auch staatliche Aufträge abwickeln - angesichts der potenziellen Bedrohung effektiv schützen. Das umfasst neben ewigen Weisheiten wie regelmässigen, zügigen Softwareupdates, unter anderem ein Abhärten von Systemen, um die Installation von Malware auch durch zuvor unbekannte Lücken zu erschweren. Aber auch Geheimhaltung darüber, welche Software genau genutzt wird, ist wichtig, um gezielte Exploits zu vermeiden. Der wohl wichtigste Punkt ist aber, dass Sicherheitsmassnahmen nicht mit dem gelegentlichen Abarbeiten einer Checkliste erledigt werden.

 

 

(fest/pte)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Washington - US-Verteidigungsminister Leon Panetta hat zu seinem Abschied eine neue Ehrenmedaille eingeführt. Künftig sollen Soldaten für besondere Leistungen im ... mehr lesen
Künftig sollen Soldaten für besondere Leistungen im Drohnen- und Computerkrieg ausgezeichnet werden.
Woher die Angriffe kamen ist unklar.
Dubai/Wien - Das Kommunikationssystem der iranischen Ölplattformen ist nach ... mehr lesen
Budapest - Internet-Kriminalität und Cyber-Angriffe nehmen zu und kosten die Weltwirtschaft viele Milliarden Euro im Jahr. Das ... mehr lesen
Unzähmbar?
Finanztransaktionen im Libanon und in Israel überwacht. (Symbolbild)
Die IT-Sicherheitsfirma Kaspersky hat eine Schadsoftware entdeckt, die offenbar ... mehr lesen
Washington - Das US Department of Homeland Security hat einen Bericht veröffentlicht, der beweist, dass Cyber-Angriffe auch ... mehr lesen
Die USA finden Stuxnet in Systemen der kritischen Infrastruktur.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Die Kriegsindustrie muss sich nach neuen Produkten umsehen.
Düsseldorf/Paris - Die weltweite ... mehr lesen
Seoul - Nach Drohungen aus Nordkorea ist eine südkoreanische Tageszeitung Ziel eines grossangelegten Cyber-Angriffs ... mehr lesen
Nach südkoreanischen Angaben verfügt der Norden über eine Elite-Einheit von Hackern.
Barack Obama sei sich bewusst, dass er mit der Aktion eine neue Art vor Kriegsführung entfesseln könnte. (Symbolbild)
Die Attacken mit dem Computerwurm Stuxnet auf iranische Atomanlagen sind nach ... mehr lesen
Harvard - Mit ihren Online-Präsenzen sind Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten permanenten Attacken ausgesetzt. ... mehr lesen
Mundtot: Hacker bringen ihre Gegner im Web oft zum Schweigen. (Symbol)
Erstmals geht man von Cyber-Spionage aus Indien aus. (Archivbild)
Erstmals geht man von Cyber-Spionage aus Indien aus. ...
Attacken zielen auf Behörden und Privatunternehmen  Oslo - Der Sicherheitsanbieter Norman Shark hat eigenen Angaben zufolge den ersten grossen Cyber-Spionageangriff aufgedeckt, der von Indien ausgeht. In einem Bericht beschreibt das norwegische Unternehmen eine komplexe Infrastruktur für Hacking-Attacken, die seit drei Jahren besteht und auch heute noch genutzt wird. Als Übeltäter werden private Akteure ausgemacht. 
Anonymous: Internetverbrecher oder Hacktivisten? Besteht das Kollektiv aus Verbrechern oder aus Freiheitskämpfern? Eine Frage die unsere Redaktion nach ...
Besteht Anonymous aus Verbrechern oder Hacktivisten? Ihre Meinung ist gefragt!
Finanzieller Spielraum  Bern - Die Armee soll damit beginnen, ...
Gesicherte und geschützte Telekommunikations-Infrastruktur bis spätestens 2020. (Symbolbild)
Der Verteidigungsminister warnt vor dem Armee-Abbau. (Archivbild)
Maurer kritisiert «den Abbau von Sicherheit» Mägenwil AG - Kürzere Rekrutenschulen und Wiederholungskurse bei einem Truppenbestand von nur noch 100'000 Mann - ...
Jetzt mitmachen und gewinnen.
eGadgets egadgets.ch verlost 3 FRANKENWEENIE-DVDs Tim Burtons FRANKENWEENIE basiert auf einem Live ...
Domain Namen registrieren
Domain Name Registration
Zur Domain Registration erhalten Sie: Weiterleitung auf bestehende Website, E-Mail Weiterleitung, Online Administration, freundlichen Support per Telefon oder E-Mail ...
Domainsuche starten:


Wettbewerb
   
Jetzt mitmachen und gewinnen.
eGadgets Tim Burtons FRANKENWEENIE basiert auf einem Live Action Kurzfilm des Regisseurs aus dem Jahre 1984, den er mit seiner berühmten schwarz-weiss Technik und seinem ... mehr lesen
Fitness für die Lachmuskeln ist garantiert.
Mitmachen und gewinnen  Freitag, 31. Mai und Samstag, 1. Juni. Das sind die Daten welche man sich unbedingt merken muss. Denn dann tritt Dieter Nuhr, einer der erfolgreichsten ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich 3°C 7°C leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen
Basel 3°C 7°C leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen
St.Gallen 4°C 10°C leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
Bern 6°C 13°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Luzern 7°C 13°C bewölkt, Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
Genf 7°C 14°C leicht bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen
Lugano 12°C 20°C leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
mehr Wetter von über 6000 Orten