Wenn sich die Politik mit der Energiewende anfreundet
publiziert: Dienstag, 11. Okt 2011 / 09:26 Uhr
Gastautorin Verena Diener ist Ständerätin des Kantons Zürich.
Gastautorin Verena Diener ist Ständerätin des Kantons Zürich.

Es war ein langer, anstrengender Prozess, bis der Ausstieg aus der Atomenergie mit klarer Mehrheit auch im Ständerat möglich wurde.Warum fiel es so vielen schwer, sich von dieser risikoreichen Technologie zu verabschieden? Und ging es bei diesem Richtungsentscheid wirklich «nur» um die Atomtechnologie?

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Das letzte Jahrhundert hat unser Land wohlhabend werden lassen. «Grösser, schneller, reicher» war an vielen Orten die erfolgreiche Devise. Nur wenige realisierten, dass dieser materielle Wohlstand oft auf Kosten der Umwelt, der sozial Schwächsten und der nächsten Generationen ging.

Schatten lassen sich eine gewisse Zeit verdrängen, doch über kurz oder lang treten sie zu Tage. Der GAU im japanischen AKW, die Tonnen von hochradioaktiven Abfällen in unserem Land, aber auch die Steuerstreite mit Deutschland, den USA und anderen Ländern bezüglich Steuerfluchtgeldern führen uns drastisch vor Augen, wie ein Land von seinen «Schatten» eingeholt werden kann.

Das Ringen im Ständerat

Für mich ist seit über 40 Jahren klar, dass die Produktion von Atomstrom unverantwortbare Risiken mit sich bringt. Verständlich also, dass ich mich über die Ausstiegsentscheide von Bundesrat und Nationalrat freute und mich diesem Weg anschliessen wollte.

Schwieriger war der Weg für all jene, deren Weltbilder auf billiger Energie, auf billigen Ressourcen im Überfluss und auf dem Wunsch nach Grenzenlosigkeit basierten. Wer sich in der Frühlingssession noch voller Überzeugung eingesetzt hatte für neue AKW, für den war die bundesrätliche Energiewende eine harte Knacknuss. Zumal sich in diesem Thema die Wirtschaft aufspaltete. Da war einerseits die Economiesuisse, die sich nicht von ihren alten Dogmen lösen konnte. Und andererseits eine fast täglich wachsende Gruppe von KMU und Unternehmen, die ihre Chance in Innovation, Energieeffizienz und erneuerbarer Energien sehen.

Alte Welt muss sich mit neuer Welt verbinden

Im Ständerat war bis wenige Stunden vor der entscheidenden Debatte nicht klar, wo sich die Mehrheit einfinden würde. Dank vielen Gesprächen, Disputen und Fakten gelang es, eine neue Mehrheit zu finden für einen bedingungslosen Ausstieg ohne schwammige Begriffe wie «heutige oder nächste Generation».

Der Bundesrat muss nun dem Parlament eine Energiestrategie unterbreiten, die ohne Atomstrom auskommt und von uns allen noch einiges an Umdenken und Verhaltensänderung verlangen wird. Nur aus der Atomenergie auszusteigen, greift zu kurz. Wir sind aufgefordert, definitiv aus dem Zeitalter des Verschwendens auszusteigen und uns wieder mit Masshalten und Rücksichtnahme vertrauter zu machen. Und das wird für alle eine grosse Herausforderung werden.

(Gastautorin Verena Diener/ETH-Zukunftsblog)

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