«Inakzeptables» Vorgehen
Türkei: Twitter-Verbot sorgt für Proteststurm
publiziert: Freitag, 21. Mrz 2014 / 07:11 Uhr / aktualisiert: Freitag, 21. Mrz 2014 / 16:45 Uhr
Twitter ist ein wichtiges Medium für die Opposition.(Symbolbild)
Twitter ist ein wichtiges Medium für die Opposition.(Symbolbild)

Istanbul - Die durch Korruptionsvorwürfe unter Druck geratene türkische Regierung hat den Kurzbotschaftendienst Twitter im Land verbieten lassen. Die Nachricht von der Sperrung sorgte innerhalb und ausserhalb der Türkei für einen Proteststurm. Twitter hat in der Türkei rund zehn Millionen Nutzer.

9 Meldungen im Zusammenhang
Die Sperrung ist laut der türkischen Internetbehörde BTK eine "vorbeugende Massnahme". Die BTK teilte mit, die in der Nacht zum Freitag erlassene landesweite Zugangssperre stütze sich auf mehrere Gerichtsurteile.

Türkische Gerichte hätten aufgrund von Beschwerden die Sperrung von Twitter-Inhalten verlangt, mit denen die Persönlichkeitsrechte von Bürgern verletzt worden seien. Die Inhalte seien aber nicht gelöscht worden, so dass nur die Sperrung der gesamten Plattform übrig geblieben sei. Twitter werde wieder freigegeben, sobald die beanstandeten Inhalte gelöscht seien.

Die Nachrichtenagentur Anadolu meldete, eines dieser Gerichtsurteile beziehe sich auf eine Frau im nordtürkischen Samsun, die sich gegen ein gefälschtes, in ihrem Namen eröffnetes Twitter-Konto zur Wehr gesetzt habe. In diesem Konto seien pornografische Bilder erschienen.

Der Anwalt der Frau erklärte laut Anadolu, er habe die Beseitigung des gefälschten Kontos verlangt, aber keineswegs die Sperrung von Twitter insgesamt.

Wichtiges Medium für Opposition

Bei Twitter werden seit Wochen Korruptionsvorwürfe gegen Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und die Regierung veröffentlicht. Die Botschaften sind mit mitgeschnittenen Telefonaten verlinkt, in denen Erdogan und andere Regierungsmitglieder zu hören sind.

Dabei geht es unter anderem um Schmiergeldzahlungen. Erdogan, der vor Gemeindewahlen am 30. März steht, sieht ein Komplott von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen. Dieser bestreitet die Vorwürfe.

Erdogan hatte die Twitter-Sperrung am Donnerstag bei einer Wahlkampfrede angekündigt. Internationale Reaktionen interessierten ihn nicht, sagte er.

Gül nennt Vorgehen "inakzeptabel"

Tausende Türken setzten sich über das Verbot hinweg, darunter auch Präsident Abdullah Gül, der den Bann in einer Twitter-Botschaft "inakzeptabel" nannte. Technisch sei es ohnehin unmöglich, Twitter gänzlich zu verbieten. Er hoffe, das Verbot bleibe nicht lange in Kraft.

Nach einem Bericht der Zeitung "Hürriyet" gelang es Tausenden Twitter-Nutzern am Freitag ähnlich wie Gül, das Verbot zu umgehen. In den ersten zehn Stunden des Verbots wurden demnach rund 500'000 Botschaften gezählt, die innerhalb der Türkei abgeschickt wurden.

Twitter selbst verbreitete auf dem Account @policy Tipps, wie türkische Nutzer trotz des Verbots per SMS an dem Kurznachrichtendienst teilhaben könnten.

EU besorgt

Erdogan erntete auch aus dem Ausland viel Kritik. Die Türkei verhandelt bereits seit 2005 über einen Beitritt zur EU. Die Europäische Union bemängelt aber Demokratie-Defizite.

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), deren Vorsitz die Schweiz in diesem Jahr innehat, rügte das Abschalten von Twitter ebenfalls scharf.

(bg/sda)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von 2 Leserinnen und Lesern kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Istanbul - Die türkischen Behörden ... mehr lesen 2
Twitter ist in der Türkei erneut blockiert.
Die Konten der radikalen Anhänger wurden von Twitter gelöscht. (Symbolbild)
Bagdad - Die radikalen Anhänger der ... mehr lesen
Ankara - Der Online-Kurznachrichtendienst Twitter hat zwei Nutzerkonten ... mehr lesen 1
Twitter gibt keine Nutzerinformationen an die türkische Regierung weiter.
Selbst Staatspräsident Abdullah Gül (l.) widersetzt sich den Massnahmen der Regierung unter Erdogan (r.).
Istanbul - Die Türkei hat die ... mehr lesen 1
Weitere Artikel im Zusammenhang
Recep Tayyip Erdogan. (Archivbild)
Istanbul - Die Sperre des Kurznachrichtendienstes Twitter in der Türkei verfehlt offenbar ihre Wirkung. Nutzer finden Mittel und Wege, um die vom Regierungschef angeordnete Blockade zu ... mehr lesen 1
Istanbul - Der türkische Präsident Abdullah Gül hat sich in der Korruptionsaffäre um die Regierung in Ankara mit klaren Worten von Premier Recep Tayyip Erdogan distanziert. Er wies die These Erdogans, bei den Vorwürfen handle es sich um ein Komplott ausländischer Kräfte, zurück. mehr lesen 
Abdullah Gül.
Istanbul - Ungeachtet heftiger Kritik ... mehr lesen
Die...
Türkei dürfte langsam genug haben von den Eskapaden Erdogans und seine Partei bei den Kommunalwahlen abstrafen, obwohl sie wieder die meisten Stimmen machen wird.
Erdogan ist sein Erfolg zu Kopf gestiegen und das tut sich nie gut an der Macht. Daher wird ein kleiner Dämpfer bei den nächsten Wahlen der Türkei und der Regierung gut tun.
Dazu gibt es genug Alternativen in der Opposition, nur nicht unter den türkischen Nationalisten (MHP) und ihrem Pendant bei den kurdischen Nationalisten (BDP).
Die Türkei ist die Welt
Auch bei uns werden immer mehr Seiten zensiert.

Man werfe den Machern Rassismus vor und schon kann man die Seite sperren.

Man findet auch nicht mehr alle Zitate von Herrn Juncker (und auch anderen Persönlichkeiten) auf dem Weltweiten Spinnennetz.

Warum nicht?
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Rund 50 Prozent der beleidigenden Tweets werden von Frauen gesendet. (Symbolbild)
Rund 50 Prozent der beleidigenden Tweets ...
200'00 Tweets in drei Wochen  Auch wenn der Twitter-CEO Dick Costello 2015 bereits angekündigt hat, frauenfeindlichen Tweets auf seiner Plattform den Kampf anzusagen, fällt der Erfolg dieser Massnahmen bislang eher spärlich aus. Das zeigt eine aktuelle Studie des britischen Think-Tanks Demos. mehr lesen 
Links frei  San Francisco - Der Kurznachrichtendienst Twitter will in Tweets erhaltene Hyperlinks künftig nicht mehr zu den 140 erlaubten Zeichen zählen. Die damit gewonnene Textfreiheit könnte wieder mehr Nutzer anlocken. mehr lesen  
.
eGadgets news.ch geht in Klausur Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in ... 21
Domain Namen registrieren
Domain Name Registration
Zur Domain Registration erhalten Sie: Weiterleitung auf bestehende Website, E-Mail Weiterleitung, Online Administration, freundlichen Support per Telefon oder E-Mail ...
Domainsuche starten:


 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 7°C 11°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen bewölkt, etwas Regen
Basel 7°C 12°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen bewölkt, etwas Regen
St. Gallen 6°C 8°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen bewölkt, etwas Regen
Bern 6°C 12°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen bewölkt, etwas Regen
Luzern 7°C 11°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen bewölkt, etwas Regen
Genf 6°C 14°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen bewölkt, etwas Regen
Lugano 12°C 14°C bewölkt, starker Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten